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Gebietsreform: Jettingen und Scheppach haben profitiert

Gebietsreform: Jettingen und Scheppach haben profitiert
Kommentar Von Till Hofmann
27.12.2019

Jettingen und Scheppach wurden vor 50 Jahren zu einem Vorbild für ganz Bayern. Aus den selbstständigen Orten wurde eine Gemeinde. Davon haben alle Seiten profitiert.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört. So hat der große Sozialdemokrat Willy Brandt die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten einmal brillant zusammengefasst. Fünf Worte beschreiben einen erhebenden Augenblick deutscher Geschichte.

Ähnliche Formulierungen sind nicht bekannt aus dem Bayern der 70er-Jahre, als ein Innenminister namens Bruno Merk der Kleinstaaterei den Kampf ansagte. Seine Gebietsreform auf Kreis- und Gemeindeebene hatte zum Ziel, ausreichend große Einheiten zu schaffen, die sich effizienter verwalten ließen.

Die Zahl der Landkreise halbierte sich

Da war auf einmal beieinander, wer nicht unbedingt zusammen sein wollte. Einige „Rebellendörfer“ konnten nach langem zähen Kampf die Selbstständigkeit wieder erlangen oder an der Peripherie die Umgliederung zu einem anderen Landkreis erreichen, dem sich die Bewohner näher fühlten. Die Zahl der Landkreise halbierte sich damals von 143 auf 71, die der kreisfreien Städte schrumpfte von 48 auf 23.

Gebietsreform: Jettingen und Scheppach haben profitiert

Und die ehemals 7025 selbstständigen Gemeinden wurden um rund 5000 vermindert. Merk schuf die Grundlage für ein modernes Bayern, das mit diesen Strukturen schlagkräftig genug schien und die Heimatverbundenheit vieler Menschen nicht auf einen Schlag wegwischte.

Ein freiwilliger Zusammenschluss

Dass ausgerechnet Jettingen und Scheppach die „Versuchskaninchen“ für diese einschneidende Reform waren, ist vielen nicht mehr geläufig, aber durchaus interessant. Die damaligen Bürgermeister sahen die Chance, durch den freiwilligen Zusammenschluss für verschiedenste Zwecke eine stattliche staatliche Förderung zu erhalten, was angesichts der eigenen klammen Finanzlage absolut verlockend war.

Auch damals wurde nicht alles, was versprochen worden war, eingehalten. Das ging bereits damit los, dass über den mehrheitlich geäußerten Bürgerwillen hinweg entschieden wurde. Denn die Scheppacher waren trotz guten Zuredens mit einer knappen Mehrheit gegen einen Zusammenschluss – jedenfalls diejenigen, die vor 50 Jahren deswegen zur Abstimmung gegangen sind.

Wirtschaftlich besser entwickelt

Im Endeffekt haben beide Orte von der Verschmelzung profitiert und sich vermutlich besser (wirtschaftlich) entwickelt, als es jeder Ortsteil eigenständig für sich getan hätte.

Und das ist dann auch eine Botschaft an die selbstständigen Kommunen der Gegenwart: Ein gesunder Wettbewerb untereinander macht wachsam, an der eigenen Attraktivität ständig zu arbeiten. Gleichzeitig sollten Projekte über Gemeindegrenzen hinweg zur Selbstverständlichkeit werden. Ein Verbund macht alle stärker. Reine Kirchturmpolitik beschränkt einen auch selbst in den Möglichkeiten.

Lesen Sie dazu:

Vor 50 Jahren gingen Jettingen und Scheppach zusammen

Von 49 Gemeinden im Kreis Günzburg blieben 15 übrig

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