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Burgau

20.07.2017

Der Jugendtreff wird wieder aufgegeben

Der Vertrag mit der Jugendhilfe Seitz wird nicht verlängert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Burgauer Stadtrat will den Vertrag mit der Jugendhilfe Seitz nicht mehr verlängern. Das kommt für die Mitarbeiter überraschend - und auch für manche Fraktion.

Noch im März hatte es im Kulturausschuss das eine oder andere Lob für die Arbeit im Jugendtreff Burgau gegeben – angesichts der teils harschen Kritik in den vergangenen Jahren konnte das als gutes Zeichen für die Zukunft der Einrichtung gewertet werden. Schließlich zeigte der Bericht von Jugendpflegerin Nadine Erath, dass sich das Angebot zunehmend etabliert. Dass der Treff noch nicht von so vielen angenommen wird wie gewünscht, liege sicher auch daran, dass es in der Stadt längere Zeit keine Jugendarbeit gegeben hatte und sie erst im Juni 2013 wieder aufgenommen wurde. Doch wie sich jetzt zeigte, war das trügerisch: Mit 13 zu sechs Stimmen hat der Stadtrat beschlossen, den Treff nicht weiterzuführen und den Vertrag mit der Jugendhilfe Seitz nicht zu verlängern.

Zuvor hatte sich nur Tobias Auinger ( SPD) geäußert – äußerst lobend. Die Stadt könne stolz auf den Treff sein und auf das, was dort geleistet wird. Die Mitarbeiter hätten ein zunehmend großes Vertrauen zu den Jugendlichen aufgebaut. Sonst meldete sich aber niemand zu Wort. Das kritisierte später Auingers Fraktionskollege Manfred Kramer: „Der Rat hat eine Diskussion verweigert, ich hätte schon eine Diskussion darüber erwartet.“ Somit ist die Zukunft der Einrichtung und der Jugendarbeit in der Stadt generell wieder offen, die erneute Aufbauarbeit wird beendet. „Wir werden eine andere Lösung finden müssen“, sagte Bürgermeister Konrad Barm ( Freie Wähler). Den Vorschlag Kramers, dass die Stadt die Trägerschaft übernimmt, fand er nicht gut, da die Verwaltung kein entsprechend geschultes Personal habe. Der Vertrag mit der Jugendhilfe läuft zum Jahresende aus, ohne dass es eine (öffentlich diskutierte) Alternative gäbe. Gekostet hat das Angebot 61000 Euro im Jahr.

Der Chef der Jugendhilfe, Michael Seitz, hat erst von unserer Zeitung von der Entscheidung erfahren – und ist davon völlig überrascht. Damit hätte er trotz der Kritik in den vergangenen Jahren nicht gerechnet, denn die Resonanz der Jugendlichen werde immer besser. Er findet es schade, dass über die Jahre nur sehr wenige Ratsmitglieder sich den Treff von innen angeschaut hätten und jetzt diese Entscheidung getroffen wurde, „aber wir werden noch mal Gas geben und es bis zum Schluss durchziehen. Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den Jugendlichen.“

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Das sagen die Fraktionschefs zur Entscheidung

Doch warum ist die Entscheidung so gefallen? Unsere Zeitung hat sich bei den Fraktionen umgehört. Dieter Kircher (SPD) ist „schockiert und enttäuscht“ und findet eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung im Jugendbereich falsch. „Wenn schon ein Kind profitiert, sind die Anstrengungen gerechtfertigt.“

Auch Wilhelm Frielinghaus (CWG) ist erstaunt über das Nein. Es sei nicht jede Treppe oder jedes Bodengutachten nötig, wenn die Jugend nun alleine gelassen werde.

Martin Brenner (CSU) findet hingegen eine Kosten-Nutzen-Rechnung auch hier wichtig, und das Konzept der Jugendhilfe habe zunehmend weniger überzeugt. Sie sei ja selbst ratlos gewesen, warum der Treff nicht gut angenommen werde. Klar sei, dass etwas für die Jugendlichen getan werden müsse, „vielleicht müssen wir auch unsere Ziele überdenken“.

Wie er sagt übrigens auch Jürgen Pauer (Freie Wähler), in den vorherigen Sitzungen sei das Thema erschöpfend diskutiert worden. Die Jugend werde nicht erreicht, höchstens ein paar Jüngere. „Wir brauchen hier aber keine Kinderbetreuung.“ Seitz und sein Team seien nicht erfolgreicher gewesen als andere Träger zuvor. Es sei nun besser, die Vereine zu stärken.

An sich, so sagt Herbert Blaschke (FDP/FB), sei das Geld bei der Jugend gut angelegt, „aber es ist nicht das passiert, was wir uns vorgestellt haben“. Es gebe ja bereits Gespräche für eine andere Lösung, sodass er zuversichtlich ist, dass die Jugendlichen künftig nicht allein gelassen werden.

Und auch Hermann Mühlbauer (ABB) will ein neues Konzept, was nicht ausschließe, wieder mit der Jugendhilfe Seitz zu sprechen – wenngleich die Unzufriedenheit groß sei wegen zu wenig Resonanz im Treff und zu wenig Streetworking. Mit Freibad und Eishalle biete die Stadt der Jugend aber schon einiges.

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