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Landkreis Günzburg

25.07.2019

Der Landkreis Günzburg will eine „Digitale Bildungsregion“ werden

Auch der Umgang mit Tablets will gelernt sein.
Bild: Bernhard Weizenegger

Warum der Kreistag die Bewerbung einhellig unterstützt, aber nicht jeder Kreisrat deswegen gleich begeistert ist.

Den Anhängern des FC Bayern München hat das getaugt am Mittwochnachmittag im Sportheim des SV Ettenbeuren. Kaffee wurde in Kannen im Design des Rekordmeisters ausgeschenkt. Landrat Hubert Hafner stritt jede Parteilichkeit ab. Der Sportverein habe dies bereitgestellt, fügte er an. Um Fußball, Sportförderung oder den öffentlich gewordenen Vermutlich-Rückzug des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß ging es gestern Nachmittag den Kreisräten nicht.

Dafür beschäftigte sich der Günzburger Kreistag in seinem „Auswärtsspiel“ mit dem Landkreis als Bildungsregion – präziser formuliert: als Digitale Bildungsregion. Die Bewerbung für dieses Gütesiegel, das das Kultusministerium verleiht, ist fertiggestellt und wurde von den Kreistagsmitgliedern einstimmig durchgewunken. Bis Ende dieses Monats müssen die Unterlagen eingereicht werden.

Zwei Ausschüsse haben sich dafür ausgesprochen

Dass der Kreistag kein Problem mit der Bewerbung hat, war schon vor der Sitzung klar. Schließlich hatten der Jugendhilfeausschuss sowie der Schul-, Kultur- und Sportausschuss bereits den Kreisräten empfohlen, die notwendigen Unterlagen einzureichen.

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Die weitere stellvertretende Landrätin Simone Riemenschneider-Blatter (SPD) betonte die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens gerade auch in einer digitalen Welt. Bei der Anschaffung von Lernmitteln wie Tablets müsse darauf geachtet werden, dass Kinder aus ärmeren Familien nicht noch stärker ins Hintertreffen gerieten.

Ganz pragmatische, aber wenig leidenschaftliche Gründe führte der Kreisvorsitzende Maximilian Deisenhofer für die Zustimmung seiner Grünen-Fraktion an: „Die Arbeit für die Bewerbung ist ja schon erledigt. Und dabei zu sein, schadet schließlich nicht.“ Man könnte das positiver formulieren. Dem Landtagsabgeordneten Deisenhofer gefällt der Titel ohne Mittel jedoch nicht. „Der Landkreis bekommt als Digitale Bildungsregion weder einen Cent zusätzlich vom Freistaat noch mehr Personal.“ Das habe man bereits bei der „Bildungsregion“ Günzburg gesehen. Seit gut drei Jahren darf sich der Landkreis, der zudem Familien- und Kinderregion ist, auch mit der Bildungsbezeichnung schmücken. Für den Grünen-Politiker ist das Label eine „PR-Maßnahme des Kultusministeriums“. Die Freien Wähler (FW) stimmten ebenfalls zu, sich zu bewerben. Wie Deisenhofer äußerte sein FW-Vorsitzendenkollege Josef Brandner Zweifel an den „sehr vielen, teils unterschiedlichen Aktivitäten“ und „der Netzwerkerei auf den Plattformen in den Regionen“. Er wollte wissen, ob man sich Gedanken über eine „Leitlinie“ des Projekts gemacht habe.

Amtsleiterin nennt konkrete Beispiele

Kreisjugendamtsleiterin Antonia Wieland, die die Initiative von Landratsamtsseite aus begleitet, sieht das neue Label durchaus als Anstoß, mit Maßnahmen vor Ort etwas zu bewirken. Das sagte sie am Rande der Sitzung gegenüber unserer Zeitung. Es sei schwierig, „das Ganze auf Tablets oder Infrastruktur zu beschränken. Denn ein schnelles Internet dank Glasfaserkabel liegt nun einmal nicht in der Macht der Gemeinden“. Medienpädagogische Maßnahmen, ein koordinierter Einkauf bei Hard- oder Software oder die Installierung eines Systemadministrators nannte sie als konkrete Beispiele.

Landrat: Die Arbeit in eine passende Form gegossen

Landrat Hafner sieht die Digitalisierung als einen „fortlaufenden Prozess“. Da verbietet sich Stillstand gewissermaßen. „Aktuell entwickeln sich die digitalen Möglichkeiten oft schneller als die Kompetenzen der Bevölkerung, mit der Technik umzugehen. Diese Herausforderung wollen wir gemeinsam mit den Bildungsakteuren vor Ort annehmen“, schreibt Hafner im Vorwort zur Bewerbung. Er findet, dass „die Arbeit des Landkreises in diesem Bereich mit der Bewerbung in eine passende Form gegossen wird“.

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