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Innovation

22.05.2019

In Autenried ist nicht nur das gewöhnliche Bier willkommen

Die Braumeister Matthias Hieber (links) und Martin Wörner stoßen auf die neue Entalkoholisierungsanlage an.
Bild: Anja Wörner/Schlossbrauerei Autenried

Warum sich die Schlossbrauerei eine Entalkoholisierungsanlage geleistet hat. Und was daran eine „bahnbrechende Neuentwicklung“ ist

Zu den vornehmsten Aufgaben einer Brauerei gehört es, wohlschmeckendes Bier herzustellen. Der Alkoholgehalt des Getränks und die Intensität des Trinkgenusses korrespondieren nicht selten mit der Stimmungslage des Konsumenten. Aber die Zeiten ändern sich: Seit Kurzem entzieht die Autenrieder Schlossbrauerei einem Teil ihres Angebots wieder den Alkohol – mit einer Entalkoholisierungsanlage, die das Unternehmen aus der Schweiz bezogen hat.

Die Brauerei ist zuversichtlich, dass sich ihre Investition im sechsstelligen Bereich bezahlt machen wird. Denn der Markt für alkoholfreies Bier, ist sich Verkaufsleiter Jürgen Schuler sicher, wird an Bedeutung zunehmen. Momentan nehme er sich noch relativ bescheiden aus. Aber die jährlichen Zuwachsraten zwischen fünf und zehn Prozent sprächen für sich. „In den vergangenen drei bis vier Jahren ist das einfach ein gesellschaftliches Thema geworden“, sagt Schuler. Der Bierkonsum nehme tendenziell ab, auch wenn sich der Pro-Kopf-Verbrauch im vergangenen Jahr stabilisiert habe.

Die Antwort der Autenrieder auf diese Entwicklung ist ein neues, alkoholfreies Bier. Das wäre an sich nichts Besonderes. Viele Brauereien setzen auf alkoholfreie Sorten – und das nicht erst seit gestern. Auch die Schlossbrauerei hat nach ihrem Rezept bei einem niederbayerischen Partnerunternehmen alkoholfreies Bier herstellen lassen. Inzwischen wird in Autenried selbst produziert. Die Methode ist dabei das Spezielle. Es wird weder die erprobte Technik der Vakuumverdampfung angewendet noch die der gestoppten Gärung. In beiden Fällen wird das Bier erhitzt. Wenn es leicht süßlich schmecke, könne davon ausgegangen werden, dass der Alkoholprozess während der Gärung beendet worden sei, ehe er richtig angefangen habe. Davon waren Braumeister und Geschäftsführung nicht länger überzeugt. Vorgabe war, ein alkoholfreies Bier so hinzubekommen, dass es sich geschmacklich sehr nahe an den alkoholischen aufhält.

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Die Entalkoholisierunganlage kam dabei gerade recht: Denn durch die halbdurchlässigen Membranen und das Verfahren einer Umkehr-Osmose wird bei niedrigen Temperaturen der Alkohol entzogen. Wesentliche Aroma- und Geschmackskomponenten bleiben dadurch erhalten. Die Klosterbrauerei Andechs hat das neue Verfahren Schuler zufolge vor ungefähr eineinhalb Jahren eingeführt. Die Schlossbrauerei Autenried ist nach Unternehmensangaben die zweite in Deutschland, welche auf die Umkehr-Osmose setzt. Braumeister Matthias Hieber und Martin Wörner sowie die Brauereichefs Rudolf und Peter Feuchtmayr sprechen von einer „bahnbrechenden Neuentwicklung“.

Das „Helle alkoholfrei“ und das „Weizen alkoholfrei“ sind das Resultat wochenlanger Versuche mit einer zuvor aus der Schweiz geholten mobilen Pilotanlage. Dafür musste beim Zoll eine Kaution von 25000 Euro hinterlegt werden – quasi die Garantie, dass das innovative Teil auch wieder den Weg zurückfindet. Die Ergebnisse seien zunächst ernüchternd gewesen, berichtet der Verkaufsleiter. Aber mit Kreativität und Erfahrung sei es schließlich gelungen, überzeugende alkoholfreie Biere hinzubekommen.

Bei einer Veranstaltung vor wenigen Wochen in Königsbrunn ist ein alkoholfreies Weizen zurückgegeben worden, weil der Kunde nicht glauben wollte, dass er keinen Alkohol zu sich nimmt. Ein schöneres Lob hätte es kaum geben können.

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