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Landkreis Günzburg

29.06.2019

Finanzen in Gundremmingen: Achterbahnfahrt der Millionen

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle hat man in Gundremmingen hinter sich, was die finanzielle Situation angeht.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nach schweren Zeiten verabschiedet die Gemeinde einen knapp 35 Millionen Euro starken Haushalt. Derweil sorgt die Sperrung der Ortsumfahrung für Ärger.

„Wir liegen weit, weit entfernt von den Zahlen aus dem Jahr 2017.“ So hat Kämmerer Christoph Zeh seine Zusammenfassung zum Haushalt 2019 begonnen und auch Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler (CSU) merkte an: Es stehe wieder Positives in den Worttexten, anders, als man es in den vergangenen beiden Jahren nach der Gewerbesteuerrückzahlung in Höhe von fast 26 Millionen Euro (wir berichteten) gewohnt gewesen sei. Am Donnerstag verabschiedete der Gundremminger Gemeinderat den Haushaltsplan 2019 – mit einem Gesamthaushalt von knapp 35 Millionen Euro, annähernd 20 Millionen Euro im Verwaltungs- und mehr als 15 Millionen Euro im Vermögenshaushalt.

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Man habe einen Haushalt der Extreme, wie er ihn noch nie erlebt habe und wie er wohl auch nie wieder vorkommen werde, so Kämmerer Zeh: „Das größte Haushaltsvolumen, das Gundremmingen je hatte.“ Zu verdanken sei dies einem sehr komplexen Zusammenspiel aus den Finanzströmungen des Finanzausgleichs nach dem Katastrophenjahr 2017. Gundremmingen sei in der Steuerkraft von 8,6 Millionen Euro auf minus 7,7 Millionen Euro abgerutscht. „16,3 Millionen Steuerverlust, das hat noch keiner geschafft.“ Weitere Folgen seien eine Kreisumlage von Null Euro und erstmalig Schlüsselzuweisungen in Höhe von rund sieben Millionen. Bei der Gewerbesteuer habe man mit rund 6,5 Millionen Euro wieder ein gutes Niveau erreicht. Aufgrund der hohen Werte habe man eine Zuführungsrate in den Vermögenshaushalt von gut 13,4 Millionen Euro. Mit rund zwei Millionen Euro an Mieteinnahmen hätten sich auch Immobilien bezahlt gemacht.

Kämmerer spricht von beachtlichem "Heckenschwung"

Kämmerer Zeh verlor auch einige Worte zur Verschuldung. 2017 hatte die Gemeinde Gundremmingen einen Kassenkredit in Höhe von 15 Millionen Euro aufgenommen und damit, wie Zeh es nannte, den höchsten Platz in der Schuldenliga erreicht. Diesen werde man rasch wieder verlassen und sich ins Mittelfeld bewegen. Rund 6,8 Millionen sollen in diesem Jahr zurückgeführt werden, am Ende des Jahres soll die Verschuldung auf nur noch 2,5 Millionen Euro abgebaut sein. Ihr Investitionsprogramm bis 2021 kann sich die Gemeinde ohne eine Neuverschuldung leisten, bis dato besteht ohnehin seitens des Landratsamts die Auflage, sich nicht neu zu verschulden.

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2017 war Gundremmingen von einer Gewerbesteuerrückzahlung von fast 26 Millionen Euro betroffen. Am Donnerstag wurde der Haushalt verabschiedet – mit einer Höhe von knapp 35 Millionen Euro.
Bild: Peter Wieser

In den vergangenen beiden Jahren hat die Gemeinde Gundremmingen kräftig gespart. Die massiv abgebauten Rücklagen werden mit Zuführungen in Höhe von 4,5 Millionen Euro in 2019 und 6,3 Millionen im kommenden Jahr nach den derzeitigen Vorhersagen wieder dann mehr als 17 Millionen Euro betragen. Zeh sprach von einem beachtlichen „Heckenschwung“ und einem finanziellen Wechselspiel: Man brauche nicht nach Tripsdrill oder in den Europapark fahren, Achterbahn fahre man haushaltsmäßig auch in Gundremmingen.

