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Jettingen-Scheppach

01.02.2018

Ein erster Schritt hin zu einer neuen Sporthalle

Die Turnhalle an der Eberlin-Mittelschule in Jettingen wurde 1965 gebaut. In den Augen von Bürgermeister Hans Reichhart erfüllt sie längst nicht mehr die heutigen Anforderungen.
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Die Turnhalle an der Eberlin-Mittelschule in Jettingen wurde 1965 gebaut. In den Augen von Bürgermeister Hans Reichhart erfüllt sie längst nicht mehr die heutigen Anforderungen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nach langer Debatte entscheidet der Gemeinderat Jettingen-Scheppach, 200000 Euro in eine Planung zu stecken.

Wenn es um das Thema Sporthallenneubau in Jettingen-Scheppach geht, wird gewöhnlich heftig und emotional diskutiert. Das war vor fast 30 Jahren schon so, und das war auch in der jüngsten Sitzung nicht anders. Wie sehr das Thema reizt, zeigte sich nicht nur daran, dass zahlreiche Zuhörer gekommen waren – was Seltenheitswert hat –, sondern auch daran, dass sich die Gemeinderäte fast eineinhalb Stunden lang kontroverse Wortgefechte lieferten. Am Ende rangen sich die Räte mit 11:6 Stimmen dazu durch, dem Vorschlag von Bürgermeister Hans Reichhart zu folgen. Demnach sollen heuer im Haushalt 200000 Euro für eine Vorplanung einer neuen Halle eingestellt werden.

Die Sitzung hatte kaum begonnen, da stellte Helmut Feuchtmayr ( Freie Wähler) den Antrag, doch erst das Investitionsprogramm zu beraten, bevor über einen Sporthallenneubau nachgedacht werde. Sein Argument, dass sich die Kollegen dann leichter tun würden, sahen die anderen jedoch nicht so. Bürgermeister Hans Reichhart ( CSU) warb intensiv im Rat für eine neue Halle, die jetzige in Jettingen stamme aus dem Jahr 1965, sie entspreche absolut nicht mehr den Standards. In Sachen Turnhallen sei der Markt damit sicher Schlusslicht im gesamten Landkreis. Eine Sporthalle gehöre zur Infrastruktur, davon profitierten nicht nur die Vereine, sondern die gesamte Gesellschaft und auch die Kultur. Natürlich spiele die Finanzierbarkeit die entscheidende Rolle, 3,5 bis vier Millionen müssten die Obergrenze sein. Doch dies könne die Gemeinde durchaus stemmen. „Wir haben 3,7 Millionen Euro auf dem Konto, das habe ich in 40 Jahren als Kommunalpolitiker noch nie erlebt“, betonte Reichhart. Diese Zeit müsse man nutzen, um die Sache anzugehen. „Es sind noch viele Schritte notwendig, bis wir eine fertige Halle haben. Aber wir müssen jetzt den ersten Schritt machen, um ans Ziel zu kommen.“

An die finanzielle Situation der Kommune knüpfte Josef Seibold (CSU) an. Immer wieder betonte er, dass ihm eine Entscheidung nicht leicht falle. Auch er sehe, dass der Markt gerade gut dastehe. Gleichzeitig warnte Seibold davor, welch gewaltige Ausgaben für Rathaus- und Innenstadtsanierung noch anfallen. Ohne Neuverschuldung komme die Gemeinde nicht aus. Wie Kämmerer Matthias Endris bestätigte, bräuchte die Gemeinde 3,5 Millionen Euro zum Haushaltsausgleich. Angesichts dieser Tatsache und der vielen Unwägbarkeiten, die mit einem Neubau verbunden seien, plädierte Seibold dafür, erst die begonnenen Projekte zu Ende zu bringen, bevor die Gemeinde über neue nachdenke.

Nichts übers Knie brechen

CSU-Kollege Raimund Strobl warf Bürgermeister Reichhart vor, dass sich seit dem Vorschlag im vergangenen Februar, ein Grobkonzept zu entwerfen, nichts getan habe. Jetzt über eine neue Sporthalle zu entscheiden, dazu sehe er sich außerstande. Zudem befürchtet er: „Wenn wir jetzt 200000 Euro einplanen, können wir nicht mehr zurück.“ In seinen Augen sei eine separate Sitzung nötig für eine umfangreiche Diskussion. Jetzt dürfe nichts übers Knie gebrochen werden. Ähnlich sah es auch Markus Kraus (Freie Wähler). Er habe zwar grundsätzlich kein Problem mit einer neuen Halle. Ihm fehle jedoch ein ordentliches Konzept. „Wir wissen nichts, das ist zu schwach und keine Grundlage“, bemängelte er.

