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Günzburg/Krumbach

22.05.2019

Durch Brexit-Chaos: Ein Brite aus Krumbach wird zum Deutschen

Stolz halten die neuen Staatsbürger ihre Urkunden. Das Foto zeigt unter anderem Antje Mühlenbein von der Integrationslotsenstelle (links), Andrew Spearpoint aus Großbritannien (Dritter von links) und die Stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab (rechts).
Bild: Heidi Heberle/Landratsamt

Der Landkreis Günzburg heißt 16 neue Staatsbürger willkommen. Welche Rolle die britische Politik für einen Architekten aus Krumbach dabei spielt.

Nicht nur mit Akkordeon und Gitarre, sondern auch mit den schwäbischen Worten „Schea, dass dau bisch!“ wurden 16 Bewohner aus dem Landkreis Günzburg begrüßt. Sie feierten ihre neu erlangte Staatsbürgerschaft im Landratsamt. Aus Kuba, Großbritannien, Ungarn, Marokko, Indien und anderen Ländern kommen diesmal die Menschen, die im Landkreis Günzburg leben. Nach mehreren Reden und dem Bekenntnis zur Grundordnung, haben die Einwanderer die Nationalhymne gesungen. Dann erhielten sie ihre Einbürgerungsurkunde und ein passendes Geschenk: Einen Regenschirm für das launische, deutsche Wetter.

Nasses Wetter kennt auch der ehemals britische Neubürger Andrew Spearpoint. Spätestens seit dem Brexit-Referendum von 2016, das den EU-Austritt Großbritanniens beschloss, herrschen dort auch politisch nicht sonderlich sonnige Aussichten. Das Brexit-Chaos unter Regierungschefin Thersa May stört den 49-jährigen Briten. Er schämt sich für die politische Lage in seiner ehemaligen Heimat: „Statt diesem Hin und Her sollte man endlich eine Entscheidung fällen.“

Krumbacher Architekt durfte nicht über Brexit abstimmen

Der Brexit war für ihn der Auslöser für die finale Auswanderung. „Sollte es zum Austritt kommen, könnte ich bei der Ein- und Ausreise oder mit meiner Rente Probleme bekommen“, erläutert er seine Entscheidung. „Wäre der Brexit nicht gewesen, hätte ich die deutsche Staatsbürgerschaft wahrscheinlich nicht beantragt.“ An dem Referendum durfte der Architekt aus Krumbach damals nicht teilnehmen, da er nicht wahlberechtigt war. Sein Aufenthalt in Deutschland sei zu lange gewesen. Seit 2009 lebt er mit seiner deutschen Frau hier.

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Deswegen sei Deutschland für den Briten die beste Alternative gewesen. Eine Arbeitsstelle konnte er ohne große Probleme finden und ein sozialer Anschluss war bereits vorhanden. Wichtig waren ihm auch die Rechte, die er im deutschen Staat hat. „Ich möchte wählen und politisch mitbestimmen können.“

Obwohl der Brexit in der eigenen britischen Familie mittlerweile Tabuthema sei, kann er dem Ganzen privat nur schwer aus dem Weg gehen. Viele würden einen Briten nur noch damit in Verbindung bringen. „Da spricht einen der Bäcker morgens an: Was macht die Theresa May heute?“

Dass er mit seiner Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft nicht der einzige ist, hat Spearpoint mittlerweile erkannt. „Ich habe viele Briten kennengelernt, die wegen des Brexits nach Deutschland auswandern.“

Spearpoint fürchtet weitreichende Folgen eines Brexit

Dass der Exodus, den viele bei einem Austritt erwarten, eine ernst zu nehmende Konsequenz ist, zeigen Zahlen vom Immobilienmarkt. Seit den kritischen Verhandlungen zwischen EU und dem britischen Parlament im Frühjahr, sind die Suchanfragen für Wohnungen auf dem europäischen Festland gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr um ganze 30 Prozent. Das ergab eine Analyse der Online-Wohnungsbörse „Housinganywhere“. Unter den potenziellen Emigranten sind vor allem junge Menschen. Von den deutschen Städten ist München die beliebteste.

Scheitert also ein „Exit vom Brexit“, könnte es zu einer großen Auswanderungswelle kommen. Was der Insel schaden würde, könnte der Region zu gute kommen: „Von den potenziellen Fachkräften kann der Landkreis Günzburg auf jeden Fall profitieren“, erklärt Andrea Schneider, Leiterin der Ausländerbehörde. Seit dem Brexit sei die Anzahl britischer Staatsbürger im Landkreis mit ungefähr 40 jedoch gleich geblieben.

Oft haben die neuen Deutschen aber weniger politische Gründe für ihre Staatsbürgerschaft: Evelin Szorg und ihre Mutter aus Ungarn zum Beispiel. Sie sind, wie viele andere Neubürger auch, aus familiären Gründen hier.

Was plant Theresa May als nächstes? Das lest ihr hier: May will Parlament über Brexit-Referendum abstimmen lassen

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