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Handel- und Gastroserie (18)

24.01.2021

Die Schlossbrauerei Autenried und die Gaststätte sind ihr Leben

Die Seniorchefs Celia und Rudolf Feuchtmayr haben mit den Kindern Peter und Veronika Feuchtmayr (Mitte) sowie Tochter Julia Kaufmann bereits die nächste Generation im Unternehmen integriert. Zur traditionellen Brauerei gehört auch das Hotel und Restaurant.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der Autenrieder Betrieb mit eigenem Mineralbrunnen und Landwirtschaft ist eine Institution. Zusammen mit ihren drei Kindern führen Celia und Rudolf Feuchtmayr den Betrieb.

Einzelhändler, Gastronomen/Hoteliers und „Lebensmittelhandwerker“ wie Bäcker und Metzger machen eine Innenstadt und ein Dorf lebendig. Doch schon vor Corona haben viele um die Zukunft gekämpft, vielerorts haben Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen. Corona hat die Probleme verschärft. In einer Zeit, in der durch das Virus und seine Folgen Innenstädte und Dörfer weiter auszubluten drohen, will unsere Zeitung einen Kontrapunkt setzen und über die berichten, bei denen die Nachfolge geregelt ist. So heißt unsere Serie auch, der Einfachheit halber auf Überbegriffe fokussiert: „Handel und Gastronomie mit Zukunft“.

In der Küche der Gastwirtschaft hat sich früher das halbe Leben abgespielt. Während Papa Rudolf Feuchtmayr in der Schlossbrauerei gearbeitet und Mama Celia am Herd gestanden und für die Gäste gekocht hat, haben sich nebenan ihre kleinen Kinder – erst Julia, dann Peter und als letzte Veronika – im Laufstall vergnügt. Oder auch geschlafen. Neben der Spülmaschine sei der Schlaf am tiefsten gewesen, erzählt die heute 59-Jährige. Später wurden hier auch die Schulhausaufgaben erledigt. Irgendwann zogen sich die Mädchen Schürzen an, schnappten sich Zettel und Stift und halfen mit, die Wünsche der Gäste zu notieren. Und Peter fuhr am liebsten im Lastwagen mit und half, Bier auszuliefern. Alle drei sind in und mit der Wirtschaft und der Brauerei groß geworden – dass sie auch alle drei nach Lehre und Studium im heimatlichen Betrieb eingestiegen sind, finden die Eltern außergewöhnlich. „Da können wir schon sehr froh sein. Andere mittelständische Unternehmen können davon nur träumen“, sagt Rudolf Feuchtmayr.

Das Glück, mit Kindern gesegnet zu sein, denen der Betrieb übergeben werden kann, hatten zuvor nicht alle Generationen. Alois Rudolph, der 1912 die Schlossbrauerei, die bis dahin im adeligen Besitz war, gekauft hatte, war kinderlos geblieben.

Dem Neffen Leonhard Feuchtmayr 1964 die Brauerei verkauft

1964 entschloss er sich deshalb dazu, seinem Neffen Leonhard Feuchtmayr den Betrieb zu verkaufen. Dessen Sohn Rudolf, damals gerade fünf Jahre alt, wuchs in der Welt des Bieres auf und in sie hinein, machte selbst eine Brauer- und Kaufmannslehre und führt das Unternehmen seit 1993.

Vorher heiratete er seine Celia, die den Beruf Erzieherin gelernt und im Förderungswerk St. Nikolaus gearbeitet hatte, aber dann den Job an den Nagel hing und in Autenried mit einstieg. Schnell noch eine Kurzlehre zur Fachgehilfin im Gastgewerbe gemacht und von der Schwiegermutter angelernt worden – „sie war die beste Ausbilderin“ – und los ging es.

Rudolf Feuchtmayr ist Inhaber der Schlossbrauerei Autenried. In seinem Brauereimuseum lässt sich die Geschichte des Bierbrauens erleben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nach und nach kamen die drei Kinder Julia, Peter und Veronika zur Welt, gleichzeitig musste die Gastwirtschaft am Laufen gehalten werden, „das war knackig“, erinnert sich Celia Feuchtmayr zurück. Zu Kundenbesuchen nahm sie die Kinder kurzerhand mit, hatte sie keine Zeit für die Kleinen, kümmerten sich Mitarbeiter um sie.

Mama und Papa Feuchtmayr haben die Kinder zu nichts gezwungen

„Sie haben ihnen viel gezeigt, beigebracht und ein bisschen miterzogen“, sagt Rudolf Feuchtmayr. Sie als Eltern hätten vielleicht nicht immer viel Zeit gehabt, „aber wir waren immer zu Hause und immer für die Kinder da“. Es habe sich eine eingeschworene Gemeinschaft entwickelt, was auch heute noch so sei.

Die Schlossbrauerei in Autenried braut eine Vielzahl von Biersorten. Der Betrieb umfasst auch eine Gastwirtschaft und ein Wohlfühlhotel.
Bild: Bernhard Weizenegger

Dass die erwachsenen Kinder auch im Brauerei- oder Gaststättengewerbe tätig sind, hätten die Eltern nie forciert. „Wir sind zu nichts gezwungen worden“, betont Julia. Sie ist mit 33 Jahren die älteste Tochter, steht kurz vor der Geburt des ersten Kindes und lebt inzwischen mit ihrem Mann am weitesten entfernt von der Heimat – im benachbarten Ichenhausen. Sie hat sich nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau entschlossen, hat noch den Hotelbetriebswirt draufgesattelt und arbeitet seit 2012 im drei Jahre zuvor neu gebauten Wohlfühlhotel mit.

