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Günzburg

22.10.2015

Ein Mädchen verzaubert alle

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Die Waisenkinder singen.

Das Maria-Ward-Gymnasium hat mit „Annie“ einen Musical-Klassiker nach Günzburg gebracht. Warum eine Elfjährige besonders begeistert hat.

Standing Ovations im Günzburger Forum am Hofgarten: Keiner sitzt mehr auf seinem Platz und jeder klatscht. Das ist der Abschluss der ersten „Annie“-Aufführung am Dienstagabend. Eine Elfjährige glänzt dabei besonders: Leni Petrick. Schon beim ersten Stück zeigt Petrick, die die Hauptrolle der kleinen Annie spielt, dass sie singen kann. Mit unglaublicher Kraft und schwierigen Übergängen von Ton zu Ton beginnt sie mit dem Titel „Einmal“. Die Schülerin hatte zuvor Gesangstraining, dennoch wirkt es erstaunlich, dass sie mit elf Jahren so eine kraftvolle Stimme hat.

Die Schule hat ein professionelles Musical auf die Beine gestellt

Aber nicht nur sie überzeugt in ihrer Rolle. Das Maria-Ward-Gymnasium hat es geschafft, ein professionelles Musical innerhalb von einem Jahr auf die Beine zu stellen. Als musikalische Unterstützung spielen an den beiden Aufführungen am 20. und 21. Oktober, unter anderem Musiker der Band Jazz Spätzla mit, die der Offinger Musikschulleiter Klaus Schlander dirigiert. Sänger Alexander Kussmaul, spielt einen der Hauptdarsteller: den Milliardär Oliver Warbucks. Und auch die alkoholsüchtige Heimleiterin Miss Hannigan wird von einer professionellen Künstlerin verkörpert: Kerstin Lonsinger ist ausgebildete Musicaldarstellerin.

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Von den Eltern verlassen 

Das Stück spielt in den 30er-Jahren in New York. Annie lebt mit anderen Kindern im Waisenhaus in der Millionenstadt. Ihre Eltern haben sie dort als Baby abgegeben. Im Waisenhaus ist es trist, die Kinder bekommen nur Brei von der gefürchteten, schlecht gelaunten und hervorragend gespielten Miss Hannigan zu essen und müssen den ganzen Tag den Fußboden schrubben. Sie haben dieses Leben satt und singen gemeinsam mit Eimer und Besen in der Hand: „Dieses Leben stinkt“. Immer wieder klopfen sie dabei mit den Putzutensilien auf den Boden. Die Stimmgewalt der Kinder ist immens.

Auch die Zeitgeschichte spielt eine Rolle

Annie gelingt die Flucht aus dem Waisenhaus. Auf den Straßen von New York begegnen ihr Obdachlose, alle gespielt von Kindern und Jugendlichen. Auch sie besingen ihr Leid in „Wir woll’n dir danken, Herbert Hoover“. Sie machen den amerikanischen Politiker für ihr Leben auf der Straße verantwortlich.

Das Waisenkind wird von einem Leutnant zurück zu Miss Hannigan gebracht, die darüber singend klagt, dass sie jeden Tag von diesen „Mädchen“ umgeben ist. Im Minutentakt greift die Frau zu ihrem Flachmann, den sie in ihrem Mantel versteckt hat. Sie nennt es „Medizin“. Hannigan wirkt authentisch, echt, verzweifelt, manchmal einfach auch nur intrigant. Lonsinger schafft es, der Frau ein reales Gesicht zu geben. Man bekommt fast schon Mitleid mit der fiesen Heimleiterin.

Hoffnung für Annie

Und dann kommt Annies großer Auftritt: Sie wird ausgewählt, die Weihnachtsfeiertage bei dem Milliardär Oliver Warbucks zu verbringen. Alexander Kussmaul macht Warbucks zu einer Person, mit der die Zuschauer mitempfinden können. Vom einstigen alleinstehenden und distanzierten Milliardär wandelt sich der Mann im Verlauf des Musicals zum Kinder liebenden und vor allem auch witzigen Vater für Annie. Musikalisch überzeugt er in Duetten mit verschiedenen Darstellern, besonders zum Schluss des zweiten Aktes im Duett mit Annie.

Die elfjährige Leni Petrick spielt sie mit voller Hingabe. Sie begrüßt den amerikanischen Präsidenten Roosevelt mit einem charmanten, hektischen Armschütteln und schafft es sogar, das amerikanische Kabinett zum Singen und Lachen zu bringen. „Menschen wie dich sollte der amerikanische Präsident um sich haben“, sagt Roosevelt, gespielt von Josef Lipp. In dieser Szene singt Annie das bekannte Lied: „Schon morgen“, das sich wie ein roter Faden immer wieder durch verschiedene Sequenzen des Musicals zieht. Es stellt den Optimismus des Mädchens mit den roten Haaren dar, mit dem sie alle ansteckt. Fast alle: nur Miss Hannigan nicht.

Ein gelungenes Weihnachtsfest

Der Elfjährigen gelingt es nicht, ihre Eltern zu finden, denn die sind, wie sich später herausstellt, schon lange tot. In einer Intrige gibt sich Hannigans Bruder, ebenfalls überzeugend gespielt von Kristian Kempfle, als Annies Vater aus, um ein Belohnungsgeld zu erhalten. Die Lüge fliegt auf und Annie wird letztlich von Oliver Warbucks adoptiert. Warbucks scheint glücklich wie noch nie. In mehreren Titeln besingt er seine Vaterliebe für Annie. Am Ende des Stücks stehen alle Waisenkinder, der Präsident, Warbucks mit Angestellten und Sekretärin Grace, zu der er sich sichtlich hingezogen fühlt, vor dem Weihnachtsbaum und singen noch einmal das Lied „Schon morgen“. Grace (Julie Eberle) scheint wie ein Mutterersatz für das Kind. Sie ist für Annie da und sieht, welchen positiven Einfluss die Nähe des Mädchens auf Warbucks hat. Hannigan und ihr Bruder mit Freundin Lily (Yasmin Söll) werden verhaftet. Das Publikum steht auf. Alle klatschen. Standing Ovations im Forum.

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