Bürgermeister Reichhart hielt dagegen, dass alle Gemeinderäte die Chance zu Hallenbesichtigungen gehabt hätten, dass er zwar keine fertigen Pläne, aber einen Grundriss und eine Kostenschätzung geliefert habe. Für 3,5 Millionen Euro könne eine vernünftige Halle gebaut werden, Unterhaltskosten würden auf etwa 70000 Euro im Jahr geschätzt. Die bestehenden Hallen würden natürlich weiter genutzt. „Was wollt Ihr mehr? Ihr sucht doch nur Argumente, um Euch vorbeizuschlängeln“, fand der Rathauschef.

Einen Unterstützer fand er in Hans Reichhart junior (CSU). Der schloss sich der Meinung seines Vaters an, dass es keinen günstigeren Zeitpunkt gebe, um ein solches Projekt anzupacken. In den vergangenen Jahren seien die Pflichtaufgaben erfüllt, die Schulden abgebaut worden. Jetzt sei die finanzielle Basis erreicht, um zu sagen, „wir machen etwas anderes“. Zumal die Gemeinde nicht irgendeine sei, sondern „ein Eckpfeiler“ im Landkreis, der eine neue Sporthalle gut zu Gesicht stünde. Der Bedarf dafür sei unbestritten, die Hallen seien stets voll, es sei keine Luft mehr nach oben.

Das Notwendige muss vor dem Wünschenswerten kommen

Den Wunsch vieler Vereine, vieler Bürger nach einer neuen Halle konnte Zweiter Bürgermeister Hermann Högel (CSU) durchaus nachvollziehen. Ob ein Wunsch jedoch Ausgangspunkt für einen Neubau sein könne, fragte er in die Runde. Das Notwendige müsse vor dem Wünschenswerten kommen, schließlich stelle sich wohl kaum jemand einen Ferrari in die Garage, wenn nebenan das Haus bröckle. Es sei ein verkehrtes Signal, jetzt an eine neue Sporthalle zu denken, wo noch nicht einmal der Spatenstich für das neue Rathaus erfolgt sei. „Die Leute müssen uns ja für verrückt halten.“ In Högels Augen könne eine Halle auf keinen Fall mehr in der jetzigen Legislaturperiode gebaut werden. „Das ist eine historische Entscheidung, die muss mit Bedacht getroffen werden.“

Geht es nach Maren Lyhs (CSU), die im vergangenen Jahr den Vorstoß für einen Hallenneubau gewagt hatte, muss die Gemeinde keineswegs einen Ferrari hinstellen. Es müsse etwas Brauchbares, Vernünftiges sein. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, fand sie. Es werde immer Projekte geben, die Vorrang hätten.

Christoph Böhm (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass die Gemeinde, wenn sie schon eine neue Halle auf den Weg bringen wolle, etwas Attraktives schaffen müsse, „eine Halle für die Zukunft“. Mit einem Schnellschuss sei es nicht getan.

Keine weitere Planung für die Schublade

Seine Fraktionskollegen Paul Heinle und Helmut Feuchtmayr plädierten dafür, das Projekt wenigstens noch ein Jahr zurückzustellen, bis man wisse, was in Sachen Rathaus auf die Gemeinde zukomme. Feuchtmayr will vermeiden, dass eine weitere Planung in der Schublade landet. „Wenn wir planen, müssen wir es durchziehen. Wir haben schon so viel Geld in den Sand gesetzt für Planungen, die alle nichts geworden sind.“

Nach einer hitzigen Diskussion setzten sich am Ende die Hallenbefürworter durch. Sechs Räte stimmten gegen den Vorschlag, im kommenden Haushalt 200000 Euro für eine Hallenvorplanung bereitzuhalten. CSUler Josef Seibold bestand darauf, namentlich im Protokoll festgehalten zu werden. „Sonst heißt es in zehn Jahren, alle seien dafür gewesen.“

Bürgermeister Reichhart zeigte sich erleichtert, dass der erste Schritt in Richtung Hallenneubau gemacht sei. Er versprach, die anderen anstehenden Bauprojekte deshalb nicht zu vernachlässigen. Und er mahnte die Räte, die mit Nein gestimmt hatten, sich jetzt nicht in den „Schmollwinkel“ zurückzuziehen, sondern sich konstruktiv ins Turnhallenprojekt einzubringen.

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