Peter Feuchtmayr ist Braumeister und Biersommelier

Für Bruder Peter war früh klar, dass er die Brauereischiene wählen würde. Nach zehn Jahren, zwei Lehren (zum Brauer und Mälzer sowie zum Groß- und Außenhandelskaufmann) und zwei Studiengängen (Brau- und Getränketechnologie und Getränkebetriebswirtschaft) sowie einer Ausbildung zum Biersommelier stieg der heute 31-Jährige im heimischen Betrieb ein.

Die Schlossbrauerei Autenried setzt seit Herbst 2020 verstärkt auf kleinere Glasflaschen mit 0,33 Litern Inhalt. Zu den Biersorten Helles, Pilsener und Zwickel gibt es sechs alkoholfreie Getränk: zwei Mineralwassersorten, Johannisbeer-Spritz, Birne-Holunder-Spritz, Orange-Cola und Orangenfruchtsaft-Schorle. Firmenchef Rudolf Feuchtmayr und sein Sohn Peter hoffen auf steigende Nachfrage im Bereich Gastronomie und Konferenzen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nur Veronika, mit 28 das Nesthäkchen, war drauf und dran, auszuscheren. Kunst- und Grafikdesign schwebte ihr vor, „aber mein ganzes Leben vor dem Computer zu sitzen, ist dann doch nicht meins“, sagt sie. Sie wollte lieber „etwas Gescheites“ machen – und ließ sich wie die große Schwester zur Hotelfachfrau ausbilden. Und obwohl sie eigentlich auch nicht vorhatte, zu studieren, begann sie nach der Lehre den Bachelor-Studiengang Tourismusmanagement. In einem Reisebüro in Ulm kümmerte sie sich um Veranstaltungen und Tagungen von A bis Z, bis dann Anfang 2020 doch in den heimischen Betrieb zurückkehrte.

Mit Corona wurde die Gastwirtschaft von 100 auf null runtergefahren

Eine perfekte Ergänzung, freuten sich die Eltern: Ist doch Julia die Frau der Zahlen, Peter der Techniker und Veronika die Gestalterin. „Wir dachten alle, jetzt sind wir besonders stark, alle zusammen – und dann kamen Corona und der Lockdown, und es ging von 100 auf Null runter“, erzählt Veronika. Nach einem kurzen Aufschwung im Sommer folgte Anfang November der nächste Lockdown.

Für die Familie, die in Eigenregie Brauerei, Brauereigasthof mit Wohlfühlhotel und Landwirtschaft betreibt – eine Konstellation, auf die der 61-jährige Rudolf Feuchtmayr unglaublich stolz ist, da sie außergewöhnlich sei – eine nie gekannte und unglaublich schwierige Situation.

Schlossbrauerei: Insgesamt 85 Mitarbeiter wegen Corona in Kurzarbeit

25 Mitarbeiter in Hotel und Gaststätte und 60 Mitarbeiter, die in der Brauerei tätig sind, befinden sich in Kurzarbeit. Dass an Weihnachten und Silvester, wo der Laden normalerweise brummt, nichts los war außer dem „Außer-Haus-Verkauf“, war für den Seniorchef „eine Folter und furchtbar frustrierend“.

Trotz gewaltiger Einbußen und Ausfälle will aber keiner in der Familie Feuchtmayr jammern, alle hoffen, im Frühjahr wieder aufmachen und mit Vollgas loslegen zu können.

Im Hintergrund laufen längst die Planungen, an Zielen, Ideen und Innovationen fehlt es nicht, hat es bisher nie gefehlt. „Das ist der Vorteil einer Familie, jeder hat seinen Bereich, aber wir tauschen uns ständig aus, jeder bringt seine Vorstellungen ein und springt für den anderen ein“, sagt Rudolf Feuchtmayr. Und keiner sei sich zu schade für irgendeinen Job.

Schlossbrauerei: Inzwischen gibt es 23 Biersorten

Er selbst hatte einst die Vision einer Bier-Erlebniswelt, herausgekommen sind ein Museum, Braukurse und Brauereibesichtigungen, Sommelierabende und Bierkrimis. Am Bier, das vom Korn bis zum Saft aus einer Hand kommt, und an den Saftschorlen wird ständig gefeilt und geändert. „Wir probieren und testen, seit wir denken können“, sagt Julia.

Zur Schlossbrauerei der Familie Feuchtmayr gehört auch ein Brauereimuseum.
Bild: Peter Rothermel (Archivfoto)

Das Portfolio umfasst inzwischen 23 Biersorten- und 20 Sorten alkoholfreie Erfrischungsgetränke und Mineralwasser. In den 80er Jahren sei die Schlossbrauerei die erste im Landkreis gewesen, die ein leichtes Weizen einführte. Mit einem Weizen-Doppelbock-Bier in einer Magnumflasche und Sektkorken „waren wir der Zeit voraus“, sagt Celia. Und 2020 wurden Produkte in neuen 0,33-Liter-Fläschchen auf den Markt gebracht.

Julia bringt es am Ende auf den Punkt: „Corona hat uns gestoppt, aber Ideen haben wir viele und wir machen weiter.“ Wenn ihr Kind auf der Welt ist und sie selbst wieder arbeiten kann, will sie es so halten wie ihre eigene Mutter einst mit ihr: Das Baby wird in die Gastwirtschaft mitgenommen.

Lesen Sie dazu auch:

Alle Folgen der Serie "Handel und Gastronomie mit Zukunft" im Kreis Günzburg

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