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Leipheim

16.09.2020

Im Leipheimer Zehntstadel ist wieder Leben

Die Kabarettistin Eva Eiselt aus Köln präsentierte sich in Leipheim unter anderem als knallharte deutsche Eiche, die gegen den Mischwald wettert.
Bild: Martin Gah

Die erste Indoor-Abendveranstaltung nach der Corona-Pause in Leipheim ist das Gastspiel von Kabarettistin Eva Eiselt.

„Selten habe ich mich bei der Übergabe eines Haushaltsgerätes so gefreut“, sagte Eva Eiselt, der erste kabarettistische Gast im Zehntstadel in Leipheim nach der Corona-Pause. Denn sie kam als frisch gekürte Gewinnerin der Sankt Ingberter Pfanne. Beim Wettbewerb des Saarländischen Rundfunks hatte sie sich gegen ein Teilnehmerfeld aus 16 Männern und zwei Frauen durchgesetzt. Das Leipheimer Publikum schätzte ihre Fähigkeit, nicht nur Schenkelklopfer zu bieten, sondern auch nachdenkliche Pointen, die sich erst setzen müssen. So formulierten es einige Zuschauer im Anschluss an den Auftritt.

Eiselt setzt sich mit den Problemen der Konsumgesellschaft auseinander

Viele Schenkelklopfer lieferte die Szene mit einem großspurigen Manager, der die Reaktionen des Publikums optimieren will und ihm deshalb einen Vortrag über die Formen des Lachens hält, zum Beispiel die Fünfersalve („Ha-ha-ha-ha-ha!“) oder den Anschreier („Waaaah-haha!“). Letzterer sei besonders gut geeignet für Frauen. Viel Nachdenkenswertes sagte Eiselt in der Figur einer Frau, die ihren Mann von Programmierern aus dem Silicon Valley defragmentieren und in ihr Handy einspeichern ließ. Diese beiden Figuren sind Auswüchse einer Konsumgesellschaft, mit denen sich Eiselt in ihrem Programm „Vielleicht wird alles vielleichter“ auseinandersetzt.

Die Idee dazu kam ihr beim Staubsaugen im Kinderzimmer, wo sie zahlreiche Kleinteile von Playmobil-Spielzeug weg saugte. „So wie die Kinder eine möglichst große Zahl an Spielzeugen anhäufen wollen, machen es auch die Erwachsenen“, sagte Eiselt im Anschluss an den Auftritt. Ihr Programm ruft ins Gedächtnis, dass weniger oft mehr ist. Besitzt man weniger, ist das Putzen schneller erledigt und man spart Zeit beim Suchen. Weniger Autos oder Möbel schaffen im Haus und in der Garage Freiräume. Daran erinnerte Eiselts Zugabe, in der sie als Freiheitsstatue verkleidet einen Blues sang.

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Politische Probleme in Deutschland

Auch mit politischen Problemen setzte sie sich in ihrem Programm auseinander. Diese verlegte sie in andere menschliche und natürliche Lebensbereiche. Den zunehmenden Populismus bekämpfte sie als Sauna-Aufgussfrau. Mit einer großen Portion German Angst brachte sie das Leipheimer Publikum zum Schwitzen „bis zum Supergauland“. Nach dem Schwitzen traten dann Verstand und Systemkritik hervor.

Den immer mehr grassierenden Rassismus thematisierte sie als deutsche Eiche. Diese ist wesentlich radikaler als Heinz Erhardts Exemplar, die vom Erlernen des Da-so-Rumstehens in der Baumschule erzählte und davon, darüber hinweg zu sehen, dass sie von Hunden angepinkelt wird. Eiselts Eiche karikiert das heuchlerische Getue von Deutschen, die sagen: „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“

Appell an Publikum: Seid mutig!

So hat sie nichts gegen Mischwald, aber die konkurrierenden Bäume sind aus ihrer Sicht minderwertige Gehölze. Kiefern sind hässlich, sie haben oben Gestrüpp und sonst nichts. Außerdem haben sie die Karte des Darmausgangs gezogen, weil sie meist zu minderwertigen Dingen wie Saunabrettern verarbeitet werden. Buchen denken nur an das schnelle Wachstum und an sonst nichts.

Auch die Übergänge von einer Figur zur anderen fesselten das Publikum. Denn die Kostümwechsel wurden begleitet von ausdrucksvollen Bauchtänzen. Aufgrund der etwas gelichteten Reihen durch das Coronavirus richtete Eiselt einen Appell ans Publikum: „Seid mutig! Geht weiter ins Kabarett!“


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