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A8

05.07.2019

Im Hitze-Stau auf der Autobahn: Das müssen Sie wissen

Wenn über lange Zeit nichts vorwärts geht, ist die Versuchung groß, sich im Stau auf der Autobahn – wie hier vor ein paar Monaten bei Edenbergen – die Füße zu vertreten. Doch die Polizei rät strikt davon ab.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Vergangene Woche mussten viele Menschen nach einem Unfall stundenlang auf der A8 ausharren und versorgt werden. Wie die Retter vorgehen - und was sie raten.

In der vergangenen Woche kam es bei Odelzhausen auf der A8 zu einem Unfall, beteiligt waren zwei Lastwagen. Durch die Wucht des Aufpralls stürzte ein Laster um, der andere geriet in Brand. Bei dem Unfall selbst wurde zwar niemand verletzt, doch zwei Frauen kollabierten bei der Hitze, eine wurde ins Krankenhaus gefahren. Ebenso wie eine schwangere Frau, die Rettungskräfte brachten sie direkt von der A8 zur Entbindung in die Klinik. Der Unfall und die Sperre entwickelten sich für eine Vielzahl von Menschen zu einem regelrechten Albtraum. Denn die Autobahn München – Augsburg war komplett gesperrt. Stundenlang. Und das bei einer Sommerhitze mit Temperaturen von über 30 Grad. (Lesen Sie dazu: 20 Kilometer Stau bei Hitze: Zwei Frauen kollabieren )

Nichts ging vor, nichts zurück. Mehrere tausende Autofahrer saßen in der Staufalle fest. Über 20 Kilometer lang war der Stau zeitweise, berichtete die Polizei in ihrer Bilanz. Richtung München konnte der Verkehr am späten Nachmittag wieder fließen, in Richtung Augsburg dauerte die Sperre sogar bis kurz vor Mitternacht. Mehr als 100 Helfer waren im Einsatz, um Getränke an die Menschen in den Fahrzeugen zu verteilen. Doch wie sind die Vorkehrungen für einen solchen Fall auf der A8 in unserer Region?

Die Polizei warnt: Auch im Stau nicht auf der Autobahn spazieren gehen

Dafür gibt es ein spezielles Konzept, das mit den Hilfsorganisationen und der Feuerwehr eigentlich für die Wintermonate entwickelt wurde, aber natürlich auch für den Sommer gilt, erklärt der Chef der Günzburger Autobahnpolizei. Die Landratsämter sind dabei ebenfalls involviert, sagt Werner Schedel. Die Polizei ist in solchen Fällen auf die Organisationen und die Autobahnmeisterei angewiesen, um genug Helfer zu bekommen, die dann beispielsweise Getränke bringen. Auch muss man sich um Personen kümmern, die etwa Probleme mit dem Kreislauf haben. Eine fixe Temperatur oder Staudauer gibt es nicht, ab denen das Konzept greift. „Man hat es im Gefühl, wann es nötig wird“, sagt Werner Schedel.

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Ihm sind für solche Fälle einige Dinge wichtig. Grundsätzlich gilt im Stau nun einmal, eine Rettungsgasse zu bilden. Darüber hinaus sollen die Insassen in ihren Fahrzeugen bleiben – denn auf der Autobahn spazieren zu gehen, ist äußerst gefährlich, auch im Stau. Nicht nur, dass Einsatzfahrzeuge unterwegs sind. Immer wieder kommt es vor, dass Fahrer mit ihrem Wagen den Seitenstreifen benutzen, um am Stau vorbei zu brettern. Wer sich dort die Beine vertritt – „das ist eine Katastrophe“ –, kann schnell zum Opfer werden. Schedel ist aber bewusst, dass man nach einer gewissen Zeit seine Notdurft verrichten muss.

An genug Getränke für die Fahrt denken

Wer eine längere Fahrt vor sich hat, sollte auf jeden Fall genug Getränke dabei haben, und voll tanken. Denn wenn im Stau der Sprit ausgeht, ist das eher ungünstig – auch, weil dann im Winter die Heizung und im Sommer die Klimaanlage nicht mehr funktionieren. Nicht vergessen sollte man nötige Medikamente oder ein paar Windeln mehr für die Kinder. Schedel sieht mit Sorgen, dass mehr und mehr Leute nicht mehr soweit denken, „es gibt mittlerweile eine gewisse Vollkaskomentalität“. Irgendwer wird einem schon helfen.

