Newsticker

Auseinandersetzungen bei Protesten gegen die Corona-Politik in Rom
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Herzlichkeit und harte Hände bei der Boxmeisterschaft

Leipheim

27.04.2015

Herzlichkeit und harte Hände bei der Boxmeisterschaft

Zwei Meister und einen Vizemeister stellte der gastgebende VfL Leipheim. Edwin Reicherd ging im Finale des Junioren-Halbmittelgewichts gegen Alexander Sharapa immer nach vorne und siegte klar nach Punkten...
2 Bilder
Zwei Meister und einen Vizemeister stellte der gastgebende VfL Leipheim. Edwin Reicherd ging im Finale des Junioren-Halbmittelgewichts gegen Alexander Sharapa immer nach vorne und siegte klar nach Punkten...
Bild: Florian Ankner

Im Rückblick auf die schwäbische Meisterschaft bleibt viel mehr hängen als die Titelgewinne des Gastgebers.

Es ist Teil der Faszination dieses Sports, dass es beim Boxen zugeht wie im richtigen Leben. Mal greifst du nach den Sternen, mal liegst du am Boden. Ziemlich weit oben auf dieser Skala befinden sich nach den schwäbischen Meisterschaften in der Güssenhalle die gastgebenden Boxer des VfL Leipheim. Zwei Titelgewinne und eine Vizemeisterschaft, dazu übers Wochenende 500 begeisterte Zuschauer sowie riesiges Lob von den Verbandsoberen – kein Wunder, dass sich Abteilungsleiter und Trainer Robert Roh nach eigenen Angaben „wie in Trance“ befand, ehe er sich nach vielen Wochen der Vorbereitung und zwei Tagen Dauerstress in der Halle zum Abbauen und damit zu weiteren Belastungen verabschiedete.

Wenn Roh mit ein wenig Abstand an diese Titelkämpfe zurückdenken wird, dürfte „Stress“ trotzdem so ziemlich das letzte Wort sein, das ihm einfällt. „Meine Jungs haben mich unheimlich stolz gemacht“, sagte er gestern, und dieses Gefühl wird noch lange unvermindert anhalten. Drei von vier Kämpfern brachte der VfL-Coach ins Finale (gegen seinen großartigen Schwergewichtler Viktor Göttmann wollte mal wieder kein schwäbischer Kontrahent antreten), zwei durften den Siegerpokal mit nach Hause nehmen. Von so viel Lorbeer hatte Roh nicht einmal im Geheimen geträumt. Wohl deshalb hopste der normalerweise so ruhige, zurückhaltende Chef der VfL-Boxer total losgelöst und vor Freude juchzend durch die Halle, nachdem sein Schützling Edwin Reicherd gleich zum Auftakt des Sonntags im ersten Finalkampf seiner noch jungen Karriere hochverdient den Titel geholt hatte. Seinen Überfall-Kampfstil, der die Fans ein wenig an Mike Tyson in dessen besten Tagen erinnerte, erklärte der 15-jährige Schüler hinterher lässig: „Weil ich kleiner bin als der Gegner, muss ich draufgehen.“ Roh hörte es und fügte mit einem geradezu liebevollen Blick auf sein Talent an: „So boxt er halt. Anders könnte ich ihn gar nicht ausbilden.“

Dass Leipheim eine weitere Schwaben-Krone erhalten würde, war bereits nach den Halbfinals am Samstag klar gewesen. Im Weltergewicht nämlich ergab sich nach den Erfolgen von Ivan Starcevic (eindeutiger Punktsieg gegen Eugen Linkowitsch vom SC Ichenhausen) und Andre Gaiser ein vereinsinternes Duell. Dort setzte sich der etwas erfahrenere Gaiser knapp, aber verdient durch – um seinem Vereinskameraden gleich anschließend sportlich-fair zu versichern: „Es war ganz eng; man hätte den Kampf auch unentschieden werten können.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Sportlich, organisatorisch und atmosphärisch erreichten die Bezirks-Titelkämpfe insgesamt ganz hohes Niveau. Die zwei Tage in der Güssenhalle boten Box-Fans (als solcher outete sich zum Beispiel Leipheims Bürgermeister Christian Konrad) und, vielleicht mehr noch, vormaligen Box-Skeptikern eine großartige Gelegenheit, mit Sportlern, Trainern und Funktionären ins Gespräch zu kommen. Wer immer die Chance nutzte, wird sich daran erinnern, dass er es mit herzlichen, höflichen, sensiblen, gescheiten Menschen zu tun hatte, die dem Klischee vom Haudrauf im Testosteronrausch kein bisschen entsprachen.

Möglicherweise sind die VfL-Boxer auch deshalb ihrer großen Hoffnung, im Haus 114 auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts eine dauerhafte, gut ausgestattete Bleibe zu finden, ein Stück näher gekommen. Dass sie derzeit das sportliche Aushängeschild des Großvereins darstellen, steht ohnehin außer Frage. Genau daran dachte vermutlich auch der Bürgermeister, als er formulierte: „Für Leipheim war das eine tolle, eine außergewöhnliche Veranstaltung. Man kann sich nur wünschen, dass so etwas bald mal wieder stattfindet.“

Dieser Wunsch könnte sich, so wurde gestern deutlich, bald erfüllen.

Eine Bildergalerie von der Boxmeisterschaft gibt es hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren