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Landkreis Günzburg

28.02.2015

Ein Jahr Outlet Jettingen-Scheppach: Schwerer Stand für Nachbarn

Schon zur Eröffnung war der Parkplatz am Outlet Jettingen-Scheppach voll.
Bild: Bernhard Weizenegger

Den Handelskomplex nahe der Autobahn stand von Anfang an in der Kritik. Die Betreiber sind zwar zufrieden und wollen expandieren. Doch woanders gibt es Probleme.

Schon von der Autobahn aus ist ein Werbeschild für das Outlet am Ortsrand von Jettingen-Scheppach zu sehen. Nahe der Anschlussstelle Burgau reihen sich seit genau einem Jahr Modegeschäfte aneinander. Doch bevor das Outlet eröffnete, stemmten sich nicht nur die Nachbarn Burgau und Günzburg gegen das Projekt, sondern auch der Handels- und Gewerbeverein (HGV) Jettingen-Scheppach. Im November 2013 hatte der damalige Vorsitzende Roberto Simonazzi gesagt, der Verein sei „entschieden gegen dieses Vorhaben“. Heute ist er Beisitzer, bei seiner Meinung und Skepsis bleibt er aber weiter: „Das Outlet ist voll, die Geschäfte im Ort sind leer. Wir partizipieren nicht voneinander.“

Der heutige Vorsitzende Boris Bethke hingegen sagt, von den Mitgliedern bekomme er keine Rückmeldungen zu diesem Thema. Eine Zusammenarbeit zwischen Outlet und HGV gebe es auch nicht, nur einzelne Unternehmen wie sein eigenes Fotostudio hätten immer mal wieder Aufträge dort. Stattdessen setze der Verein auf sein neues Kundenmagazin. Die Bürger seien aber durchaus angetan vom Outlet.

Diese Einschätzung teilt Bürgermeister Hans Reichhart, der froh ist, dass sich aus der einstigen Baumarkt-Brache an der Stelle wieder etwas entwickelt hat. „Man hört nur Positives“, sagt er. Und: „Die ganze Region profitiert.“ Im Gegensatz zu Simonazzi ist er sogar der Ansicht, in der Gemeinde gebe es relativ wenig leere Ladenlokale. Wenn jetzt noch die Sanierung des Ortskerns angepackt werde, könne sich diese Entwicklung fortsetzen. Dafür solle auch die Zusammenarbeit zwischen Outlet und Gewerbeverein, die es nach den Worten von Bethke ja gar nicht gibt, intensiviert werden. Doch auch Oliver Maronna, geschäftsführender Gesellschafter des Betreibers 1A-Outlet-Entwicklungs-GmbH, spricht von „regelmäßigen Treffen“ und einer „sehr guten Zusammenarbeit“ mit dem Vorsitzenden des Handelsverbands.

Vier bis sieben neue Geschäfte gegenüber

Davon abgesehen: Das Outlet laufe so gut, dass im nächsten oder übernächsten Jahr auf der gegenüberliegenden Straßenseite vier bis sieben neue Geschäfte entstehen und zu den derzeit 50 Jobs bis zu 40 zusätzliche Arbeitsplätze kommen könnten. Das 1200-Quadratmeter-Grundstück hat die Gesellschaft bereits erworben, schließlich seien die Erwartungen erfüllt, „die Kunden nehmen das Outlet sehr gut an“.

Für die Probleme des Einzelhandels will Maronna aber nicht verantwortlich gemacht werden, daran sei vor allem das Internet schuld. Wer nicht darauf reagiere, mache sich selbst die größten Schwierigkeiten. Außerdem zeige das Beispiel des Outlet-Centers in Ingolstadt, dass auch eine Innenstadt von einer solchen Ansiedlung profitiere. Das hätte auch für Günzburg gelten können, doch weil es dort nicht genehmigt worden sei, stehe es nun eben statt in Schwaben in Oberbayern.

Für den Vorsitzenden der Wirtschaftsvereinigung Günzburg, Peter Schleifer, und Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig klingt das wie Hohn. Schließlich ist es ihr erklärtes Ziel, statt der grünen Wiese die Innenstadt zu stärken. Schleifer kann nicht verstehen, dass die Regierung von Schwaben das Outlet überhaupt genehmigt und den Landesentwicklungsplan ignoriert habe. Die Begründung damals: Weil es sich um einzelne Läden und kein Einkaufszentrum handele, widerspreche das Projekt nicht dem Plan. In der Tat sind es acht Geschäfte diverser Modefirmen, beworben werden sie aber unter dem Namen „Outlets Jettingen-Scheppach“. Jauernig will mit der Industrie- und Handelskammer sowie dem Handelsverband eine Erweiterung überprüfen. Denn er bleibt dabei: „Die Zentren müssen gestärkt werden, nicht die grüne Wiese.“

Handelskammer fürchtet einen Präzedenzfall

Dabei könnte er wohl auch auf Unterstützung aus Burgau bauen. Bürgermeister Konrad Barm sieht das Outlet nach wie vor kritisch und findet es „bedenklich“. Von einigen Einzelhändlern in der Stadt habe er bereits gehört, dass sie weniger Kunden hätten, und das lasse nicht auf eine positive Zukunft für die Geschäfte hoffen. Vor allem die Bürger, die zum Bummeln in die Stadt kämen und dann spontan einkaufen, fehlten inzwischen häufiger, sagt auch der Vorsitzende des Handelsverbands Burgau, Pierre Sauer. Auf die Stammkunden könnten die Läden zwar weiter zählen. Bloß: Je mehr Angebote es im Outlet gebe, desto weniger Menschen kämen für den Einkauf in die Stadt. Das mache es für die Inhaber noch wesentlich schwieriger, einen Nachfolger zu finden. Deshalb müsse sich Burgau weiter in Richtung Lifestyle und Gastronomie entwickeln, weshalb Sauer hofft, dass sich am Kirchplatz bald etwas tut und in der alten Mädchenschule etwa ein Café einzieht.

Zu einer solchen Belebung gehört für die Industrie- und Handelskammer aber auch eine einheitliche Vermarktung, sagt Stadtentwicklungs-Referent André Köhn. Die Ortszentren müssten mit einem Mix aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung wieder zum Treffpunkt werden. Bauten wie das Outlet, das nach Ansicht der IHK so hätte nicht gebaut werden dürfen, seien da kontraproduktiv. Köhn fürchtet, dass die Ansiedlung in Jettingen-Scheppach zum Präzedenzfall für Bayern werden könne, wenn es darum gehe, wie sich der Landesentwicklungsplan umgehen lasse.

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