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Landkreis Günzburg

21.12.2020

Die Stimmung beim Christbaumkauf ist in diesem Jahr gedrückt

Michael Müller von „Christbaum Müller“ in Großkötz hat viel zu tun wenige Tage vor Weihnachten. Qualitativ hochwertige Christbäume sind stark gefragt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die Corona-Pandemie hat heuer viel verändert und auch der Christbaumverkauf ist davon nicht ausgenommen. Welche Erfahrungen zwei Betriebe in Günzburg und Kötz machen.

Für Einzelhändler, Friseure und viele andere Geschäfte und Dienstleister, die keine lebensnotwendigen Dienste verrichten, hat der Weihnachtsverkauf in diesem Jahr frühzeitig mit dem Shutdown am 16. Dezember geendet. Nur wenige Branchen sind von dieser Regelung ausgenommen – eine davon ist der Christbaumhandel.

Michael Müller, Inhaber von „Christbaum Müller“ in Großkötz, ist darüber sehr erleichtert. „Als wir vorvergangenen Freitag gehört haben, dass der Lockdown früher kommen soll, als ursprünglich angekündigt, haben wir schon Angst bekommen“, erzählt er. Schließlich seien die Bäume bereits gefällt und anders als Kartoffeln könne man diese natürlich nicht bis nach Weihnachten lagern. Auch in Günzburg bei „Gollmitzers Weihnachtsstadel“ habe man sich große Sorgen gemacht, erzählt Bernhard Wagle. „Die zwei Wochen vor Weihnachten sind die Wichtigsten im Christbaumgeschäft.“ Da der Stadel selbst ja wegen der Corona-Auflagen bereits geschlossen sei und nur Essen zum Mitnehmen anbiete, wäre es schlimm gewesen, wenn auch noch diese Einnahmequelle weggebrochen wäre.

Christbäume aus eigenem und bayerischem Anbau verkauft Michael Müller ab Hof.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Nachfrage habe sich in diesem Jahr laut Müller durchaus verändert: „Es wird nicht so auf den Preis geschaut. Bis vor einem Jahr hat man noch den Baum genommen, der vielleicht etwas billiger ist, weil man noch in den Skiurlaub wollte. Jetzt darf es ruhig größer und schöner und entsprechend auch teurer sein, weil man sich sonst nichts Großartiges leisten kann.“ Auch dass man sich gleich zwei Bäume kaufe – einen für drinnen und einen für draußen – sei recht häufig vorgekommen in diesem Jahr.

Keine Märkte und keine Weihnachtsfeiern

Ein Kundenstamm ist heuer allerdings fast gänzlich ausgefallen: die Betriebe. So hätten zwar viele Unternehmen noch größere Bäume für den Hof vor der Firma gekauft, erklärt Müller. Bedingt durch die nicht stattfindenden Weihnachtsfeiern seien Bäume für den Innenraum und vor allem Deko aber nicht nachgefragt. Dazu komme, dass Müller normalerweise die Dekoration für viele Weihnachtsmarktstände liefere. Auch das fällt in dieser Saison weg. „Insgesamt gleicht sich das mit der höheren privaten Nachfrage ungefähr aus.“

Aber nicht nur die Menge und Qualität der gekauften Bäume unterscheidet sich von denen aus den vergangenen Jahren. Auch der Beginn des Christbaumverkaufs ist deutlich nach vorne gerutscht. Sind die ersten Kunden bisher meist ab dem ersten Adventswochenende gekommen, begann das Geschäft in diesem Jahr für Müller bereits eine Woche vor dem ersten Advent.

Christbäume gibt es aus bayerischem Anbau im Donauried in Günzburg beim Weihnachtsstadel Gollmitzer. Mitarbeiter Gregor Adreka bereitet die Bäume auf den Verkauf vor.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wagle hat ganz andere Erfahrungen gemacht: Sowohl in der jungen Generation als auch bei den Älteren sei ein Baum gerade in diesem Jahr nicht besonders wichtig. „Man bekommt einiges mit als Verkäufer. Viele wollen in diesem Jahr keinen Baum, weil man ja auch niemanden einladen darf.“ Auch könne man die entstandenen Verluste nicht ausgleichen und oder ersetzen, die Saison sei bei ihm zum gleichen Zeitpunkt gestartet wie immer, nämlich Ende November. „Man muss die diesjährige Situation einfach akzeptieren“, sagt er, obwohl er den Ausdruck „diesjährige Situation“ langsam nicht mehr hören könne.

