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Konzert
06.07.2017

Schwere Kost mit Leichtigkeit serviert

Das Konzert des Vox Humana Ensembles Ulm, unter der Leitung von Christoph Denoix mit dem Calmus Ensemble Leipzig (vorne rechts) und den Pianistinnen Ferhan und Ferzan Önder, begeisterte das Publikum im Kaisersaal.
Foto: Adlassnig

Der Chor Vox Humana aus Ulm beschert den Zuhörern im Wettenhauser Kaisersaal großes Vergnügen

Ein exquisites Sonntagsvergnügen mit überraschenden Wendungen bescherten der Vox Humana Kammerchor Ulm und das Calmus Ensemble Leipzig gemeinsam mit dem Klavierduo Ferhan und Ferzan Önder einer musikbegeisterten Zuhörerschaft im Kaisersaal des Klosters Wettenhausen. Zum Auftakt gab es überwiegend schwere Kost. Zwar erfreute Hasslers Risonanza di Echo, perfekt interpretiert vom Kammerchor, mit seinen musikalisch-technischen Raffinessen, doch die Madrigale Palestrinas hatten wie auch die nachfolgenden Lieder der A-cappella-Könner aus Leipzig einen eher düsteren Ton.

Musikalisch aber wurden die Besucher mit außerordentlichen Hörerlebnissen belohnt. Die ungewöhnliche Kombination von Sopran, Counter-Sopran, Tenor, Bariton und Bass des Calmus Ensembles versetzte das Publikum mit der enormen Präzision und Homogenität in Staunen. Mit scheinbarer Leichtigkeit erfüllte jede einzelne Stimme den Kaisersaal, fanden zusammen in großartiger Harmonie. Da passen die ungewöhnlichen Kompositionen des Finnen Jaakko Mäntyjärvi und von John Tavner, die beide auf sehr unterschiedliche Art die Madrigale der Renaissance neu entdeckten und für Shakespeare-Dichtungen vertonten, perfekt zum Quintett.

Zu Johannes Brahms Liebesliedern, Walzer für vier Singstimmen und Klavier, vereinigten sich die mitwirkenden Musiker zu einem wunderbar harmonischen Gesamtbild. Die beiden Pianistinnen hatten bei den Instrumentalteilen des Zyklus Gelegenheit, ihre Virtuosität zu demonstrieren, während sie auch als hervorragende Begleitung des Chores überzeugten.

Mit Brahms kam ein heiterer Ton in das bislang ernste Konzert, der Bann der Traurigkeit war gebrochen. Die Zuhörer spendeten großen Applaus für das gemeinschaftliche Werk, in dem alle beteiligten Gruppierungen perfekt ineinandergriffen und die Zyklen wunderbar differenziert interpretierten.

Heiterkeit entwickelte sich mit Harald Banters „Walpurgisnacht“. Das eigens für das Calmus Ensemble komponierte Stück verzichtet weitestgehend auf Text und Worte. Für einen A-cappella-Chor kein einfaches Unterfangen, doch die Leipziger wuchsen regelrecht über sich hinaus, als sie aus Geräuschen Töne zauberten und diese zum Leben erweckten. Ein heiterer Ausflug in die Welt der Hexen und Fabelwesen, der Gespenster und Elfen.

Mit letzten hoch gestimmten Madrigalen von Orlando di Lasso gelang es dem Vox Humana Ensemble, die entspannte Stimmung mit hinüberzunehmen in die Zeit der Renaissance.

Das begeisterte Publikum zollte der hohen Sangeskunst des Ulmer Chores großen Beifall und wurde mit drei Zugaben belohnt. Mozarts Canon für drei Chöre, einer vertreten durch die Pianistinnen, und zwölf Stimmen stimmte Chorleiter Christoph Denoix an. Die Leipziger zeigten sich von einer ganz neuen Seite: Statt Madrigale und Grusel gab es den Bill Withers Song „Ain´t no sunshine“ von 1971 voll hinschmelzendem Groove. Das atemberaubende Duett der klavierspielenden Zwillingsschwestern, eine orientalische, sehr schnelle Komposition, setzte ein letztes Ausrufezeichen am Ende eines beeindruckenden Konzertnachmittages.

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