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27.03.2021

Impfdebatte im Kreis Günzburg: Neid ist unangebracht

In den vergangenen Wochen haben sich mit Theo Waigel und Max Deisenhofer zwei Politiker im Kreis Günzburg gegen das Coronavirus impfen lassen. Es folgten mitunter schwere Vorwürfe - doch die sind fehl am Platz.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus In den vergangenen Wochen haben sich mit Theo Waigel und Max Deisenhofer zwei Politiker im Kreis Günzburg gegen das Coronavirus impfen lassen. Es folgten mitunter schwere Vorwürfe - doch die sind fehl am Platz.

Drei Monate sind seit der ersten Impfung im Landkreis Günzburg vergangen. Fast 19.000 Impfdosen wurden seitdem verabreicht. Das bedeutet, dass weniger als zehn Prozent im Kreis Günzburg ihre Erstimpfung erhalten haben. Es mangelt wie vielerorts in Deutschland aber nicht an Impfwilligen, sondern es fehlt schlicht und ergreifend an der Menge des Impfstoffs. Und dieser Mangel hat unangenehme Folgen – mitunter für bereits geimpfte Menschen.

Man nehme das Beispiel Theo Waigel. Der 81-jährige CSU-Politiker und ehemalige Bundesfinanzminister hat sich Anfang Februar, also knapp sechs Wochen nach Impfstart, in Krumbach gegen das Coronavirus impfen lassen. Er ist über 80 Jahre alt und gehört damit zur Gruppe eins, also derjenigen mit der höchsten Impfpriorität. Also alles in Ordnung, doch was passierte? Menschen beschwerten sich über Waigels Impfung. Warum wurde etwa die eigene Mutter mit 85 Jahren nicht zuvor geimpft? Oder warum war beispielsweise der Großvater mit 91 Jahren nicht vorher dran? Dass es keine Priorisierung innerhalb der einzelnen Gruppen gibt, wurde bei den häufig unsachlich geführten Diskussionen ignoriert. Der Neid war vielerorts groß. Jeder ist sich selbst der Nächste – das scheint Teile der heutigen Gesellschaft zunehmend zu prägen. Egoismus und Ellbogen-Einsatz stehen hoch im Kurs, leider. Warum kann man sich nicht für jeden einzelnen Geimpften freuen, der entsprechend seiner Priorisierung an der Reihe ist?

Manche Menschen im Kreis Günzburg kritisieren Theo Waigel und Max Deisenhofer

Ein weiteres Beispiel dieser Neiddebatte ist der Grünen-Landtagsabgeordnete Max Deisenhofer. Da er enge Kontaktperson einer Schwangeren – seine Frau hat inzwischen den Sohn zur Welt gebracht – war, hatte er sich Ende Februar impfen lassen dürfen. Die Folge? Ähnliche Kritik wie bei Waigel. Er nehme einer viel älteren Person den Impfstoff weg, ihm wurde „egozentrische Abgehobenheit“ vorgeworfen. Doch wie jede enge Kontaktperson einer Schwangeren gehört Deisenhofer zur Prio-Gruppe zwei – so wie beispielsweise auch Menschen zwischen 70 und 79. Dass er offen mit der Impfung umgeht – so wie Waigel auch –, sollte ein positives Zeichen sein: Dass beide nichts zu verbergen haben und bei ihrer Impfung alles mit rechten Dingen ablief.

Corona-Impfung ist auch ein Akt der Nächstenliebe

Die Corona-Impfung ist übrigens ein Akt der Nächstenliebe – das haben in den vergangenen Wochen und Monaten viele Geistliche wiederholt. Werdende Väter werden nicht geimpft, um bei der Geburt dabei sein zu können – das ist lediglich ein schöner Nebeneffekt. Sie werden geimpft, um ihre schwangeren Frauen und das ungeborene Kind zu schützen. Bisher ist eine Corona-Impfung bei Schwangeren nur in bestimmten Fällen zugelassen, da es noch keine ausreichenden Studien über mögliche Risiken oder Nebenwirkungen in der Schwangerschaft gibt. In solchen Fällen setzt die Medizin auf den sogenannten „Kokonschutz“: Menschen im nahen Umfeld werden geimpft, können dann Schwangere nicht oder nur schwerer anstecken und bilden dadurch sozusagen einen schützenden Kokon um sie.

Solch einen Schutzpanzer müssen sich leider auch viele Geimpfte zulegen, damit die ungerechtfertigte Kritik an ihnen abperlt.

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