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Corona-Krise

19.05.2020

Fitnesskurse sind nur unter freiem Himmel möglich

Da Heidi Weitmann ihr Fitnessstudio Rehafit in Günzburg derzeit aufgrund der Corona-Krise nicht öffnen darf, bietet sie Fitnesskurse im Freien an. Den Zumbakurs leitete sie auf dem Parkplatz.
Bild: Erich Herrmann

Plus Nach und nach öffnet sich das Leben wieder, nur Fitnessstudios müssen geschlossen bleiben. Deren Inhaber, die sich im Stich gelassen fühlen, sind kreativ geworden.

Wo sonst Hanteln gestemmt werden, der Rücken gekräftigt oder Yoga gemacht wird, herrscht seit zwei Monaten gähnende Leere. Am 17. März mussten alle Fitnessstudios in Bayern schließen. Während Geschäfte, Gastronomie und Friseurläden wieder geöffnet haben und selbst in der Bundesliga der Ball rollen darf, müssen die Fitnessstudios – zumindest in Bayern – weiterhin geschlossen bleiben. Wann sie wieder öffnen dürfen, ist noch unklar. Für Heidi und Gerhard Weitmann, die das Rehafit in Günzburg betreiben, eine Situation, die sie nicht nur „vollkommen unzufriedenstellend“ und „absolut nicht nachvollziehbar“ finden, sondern die sie vor allem an ihre Grenzen bringt. „Wir versuchen, über die Runden zu kommen, aber viel länger halten wir das nicht durch.“

Seit zwei Monaten ist das Rehafit geschlossen. Trotzdem haben die Weitmanns darauf verzichtet, ihre Trainer in Kurzarbeit zu schicken. Wenn sie ihr Studio allerdings nicht bald wieder aufsperren dürfen, werde es äußerst schwierig. Kündigungen und fehlende Neukunden könnten nur schwer kompensiert werden. Der Ausfall durch den nicht mehr möglichen Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln oder beispielsweise Salaten könne gar nicht mehr aufgefangen werden. „Daran werden wir noch lange zu knabbern haben“, ist sich Gerhard Weitmann sicher.

Hygienevorschriften könnten eingehalten werden

Warum Gastronomen inzwischen wieder öffnen dürfen, Fitnessstudios aber nicht, ist ihm völlig schleierhaft. „Bei uns könnten die Hygienevorschriften besser eingehalten werden als in Restaurants. Und Desinfektionsketten sind auch viel besser nachweisbar.“ Training sei beispielsweise nach Voranmeldung möglich.

Nachdem ein Schwung trainiert habe, könne desinfiziert, gelüftet und dann für die nächsten Kunden geöffnet werden. Ihr Fitnessstudio sei ohnehin keine Muckibude, der Schwerpunkt liege auf Gesundheitstraining. Der Großteil der Kunden sei gesetzteren Alters, sie kämen wegen anhaltender physischer Probleme. „Sie leiden sehr darunter, dass sie nicht mehr trainieren können.“

Die Geräte im Rehafit Gesundheits-Sportstudio in Günzburg sind derzeit verwaist.

Um den Kunden weiterhin etwas bieten zu können, finden die meisten Kurse seit Wochen online statt und stoßen auf großes Interesse. Seit Montag bieten die Weitmanns sogar einen Sportkurs im Freien an: „Fit und aktiv 60 plus“ ging zum ersten Mal überhaupt auf dem Parkplatz hinter dem Studio über die Bühne – so, wie es die Hygienevorgaben vorschreiben, mit Mindestabstand und mit nur wenigen Teilnehmern. Es sei ein Versuch gewesen, der geglückt sei. Die Menschen hätten nur darauf gewartet, sich endlich wieder gemeinsam bewegen zu dürfen. Am Freitag folgte ein Zumbakurs im Freien.

Ein weiteres Studio soll in Illertissen öffnen

Claus Eichhorn hat die Corona-Zeit genutzt, um nicht nur seine Impuls Fitness World in Jettingen-Scheppach auf Vordermann zu bringen, sondern ein weiteres in Illertissen zum Laufen zu bringen. Bis Juni könnten die Räume fertig sein, dann, wenn hoffentlich alle anderen Fitnessstudios auch wieder aufmachen dürfen. „Wir haben die Zeit genutzt und stellen uns für die neue Zeit neu auf“, sagt Eichhorn.

Die Kunden – etwa 1000 Mitglieder hat das Studio in Jettingen-Scheppach – seien ihm zum Glück zum größten Teil treu geblieben. Ihnen habe er auch ein paar Kurse wie Yoga, Bodystyling und Rückenschule online via Zoom angeboten. Dies sei sehr gut angenommen worden, „die Mitglieder sind dankbar für alles, was man ihnen in diesen Zeiten bietet“.

Im Fitnessstudio XLNC in Leipheim gibt es spezielle Geräte, an denen Faszientraining möglich ist. Wegen der Corona-Krise darf das Studio aber nicht öffnen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Bei XLNC in Leipheim steht man schon in den Startlöchern. „Theoretisch könnten wir morgen loslegen“, sagt Thorsten Hauck, einer der drei Geschäftsführer. Man sei vorbereitet, leider gebe es noch keinen konkreten Öffnungstermin. Das Studio sei so groß, dass die geforderten Mindestabstände locker eingehalten werden könnten, die Gehwege für die Kunden seien schon aufgeklebt, Desinfektionsmittel bereitgestellt.

EMS-Training ist jetzt wieder möglich

Immerhin ist seit Kurzem wieder das EMS-Training möglich, Stromtraining, bei dem nur ein Kunde mit Mundschutz und einen persönlichen Trainer Einlass bekommt. „Es lohnt sich nicht wirklich, aber wir bieten es gerne an, damit wenigstens ein paar Kunden zurückkehren.“ Die bisherige freie Zeit hätten er und seine Kollegen für Wartungs- und Putzarbeiten genutzt, Dinge, zu denen man sonst nicht so komme. „Aber der lange Atem geht uns langsam aus“, sagt Hauck. Viele Kündigungen seien zu verzeichnen, die Möglichkeit, Neukunden zu generieren, komplett weggebrochen.

Verluste musste auch Matthias Pastors hinnehmen, der das Fitnessstudio Linzert in Günzburg betreibt. Vom Staat habe er bisher noch kein Geld gesehen, nur die Zusage bekommen, dass es bald auf dem Konto sein soll. Er sei froh, unter den etwa 300 Mitgliedern viele loyale Stammkunden zu haben, die weiter ihre Beiträge bezahlen. Als Wiedergutmachung denkt Pastors an Warengutscheine oder Gratismonate. Bisher seien seine Kunden sehr geduldig gewesen und hätten Verständnis für die Schließung gehabt. „Jetzt werden wir und unsere Kunden ungeduldig. Wir sind alle genervt“, sagt Pastors. Es sei sehr ärgerlich, dass es keine konkreten Ansagen seitens der Politik gebe.

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