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Kirche

25.12.2013

Ein Stern macht Schlagzeilen

Auch über dem Eingang zum Günzburger Rathaus leuchtet „stella maris“, der achtstrahlige Stern von Bethlehem.
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Auch über dem Eingang zum Günzburger Rathaus leuchtet „stella maris“, der achtstrahlige Stern von Bethlehem.

„Stella maris“ leuchtet wieder in vielen Gotteshäusern im Landkreis Günzburg. Er sollte acht Zacken haben.

Der wohl berühmteste Stern der Christenheit leuchtet wieder. In unzähligen Krippen, auf Kunstwerken, als Weihnachtsbeleuchtung in Stadt und Land und in den Fenstern der Häuser strahlt der „stella maris“, der achtstrahlige Stern von Bethlehem – auch über dem Eingang zum Günzburger Rathaus. Selbst im Vatikan machte er vor Kurzem Schlagzeilen. Er ziert seit März das Wappen von Papst Franziskus. Das bis dahin verwendete Pentagramm, ein fünfzackiger Stern, führte zu Irritationen und Diskussionen. Der Fünfstern, auch „Drudenfuß“ genannt, ist in der katholischen Welt umstritten.

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Er wurde in den vergangenen 250 Jahren vor allem von den Freimaurern als magisches Zeichen benutzt und symbolisierte dort Beine, Arme und Kopf des sich selbst genügenden Menschen, der keinen Gott braucht. Andere Mystiker wiederum sahen in den fünf Zacken das Zeichen für die fünf Wunden Christi. Bis zu seiner Ernennung führte Papst Franziskus das Pentagramm in seinem Bischofs- und Kardinalswappen. Mit päpstlicher Zustimmung wurde das Wappen nun geändert.

Der fünfzackige Stern wurde durch den Stern von Bethlehem ersetzt. Dessen Urform ist der achtstrahlige „stella maris“, der „Meerstern“ oder „Marienstern“. Er ist in eine reichhaltige Symbolik und Mystik eingebettet. Die Zahl Acht steht für Vollkommenheit und Erneuerung. Ihre heilsgeschichtliche Begründung liegt in der biblischen Geschichte um die Sintflut, aus welcher acht Menschen, Noah und seine sieben Verwandten, von Gott gerettet wurden.

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Die frühe christliche Kirche sah im Mysterium der Acht das Symbol der Auferstehung. Sicherlich hat es in der päpstlichen Wappenänderung auch eine Rolle gespielt, dass der Namenspatron des Jesuitenpapstes Franziskus, der heilige Franz von Assisi, 1223 die erste Weihnachtsszene mit lebenden Tieren nachstellte und die Jesuiten 1562 in Prag die erste Krippe aufbauten, in welcher, wie in allen Krippen der Welt, der Stern von Bethlehem den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zum Christkind wies.

In der Kirchenkunst, in Kirchenfenstern, auf Gemälden, als Skulptur und in Wandmalereien folgen Kaspar, Melchior und Balthasar dem achteckigen Stern. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts wird er auch als Komet dargestellt. Der Kometenschweif ist der achte Strahl. Die Kometentheorie basiert auf dem Gemälde des Malers Giotto di Bondone, der 1301 den Halleyschen Kometen beobachtet hatte und diesen zwei Jahre später im Fresko „Anbetung der Könige“ in der Scrovegni-Kapelle in Padua als „Stern von Bethlehem“ darstellte.

Sterne gelten seit Menschheitsbeginn als göttliche und mystische Botschafter. So war und ist das siebenstrahlige Heptagramm ein Sinnbild göttlicher Vollkommenheit und menschlichen Schicksals. Sieben Schöpfungstage, sieben fette und sieben magere Jahre, die sieben Schmerzen Mariens, das verflixte siebte Jahr, im siebten Himmel oder sieben Weltwunder blieben bis heute ein Buch mit sieben Siegeln.

Oftmals wurden und werden die Sterne auch politisch missbraucht, wie das sechsstrahlige Hexagramm, das Siegel König Salomos, der Davidstern, der als „Judenstern“ zum mörderischen Brandmal wurde. Auch daran erinnert der „Stern von Bethlehem“, wenn er von Christmas bis Lichtmess über den Krippen des Landkreises leuchtet.

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