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Landkreis Günzburg

25.12.2019

Die Limbacher ehren Karl Kempter

In der Limbacher Kirche St. Stephan erinnert jetzt ein Porträtrelief an den in Limbach geborenen Komponisten und Kirchenmusiker Karl Kempter. Das Bild zeigt von links: Kirchenpflegerin Mathilde Egenberger, Felix Landgraf, Kunstbeauftragter des Bistums Augsburg, Burgaus Stadtpfarrer Simon Stegmüller, Edeltraud Jehle und Ulrike Merfeld von der Kirchenverwaltung und Bildhauer Egon Stöckle.
Bild: Peter Wieser

In St. Stephan erinnert jetzt eine Tafel an den Komponisten. Einweihung ist am zweiten Weihnachtsfeiertag.

„Sie ist die schönste Pastoralmesse überhaupt“, sagen die einen. „Ohne die Kempter-Messe ist für mich nicht Weihnachten“, sagen die anderen. Die Pastoralmesse in G-Dur ist das bekannteste Werk von Karl Kempter und wird vor allem an Weihnachten im schwäbischen Raum und weit darüber hinaus gesungen und gespielt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird sie auch in der Kirche St. Stephan zu hören sein. Das hat einen besonderen Grund: Karl Kempter wurde vor 200 Jahren, am 17. Januar 1819, in Limbach geboren. Ein Porträtrelief in seiner Heimatkirche soll an ihn erinnern.

An dem Anwesen in der nach ihm benannten Karl-Kempter-Straße weist eine Tafel darauf hin, dass sich dort sein Elternhaus befand. Im Limbacher Pfarrhof hängt ein Bild, das Karl Kempter zeigt. Bereits in jungen Jahren erwies er sich als großes Talent an der Orgel. Im Alter von zwölf Jahren wurde er Schüler von Michael Keller, Komponist, Organist und Chorregent in der Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra in Augsburg. Mit 18 Jahren wurde Karl Kempter dort dessen Nachfolger an der Orgel und zwei Jahre später Domorganist am Augsburger Dom.

Er schuf über 120 Werke

1865 wurde er zum Domkapellmeister ernannt. Er schuf mehr als 120 Werke, darunter die Kempter-Messe, die 1851 in der Christmette am Heiligen Abend erstmals im Augsburger Dom zu hören war. Als diese an Weihnachten einmal nicht aufgeführt wurde, sollen von den Augsburgern wäschekörbeweise Beschwerdebriefe eingegangen sein. Sogar König Ludwig II. von Bayern wusste seine Musik zu schätzen, auch Richard Wagner sprach ihm seine Anerkennung aus.

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Am 17. Januar 2019 jährte sich der Geburtstag von Karl Kempter zum 200. Mal. Am 19. Januar fand im Augsburger Dom anlässlich des Jubiläums als Auftaktveranstaltung eine Aufführung der Kempter-Messe mit rund 400 Chorsängern statt. Die Idee, in der Heimatkirche Kempters etwas entstehen zu lassen, was an ihn erinnere, sei damals im Augsburger Dom bereits perfekt gewesen, erzählt Mathilde Egenberger, Kirchenpflegerin der Kirchenstiftung St. Stephan in Limbach. Es habe sich die Frage gestellt, wie man diese umsetzen könne.

Kirchenstiftung übernimmt Hauptanteil der Kosten

Etwas Nachhaltiges und Dauerhaftes sollte es sein, vor allem etwas der Person Karl Kempter Adäquates und Lebendiges, erklärt Felix Landgraf, Kunstbeauftragter des Bistums Augsburg. Inspiriert von einer Gedenktafel zur Erinnerung an den Domorganisten und Komponisten Karl Kraft war bei der Limbacher Kirchenverwaltung die Entscheidung gefallen, dass es auch von Karl Kempter ein solches Porträtrelief geben soll.

Man sei von Anfang an bereit gewesen, etwas zu machen, sagen Edeltraud Jehle und Ulrike Merfeld von der Limbacher Kirchenverwaltung. Das Ganze habe sich dann Schritt für Schritt entwickelt. Die Hauptsumme der Kosten hat die Kirchenstiftung St. Stephan übernommen, finanziell dazu beigetragen haben die bischöfliche Finanzkammer und die Stadt Burgau.

Am Aufgang zur Empore

Seit Freitag befindet sich das Relief in der Limbacher Kirche. Der Platz wurde ganz bewusst gewählt – nicht irgendwo an der Wand, sondern direkt am Aufgang zur Empore und zur Orgel, dem Ort, an dem Karl Kempter zu Beginn gewirkt hat. Geschaffen hat die in Aluminium gegossene Gedenktafel der Bildhauer Egon Stöckle aus Hohenfurch bei Schongau, der vor kurzem den Kunstpreis der Stadt Landsberg erhalten hat und gleichzeitig Kunstpreisträger des Bistums Augsburg ist.

Unterhalb des Porträtreliefs befindet sich eine zweite Tafel. Auf dieser sind Noten, eine Partitur des Kyrie, mit eingegossen. Die Idee dazu stammte von Pater Stefan Kling, Prior im Kloster Roggenburg und Leiter des Amtes für Kirchenmusik in der Diözese.

Warum der Zeitpunkt ideal ist

Für die Einweihung hätte es kaum einen passenderen Zeitpunkt geben können als den zweiten Weihnachtsfeiertag: Zum einen ist es der enge Bezug der Kempter-Messe zu Weihnachten, zum anderen wird in Limbach an diesem Tag das Patrozinium gefeiert. Es sei höchste Zeit gewesen, dass in der Heimatkirche von Karl Kempter ein Gedenkort an ihn entstanden sei, betont Burgaus Stadtpfarrer Simon Stegmüller.

Beim Festgottesdienst am Donnerstag, der um 10 Uhr beginnt, wird er das Porträt-Relief feierlich segnen. Der Burgauer Kirchenchor wird in kleiner Besetzung unter der Leitung von Claudia Smalko mit instrumentaler Begleitung eines Ensembles die Kempter-Messe singen. Im Anschluss daran, sind die Gottesdienstbesucher herzlich eingeladen, im Pfarrstadel mit einer Tasse Glühwein auf zwei Personen anzustoßen: Auf Karl Kempter und auf den Heiligen Stephanus.

Die Kempter-Messe trift mitten ins Herz

Noch einmal zurück zur Kempter-Messe: Was ist denn das Besondere an ihr? „Sie geht zu Herzen“, sagt Mathilde Egenberger. Sie hat recht: Die Kempter-Messe berührt nicht nur, sie trifft mit ihrer weihnachtlichen Feststimmung die schwäbische Mentalität mitten ins Herz.

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