Die Nordmanntanne ist der beliebteste Baum

Die Hauptverkaufszeit pro Woche hat laut Müller normalerweise am Freitagmittag begonnen, dann wurde das noch bis Samstagmittag gesteigert. Auch an Sonntagen sei „Christbaum Müller“ gut besucht gewesen. „Die Leute können ja nichts machen, alles hat zu, es gibt keine Weihnachtsmärkte – das einzige Highlight ist das Aussuchen eines Christbaums.“ Der verkaufsstärkste Tag sei immer der dritte Adventssamstag und nach wie vor sei der mit Abstand beliebteste Baum die Nordmanntanne.

Obwohl der Verkauf im Freien stattfindet, hält sich Müller wie alle anderen Einzelhändler an die Hygienemaßnahmen, Abstand zu halten und Masken zu tragen. Letzteres sei für die Angestellten oft anstrengend, da diese eine körperlich anspruchsvolle Arbeit hätten. Und natürlich gilt: kein Glühwein- und Bratwurstverkauf. „Es ist schon ungewohnt den Kunden gegenüber. Früher haben wir jedem noch einen Glühwein angeboten, jetzt wird bezahlt und gegangen.“

Die Vorfreude ist nicht so spürbar

Bernhard Wagle hat vor allem die bedrückte Stimmung der Kunden vor Augen. „Viele sind extrem enttäuscht. Ältere Menschen haben oft mehrere Kinder und Enkel und sind dann traurig darüber, dass sie sie nicht sehen können.“ Es sei einfach kein normales Weihnachten in diesem Jahr und auch die Vorfreude sie nicht wie sonst spürbar.

Schilder machen vor „Gollmitzers Weihnachtsstadel“ in Günzburg auf die geltenden Hygienemaßnahmen aufmerksam.
Bild: Bernhard Weizenegger

Äußerst positiv sei ihm aufgefallen, dass sich die Kunden „sehr vorbildlich“ an die Hygienevorschriften hielten, die natürlich auch bei ihm gelten. Am Anfang habe er da schon Bedenken gehabt. Unbegründet, wie sich bald herausstellen sollte. „Das geht ganz automatisch, die Leute steigen aus ihrem Auto aus und ziehen sich ihre Maske über.“ Außerdem hätten sich die Hauptverkaufstage entzerrt. Normalerweise seien die meisten am Wochenende gekommen. Heuer verteile sich das über die ganze Woche. So seien viele Stammkunden extra an Werktagen gekommen, um dem Wochenendansturm zu entgehen. Und da viele so dächten, sei der Andrang nie besonders groß, es sei leicht, Abstand zu halten.

Hoffnung für das nächste Jahr

Auch in Großkötz halten sich die Kunden laut Müller an die Vorschriften. Ihm sei ist ebenfalls die Belastung der Kundschaft aufgefallen. Trotzdem unterstütze er die Corona-Maßnahmen. Er selbst und seine Familie hätten besonders in den vergangenen Wochen Angst gehabt, sich mit Covid-19 anzustecken. „Dann hätten wir den Laden schließen können, so schnell findet sich da auch kein Ersatz.“ Bisher sei aber glücklicherweise nur ein Mitarbeiter als eine sogenannte „Kontaktperson eins“ in Quarantäne gewesen, der Corona-Test sei aber negativ ausgefallen.

Wie er würden die allermeisten seiner Kunden die Entscheidung der Regierung trotzdem akzeptieren, er wisse niemanden, der geschimpft hätte. Und die meisten seien voller Hoffnung, dass im kommenden Jahr wieder alles normal ablaufen könne.

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