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Landkreis Günzburg

02.05.2019

Es ist ein Kampf um „jeden kleinen Fortschritt“

Auf die vielfältigen Probleme in Deutschland und Europa wurde bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Günzburg hingewiesen. Für die heitere Note sorgten die Weibsbilder (links) mit Witzen und Spitzen.
Bild: Greta Kaiser

Bei der Maikundgebung des DGB in Günzburg ging es um Niedriglöhne und Wohnungsnot.

Die Mischung macht’s. Ernstes und Heiteres, Erfreuliches und Besorgniserregendes prägten die Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Forum am Hofgarten. Die Palette der Themen war breit gefächert - sie reichte von der sozialen Schieflage im Land und der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich bis hin zur Wohnungsnot und der Europawahl, bei der es gelte, den Rechtspopulisten und Nationalisten eine Abfuhr zu erteilen.

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Für die heiteren Momente des Abends waren „d’Weibsbilder“ zuständig. Christine Lerch, Ingrid Faul und Sonja Czermin hatten die Lacher mit Witzen und lokalpolitischen Spitzen auf ihrer Seite, etwa mit dem Hinweis, dass der braun gebrannte, eigentlich aber rote Oberbürgermeister nun mit den Schwarzen von der CSU auf Schmusekurs sei. Einen Grundtenor der Veranstaltung griff Thomas Wolf (Gitarre) in seinen Liedern auf – den Widerstand gegen Rechte wie die AfD, die hetzten und ausgrenzten, statt einer solidarischen und menschlichen Gesellschaft das Wort zu reden.

Der Charakter des 1. Mai habe sich im Laufe der Zeiten geändert, erklärte Helga Springer-Gloning bei der Begrüßung der Besucher. Nach wie vor aber müsse um jeden noch so kleinen Fortschritt gekämpft werden. Ein aktuelles Beispiel sei der Vorstoß von SPD-Arbeitsminister Heil, die soziale Lage der Paketzusteller zu verbessern. CDU-Wirtschaftsminister Altmaier habe dies mit der „unsäglichen“ Äußerung gekontert, jetzt sei nicht die Zeit für weitere Belastungen der Wirtschaft. Die DGB-Ortsvorsitzende: „Wir müssen noch immer um primitivste soziale Standards kämpfen.“

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Hochkonjunktur bei Niedriglöhnen

Niedriglöhne hätten nach wie vor Hochkonjunktur, betonte auch Stefan Jagel von der Gewerkschaft Verdi. Befristete Arbeitsverträge für Berufsanfänger seien ebenso gang und gäbe wie der zunehmende Ausstieg von Firmen aus der Tarifbindung oder die Forderung aus Politik und Wirtschaft, die Arbeitszeiten noch länger und flexibler zu gestalten sowie die verkaufsoffenen Sonntage im Handel auszuweiten. All dem müsse entschieden widersprochen werden. Und Jagel verwies auf den Auftrag der Bayerischen Verfassung, Staat und Kommunen hätten für ausreichenden und angemessenen Wohnraum zu sorgen.

Auf dieses drängende Problem wies auch Oberbürgermeister Gerhard Jauernig hin. Allein auf der Warteliste der städtischen Wohnbaugesellschaft stünden 600 Wohnungssuchende. Stadtverwaltung und Stadtrat versuchten deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten, bis 2020 rund 100 neue Wohnungen zu schaffen, verbunden mit der Verpflichtung für größere Investoren, 20 Prozent der Wohnungen sozial verträglich anzubieten. Dies sei im Interesse aller Beteiligten, einer weiter florierenden Stadtgesellschaft und damit auch der Möglichkeit, dringend benötigte Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Branchen in Günzburg anzusiedeln.

Besondere Gäste waren zu Besuch

Besondere Gäste der Maikundgebung waren Mitglieder des deutsch-türkischen Freundschaftsvereins Mozaik. Der 20 Jahre alte Verein ist unlängst mit dem Integrationspreis des Landkreises ausgezeichnet worden. Die vielfältigen Aktivitäten von Mozaik stellten Reyhan Karabulut und Christian Niemetz vor – sie reichen von Kulturveranstaltungen über Diskussionsrunden bis hin zu gemeinsamen Reisen. In Zeiten, in denen das deutsch-türkische Verhältnis eher getrübt sei, eine umso wichtigere Aufgabe, wie Niemetz betonte.

Im Eingangsbereich des Forums ist noch bis 12. Mai eine Ausstellung zu sehen. Zum einen informiert dabei Mozaik über seine Aktivitäten, zum anderen erläutert der DGB unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig“ seine europapolitischen Forderungen. Die EU, so der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning, sei alles andere als perfekt. Sie müsse demokratischer, sozialer und transparenter werden. Eine Alternative aber gebe es nicht. Nur gemeinsam könnten die Europäer den Frieden bewahren, sich gegen die Allmacht multinationaler Konzerne wehren oder den Klimaschutz voranbringen. Keine einzige Lösung der Probleme böten die Rechtspopulisten. Ihnen müsse bei der Europawahl eine Absage erteilt werden. (kai)

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