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Jubiläum

06.05.2019

Ein bisschen mehr als nur a cappella

A cappella ein bisschen anders: Zum zehnjährigen Jubiläum der Zukunftswerkstatt Offingen begeisterte MA’cappella am Samstag im Offinger Klaiberhaus mal klassich, mal rockig und riss das Publikum sogar auf Schwäbisch mit.
Bild: Peter Wieser

Zum zehnjährigen Bestehen hat die Zukunftswerkstatt Offingen ein außergewöhnliches Ensemble eingeladen

Dass das nicht irgendeine Veranstaltung werden sollte, war den Besuchern am Samstag im Offinger Klaiberhaus schnell klar. Nicht nur die Zukunftswerkstatt Offingen feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum (wir berichteten), auch die Gäste, die an diesem Abend gekommen waren, sind mittlerweile seit zehn Jahren auf den Bühnen unterwegs. MA’cappella: „Sechs junge Männer mit glockenhellen Stimmen und sie sehen auch noch super aus“, bemerkte Monika Schweizer von der Zukunftswerkstatt scherzend.

A cappella im Klaiberhaus, also Musik, die ohne Instrumente auskommt, was kommt da auf einen zu? Also: Sechs Herren, gekleidet in schwarzen Anzügen, mit Lackschuhen und schwarzer Fliege, schreiten auf die Bühne und werfen dem Publikum erst einmal Dusty Springfields „Son of a Preacher Man“, begleitet von einem stetigen „a doo doo, dooba di doo“ im Hintergrund, entgegen. Dieses klatscht und wippt mit den Füßen mit und wird vom MA’cappella-Mann Sebastian erst einmal für seine rhythmische Sicherheit kräftig gelobt.

Munter erklärt dieser, wie das Sextett vor zehn Jahren entstanden ist: „Mir ham’ am Werkgymnasium in Heidenheim koin Bock auf Sport g’habt.“ Eine klare Aussage – lieber singen anstatt turnen. Die Herren setzen mit „Breakfast at Tiffany’s“ gleich noch eins drauf. Bei „Ein Freund, ein guter Freund“ werden sie nicht nur immer schneller, die Stimmen erreichen inzwischen schwindelerregende Höhen in perfekt ineinandergreifenden A-cappella-Einsätzen. Und weil MA’cappella ursprünglich aus dem Raum Heidenheim stammt, wo ja ebenfalls schwäbisch gesprochen wird, wird „Stand by me“ gleich mit Übersetzung geliefert, damit das Publikum auch den Text versteht: „Wenn d’Nacht komma isch ond in Offinga isch’s dunkel, dann steh’ bei mir.“ Ben E. King hätte gestaunt. MA’cappella kann aber auch anders.

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Bei der von Dani komponierten und arrangierten Totenmesse „Kyrie“ und „Lux“, einem Nach-vorne-Blicken und das Positive sehen, wird es im Publikum ganz still, geradezu andächtig. Mit „Hide and Seek“, „Danny Boy“ und „Amazing Grace“ zeigt sich das Sextett auch „a bissale“ experimentell: „Da merkt ma net, wenn oiner falsch singt“, klärt Sebastian auf, der das Publikum den ganzen Abend hindurch mit lockeren Sprüchen zum Lachen bringt. Da wundert es nicht, wenn sich noch ein mindestens sechsstimmiges „Prosit der Gemütlichkeit“, begleitet von einem Bayerisch Hell, im Klaiberhaus breitmacht.

MA’cappella erzählt von „Kuschelsex und Händchenhalten“, einem schönen Lied, nur mit etwas anrüchigem Text. Das dürfen die Jungs auch, schließlich sind sie ja jetzt erwachsen. Dass nach Stings an goldschimmernde Gerstenfelder erinnerndem „Fields of Gold“ langsam Schluss sein soll, gefällt dem Publikum allerdings ganz und gar nicht. Dafür darf es zu „The Lion sleeps tonight“ noch einmal mitklatschen, aufstehen, sich um 360 Grad drehen und in sämtlichen Tonlagen a cappella mitsingen. Eine Zugabe gibt es obendrauf, bevor sich die Herren in Schwarz mit einer weiteren, nämlich der „Barbara Ann“, von der Bühne und einem begeistert applaudierendem Publikum verabschieden. Nicht ganz: Weil diese ja ebenfalls ein Jubiläum zu feiern haben, wird im Anschluss mit der Zukunftswerkstatt und dem Publikum gleich noch ein bisschen mitgefeiert. Und was sagt dieses dazu? „So was hätt’ ich jetzt nicht erwartet“, „Die sind super“, und „Oifach schea“, lauten die Antworten.

Am Sonntag feierte die Zukunftswerkstatt ein weiteres Mal – mit Kabarettistin Marlies Blume, herzerfrischend und liebenswürdig, so wie man sein Zehnjähriges eben feiert.

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