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Leipheim

22.07.2016

Der lange Weg zurück zur Natur

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Das Donaumoos wäre ohne die Arbeit der Arge nicht das, was es heute ist. Am gestrigen Samstag wurde Jubiläum gefeiert.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Die Arge Donaumoos kümmert sich seit 25 Jahren um ein bedeutendes Feuchtgebiet.

Natürlich war es auch zeitlich ein weiter Weg bis zur Jubiläumsfeier am Freitagnachmittag im Zehentstadel: 25 Jahre hat die Arge Donaumoos hinter sich gebracht. Doch wie alle Pioniere hatte es die Arbeitsgemeinschaft teilweise richtig schwer. Daran erinnerte der Vorsitzende Christian Konrad, Bürgermeister der Stadt Leipheim, beim Festakt. Wichtigste Aufgabe war, das Niedermoor wieder mit Wasser zu füllen. Es dauerte allerdings lange, bis die Haftungsfrage bei möglichen Vernässungsschäden geklärt waren, oder: „Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir an einem Freitag nicht wussten, ob wir das Personal der Arge am darauffolgenden Montag entlassen müssen, weil wir die Löhne nicht zahlen konnten und nicht wussten, ob das erforderliche Geld fließt oder nicht.“ Dennoch sei der Staatsvertrag zwischen Bayern und Baden-Württemberg, der die Wiedervernässung möglich machte, „ein Glücksfall“.

Flora und Fauna haben sich erholt 

Das Moos drohte einst auszutrocknen. Dass dies verhindert wurde, ist das große Verdienst der Organisation und hat das Leipheimer Moos zu einem bundesweit beachteten Ökoprojekt gemacht. Flora und Fauna haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erholt.

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Darauf verwies auch die stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab. Früher standen die Rohstoffgewinnung, die großflächige landwirtschaftliche Nutzung und die Verringerung der Hochwassergefahr durch technische Maßnahmen im Vordergrund – was zu Lasten der Natur ging: „Ich behaupte, ohne die Arge Donaumoos wäre das Schwäbische Donaumoos seinerzeit zugrunde gegangen.“ Noch immer sei das Leipheimer Moos das erste und einzige Niedermoor in Bayern, das flächig wiedervernässt und so als Lebensraum für über 1300 Pflanzen und Tierarten erhalten wurde. Während beispielsweise die Zahl der Bekassinen, einem Moorvogel, in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen habe, sei der Bestand allein im Donaumoos so groß wie in ganz Schleswig-Holstein.

Dieses Feuchtgebiet zu retten war in den Augen von Schwabens Regierungspräsident Karl Michael Scheufele eine Pioniertat. Die sei aber nur möglich gewesen, weil so viele Menschen, Organisationen und auch Behörden zusammenwirkten, vor allem Naturschützer, Kommunen und Landwirtschaft. Er sei froh, dass die Bauern so viel mitgetragen, „aber auch ertragen haben.“ Das Miteinander sei das Erfolgsgeheimnis. Doch wichtig sei auch, dass Naturschutz erlebbar sei. Damit beleuchtete er den selben Aspekt wie Monika Wiesmüller-Schwab, die gesagt hatte, es sei von größter Bedeutung, die Schönheit und Einzigartigkeit den Menschen auch nahe zu bringen, was die Arge intensiv betreibe. „Nur was man kennt, das schätzt man, und was man schätzt, das schützt man.“

„Wir drücken uns vor den Konsequenzen“ 

Die sozusagen globale Dimension des Naturschutzes beleuchtete als Festredner der einstige Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der am Morgen erst von einer Reise nach New York zurückgekehrt und direkt nach Leipheim gekommen war. Er kritisierte, dass die Menschen allzu oft lediglich kurzfristig denken und handeln und viel zu wenig an die Folgen für die nachkommenden Generationen denken. „Wir drücken uns vor den Konsequenzen“, sagte er. Töpfer war acht Jahre lang Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Kenia und hat dort erfahren, wie die Armen hilflos zusehen müssen, wie die reichen Nationen die Welt verändern – und sie die Folgen tragen müssen. Die Eingriffe in Natur, Umwelt und Klima würden immer massiver. Gerade bei einem Blick in die Rote Liste der gefährdeten Arten zeige sich, dass sie überwiegend an feuchten Standorten leben – doch die würden immer häufiger trockengelegt. Ein Kernsatz seiner Rede: „Nützlichkeit darf nicht das Hauptkriterium unseres Handelns sein. Wir müssen raus aus der Diktatur der Kurzfristigkeit“.

Einer, der bei dieser Feier viel Lob zu hören bekam, war Arge-Geschäftsführer Ulrich Mäck. Er sorgte dafür, dass auch Mitarbeiter, Weggefährten und nicht zuletzt seine Familie die ihnen gebührende Anerkennung erhielten.

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