Sollte sich abzeichnen, dass ein Stau über Stunden bestehen wird, sind die Einsatzkräfte bemüht, den Verkehr frühzeitig auszuleiten. Danach werden die Fahrzeuge herausgeholt, die zwischen der Abfahrt und der Unfallstelle stehen. Die Polizei würde diese dann gegebenenfalls wenden lassen – aber nur unter Anleitung, was sehr personalintensiv sei. Wer eigenmächtig dreht, ist wie ein Geisterfahrer unterwegs, und bekäme dann eine Anzeige. Wie auch all diejenigen, die einfach den Seitenstreifen benutzen.

Feuerwehr musste schon lange nicht mehr den Alarmplan rausholen

Im Fall der Fälle würde für die Versorgung der Menschen in den Fahrzeugen das Landratsamt die Federführung übernehmen, sagt Kreisbrandrat Robert Spiller, die Führungsgruppe Katastrophenschutz würde dann einberufen. Bei Brauereien und Getränkemärkten würden kühle Getränke geordert und von den verschiedenen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr verteilt. Den Sonderplan für die Autobahn, der hier greift, musste Spiller schon lange nicht mehr in die Hand nehmen. Es sei bestimmt 15 Jahre her, dass die Autobahn über einen solch langen Zeitraum dicht war, dass die Insassen im großen Stil versorgt werden mussten. Damals gerieten Lastwagen bei Knöringen in Brand und ein angrenzendes Feld, „das hat lange gedauert“.

Vor acht bis zehn Jahren habe es im Winter auch mal eine Sperrung gegeben, diese sei aber doch wieder verhältnismäßig schnell aufgehoben worden, sodass man keine Getränke gebraucht habe. Wie viele überhaupt nötig wären zum Verteilen, müsste man schätzen, sagt der Kreisbrandrat. Kaffeekochen wäre zeitlich übrigens ein größerer Aufwand, als etwas einzukaufen. Ein Problem bestehe darin, dass es vor dem Autobahnausbau eine Vielzahl von Behelfszufahrten gab, inzwischen müsse man recht weit fahren.

Auf der A8 wurde schon im Stau Fußball gespielt

Eingebunden ist natürlich auch der Betriebsdienst der Betreibergesellschaft Pansuevia, der rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres in Bereitschaft ist. Die Priorität liege darin, sagt Geschäftsführer Robert Schmidt, den Verkehr abfließen zu lassen und dafür zu sorgen, dass nicht weitere Fahrzeuge in den Stau fahren. Wenn es möglich ist, werde auch geholfen, Getränke zu verteilen – aber angesichts von 18 Mitarbeitern im Betriebsdienst, von denen sechs in Bereitschaft sind, seien die personellen Möglichkeiten endlich. Schließlich müsse man sich vor allem um die Organisation der Bergungsarbeiten und die Verkehrslenkung kümmern. Schmidt rät dazu, für längere Fahrten immer eine Kühlbox mit Getränken im Fahrzeug zu haben, bei Kurzstrecken sei man natürlich nicht auf einen stundenlangen Stau eingerichtet.

Er unterstreicht, was Autobahnpolizei-Chef Schedel sagt: Sich auf der Autobahn die Füße zu vertreten, sei tabu. Trotzdem erlebe man es immer wieder, dass die Fahrer ihre Fahrzeuge verlassen und wenn sich der Stau auflöst, nicht rechtzeitig wieder zum Wagen kommen. Auch Fußball sei schon auf der A8 gespielt worden. Wenn man im Stau steht und seine Notdurft verrichten muss, dann solle man am besten hinter den Wildschutzzaun gehen, in regelmäßigen Abständen gibt es darin Fluchttüren – und auch dabei solle man in Sichtweite des Fahrzeugs bleiben. Und bevor man im Auto wegen der Hitze kollabiert, solle man auch lieber den Schatten suchen. Aber, betont Schmidt: Das alles gelte nur für die wirklich lange dauernden Staus auf der Autobahn.

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