Dank an alle für die beiden vergangenen Jahre

Rund 800000 Euro hat die Gemeinde für den Bau des neuen Kreisverkehrs an der Umgehung, knapp 900000 Euro sind für das Baugebiet „Am Anger“ und zunächst rund 150000 Euro für Planungen und erste Maßnahmen für die anstehende Kita-Erweiterung in diesem Jahr unter anderem eingeplant. „Wir haben immer noch ein sehr hohes Investitionsniveau und können das Jahr mit einem satten Abschluss abschließen“, so Zeh.

Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet, Bühler dankte seinem Gemeinderat für das Vertrauen und die Zusammenarbeit in den vergangenen beiden Jahren. Dem schlossen sich die Fraktionsvorsitzenden Alfred Herrmann (CSU), Lothar Grimm (FWG/UWG) und Zweiter Bürgermeister Anton Frei (GfG) an: Der Kämmerer habe gute Arbeit geleistet, die Basis sei das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit untereinander gewesen.

Ärger wegen Sperrung der Umgehungsstraße

Seit einigen Tagen ist die Umgehungsstraße aufgrund des Baus des neuen Kreisverkehrs zum Auwald-Sportzentrum und zum Industriegebiet „Am Auwald“ gesperrt. In Verbindung damit wird in diesem Bereich die Verschleißschicht erneuert. Der Verkehr wird großräumig über Offingen, Gundelfingen und Lauingen umgeleitet. Die Sperrung soll voraussichtlich bis zum 2. September andauern. Dennoch nutzen zahlreiche Verkehrsteilnehmer die Ortsdurchfahrt von Gundremmingen. Gemeinderat Bertram Fischer (CSU) bemängelte die mangelhafte Ausschilderung und stellte den Antrag, diese so deutlich zu machen, dass die Umleitung auch nachvollziehbar sei. Gleichzeitig sprach er sich für eine Tonnagebegrenzung bei der Durchgangsstraße auf maximal 7,5 Tonnen aus.

Seit einigen Tagen ist die Ortsumfahrung Gundremmingen wegen des Baus des neuen Kreisverkehrs gesperrt.
Bild: Peter Wieser

Vor einigen Jahren habe man die Hauptstraße saniert und wenn sich nun zwei Lkw entgegenkämen, würden diese die ganzen Rabatten niederfahren. Es werde keine Rücksicht genommen und es werde gefahren, dass es geradezu hanebüchen sei. „Unsere Kinder sind es gewohnt, dass wir eine beruhigte Ortsdurchfahrt haben“, so Fischer. Bühler, der zugleich an die dortigen Bushaltestellen und Verkehrsübergänge erinnerte, sah das ähnlich. Er habe sich bereits erkundigt, ob während dieser Zeit eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 möglich sei, und er werde die beiden genannten Punkte ebenfalls mit aufnehmen.

Es ging auch um den neuen Solarpark

Am Donnerstag wurde auch der Entwurf des Flächennutzungsplans und des vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Sondergebiet „Solarpark GZ28“ zwischen Offingen und Gundremmingen gebilligt. Südöstlich der Kreisstraße, nahe des Umschaltwerks, plant ein Betreiber die Errichtung einer Fotovoltaik-Freiflächenanlage. Die Größe der Fläche reduziert sich nun auf 0,92 Hektar, die Zufahrt soll nach Norden verlegt werden.

Aufgrund des Beschlusses durch den Freistaat zur finanziellen Unterstützung junger Familien wurde am Donnerstag auch noch die aktuelle Satzung über die Gebühren von Kindergarten und Kinderkrippe angepasst. Die Einrichtung ist seit dem 1. April praktisch kostenfrei. Geprüft wird, ob noch mit aufgenommen werden kann, dass das Essensgeld nicht mit den Gebühren verrechnet werden kann und nicht beinhaltet ist.

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