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Fußball

19.05.2019

Erstmals Dritter! SC Ichenhausen krönt die Saison mit einem irren Tor

So sehen glückliche Landesliga-Fußballer aus: Unmittelbar nach Spielende in Neuburg begann die Platz-drei-Party des SC Ichenhausen.
Bild: Henning Tatje

Aus dem angesagten Abstiegskandidaten SC Ichenhausen wird der umjubelte Tabellendritte der Landesliga. Beim 4:1-Sieg in Neuburg trifft Mateusz Staron aus 50 Metern.

Als der aus der Tiefe der eigenen Hälfte herausgespielte Ball Mateusz Staron erreichte, hatte der Angreifer des SC Ichenhausen die Mittellinie auf dem Fußballplatz des VfR Neuburg, eine weite Rasenfläche und, in gut 50 Metern Entfernung, ein leeres Tor vor sich. Weil seine Mannschaft bereits 3:1 führte, das Wetter schön war und er einfach ein gutes Gefühl hatte, fasste sich der 27-Jährige ein Herz, zog ab – und nach einem formvollendeten Flug landete der Ball im Netz. Es war ein irres Tor, eines, dem sofort der schmückende Begriff „Tor des Jahres“ verliehen wurde. Und es war der Treffer zum 4:1-Endstand, der krönende Abschluss einer Saison, deren Ausgang selbst kühne Optimisten im vergangenen Sommer nicht auf dem Zettel hatten. In der Rangliste der Fußball-Landesliga Südwest ist der SC Ichenhausen Dritter. Es ist das historisch beste Resultat einer Fußballmannschaft dieses Vereins. Und es ist ein Beweis dafür, was echter Mannschaftsgeist und ein guter Trainer zusammen erreichen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

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Niemand dürfte ernsthaft bezweifeln, dass Coach Oliver Unsöld einen großen Anteil an diesem unverhofften Erfolg hat. Er selbst freilich war unmittelbar nach Schlusspfiff mit seinen Augen, Gedanken und Worten nur bei der Mannschaft. „Die Jungs haben immer gut gearbeitet, was sie abgeliefert haben, war feinste Sahne“, formulierte der 45-Jährige. Alle an ihn gerichteten Gratulationen gab der frühere Bundesligaprofi sofort weiter an die Spieler. Eine feine Spitze an tatsächliche oder vermeintliche Experten hob er sich als Schlussbemerkung auf: „Wenn man als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt wurde und dann Dritter wird, ist das schon eine außergewöhnliche Saison.“

Ichenhausen ist vom Anpfiff weg motivierter

Das Finale dieser Spielzeit dokumentierte wieder einmal, wie wichtig der Faktor Motivation im Sport ist. Vor dem Anpfiff hatten die gastgebenden Neuburger Platz drei noch inne, mit drei Zählern Vorsprung auf die Ichenhauser. Den Oberbayern war es aber augenscheinlich nicht ganz so wichtig, ob sie die Runde als Dritter oder Vierter beenden. Hängen ließen sie sich nicht gerade, aber so richtig plagen wollten sie sich auch nicht. Und so durften die ambitioniert auftretenden Gäste nach Herzenslust kombinieren. Schon der Weg zum 1:0 war ein sehenswerter Treffer. Stefan Strohhofer fing den Ball am eigenen Strafraum ab, lief los, passte kurz vor der Mittellinie auf Kilian Kustermann, lief weiter, hielt den Kopf in die perfekt gezirkelte Flanke seines Mitspielers und vollendete (17.). Gleich danach gelang Nico Breskott ein toller Chip auf Pierre Heckelmüller, der mit einem platzierten Flachschuss ins lange Eck Erfolg hatte (19.). Wieder nur wenige Minuten später platzierte Andreas Beckmann den Ball an den Pfosten und Janick Reitz schob den Abpraller aus kurzer Distanz ein (30.).

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Neuburg verzeichnete ein paar Halbchancen auf der Haben-Seite, so richtig viel kam aber nicht auf das von Liridon Rrecaj aufmerksam gehütete Tor. Seine beste Aktion hatte der Keeper, als er einen Schuss von Sebastian Habermeyer entschärfte (70.). Nicht verhindern konnte er den Ehrentreffer für Neuburg, den Niklas Uhle per Direktabnahme erzielte (75.).

Mateusz Staron mit einem Geniestreich

Es folgte der Geniestreich von Staron, der natürlich davon profitierte, dass VfR-Torwart Dominik Jozinovic sehr weit vor seinem Kasten stand. Ein Vorwurf an den Schlussmann ist daraus jedoch kaum abzuleiten; so oft passiert es ja nicht, dass ein Fußballer von jenseits der Mittellinie einfach mal draufhält. Was das Geheimnis des umjubelten Schützen war, ließ der sich nicht entlocken. Ein Erklärungsmodell hatte SCI-Abteilungsleiter Henning Tatje parat, der grinsend bemerkte: „Der Staron isst seit Neuestem polnische Hustenbonbons, an denen wird’s wohl gelegen haben.“

Ihren Beitrag zu einer mega-fröhlichen Heimfahrt im Bus leisteten ein paar mitgefahrene Ichenhauser Handballer. Anschließend gab’s die große Sause im Sportheim. Ehe er sich der Partynacht zuwendete, kündigte Tatje noch vollmundig an: „Eigentlich bin ich gar nicht der Typ zum Feiern, aber heute Nacht mache ich das Licht aus.“ Ob es tatsächlich so kam, war am Sonntag nicht zu ermitteln.

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