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Drei Standbeine

16.05.2012

Kreative Wachskunst seit 350 Jahren

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2 Bilder
Juniorchef Raphael Hermann Sallinger (links) und Technischer Produktionsleiter Johann Gruber im modernen Laborbereich.

Krumbacher Firma Morsa exportiert technische Wachse in 70 Länder und will den Markt weiter ausbauen. Kerzen sind nur noch ein kleiner Teil der Fertigung

Krumbach In mehr als 350 Jahren beschäftigten sich 13 Generationen Sallinger mit Kerzen, davon seit gut 100 Jahren zusätzlich mit technischen Wachsen. Die 14. Generation ist schon stark in die Verantwortung der Betriebsleitung einbezogen, setzt die Wachstradition fort und beschreitet neue Wege, die nicht nur den Erhalt des Krumbacher Unternehmens, vielmehr auch Wachstum durch neue Ideen zum Ziel haben.

Die Morsa Wachswarenfabrik Sallinger GmbH will in Zukunft noch stärker den Bereich unterschiedlichster technischer Wachse für verschiedenste Branchen steigern, die schon jetzt in 70 Länder exportiert werden. Die Abnehmer sind sowohl Industriekonzerne, mit denen ein reger Forschungs- sowie Entwicklungsaustausch stattfindet, als auch weltweit agierende Großhändler. Neu hinzu kommt bei Morsa seit wenigen Jahren die Zurücknahme von Altwachsen und deren Wiederaufbereitung auf der Grundlage selbst entwickelter, modernster Verfahrenstechnik. Für Kunden aus der Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie ergeben sich daraus neue Maßstäbe in der Wiedergewinnung von neuwertigen Wachsen aus altem Wachsmaterial.

Drei Standbeine also – die Herstellung technischer Wachse, die Wiederaufbereitung von Altwachsen sowie die Entwicklung von Kerzen „in hoher Qualität, made in Germany für einen kleinen aber feinen Markt“ (Inhaberin und Geschäftsführerin Barbara Sallinger) – sollen das Unternehmen mit seinen etwa 40 Mitarbeitern in eine wirtschaftlich gesunde Zukunft führen. Bei den Kerzen, die angesichts der starken Expansion im Bereich der technischen Wachse lediglich noch 15 Prozent des Umsatzes beisteuern, gilt die Devise: Weg von der Billigware; dafür kreative Wachskunst von hoch qualifizierten Mitarbeitern, wobei die Chefin mit Stolz auf die insgesamt 13 Bundessieger im Berufsfeld Wachsbildner verweist.

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Schwerpunkt ist für den Juniorchef Raphael Hermann Sallinger schon jetzt der Bereich technische Wachse. Morsa hat in jüngster Zeit dafür mehrfache anspruchsvolle Zertifizierungen mit Erfolg durchlaufen und abgeschlossen, deren Geltungsbereich bis zum Qualitätsmanagementsystem für Medizinprodukte reicht. Sallinger jun. bringt es auf einen Nenner: „Die Wünsche unserer Kunden werden individuell erfüllt, was besagt, dass in die Wachsprodukte auch eine Vielzahl von chemischen Spezialstoffen eingearbeitet werden, die überhaupt nichts mit Wachs zu tun haben.“ Seine Mutter ergänzt: „Zudem sind länderspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Wachse für heiße Länder wie Saudi Arabien oder Indien dürfen nicht zu weich sein, für Länder wie Kanada und Japan wiederum nicht zu spröde.“ Inzwischen gilt Morsa in Krumbach für die Fachfirmen und den Fachhandel in aller Welt als „gute Adresse“. Immer wichtiger werden zudem Wachstumsmärkte wie Brasilien, China oder Indien.

Das ergab sich nicht von selbst: Im vergangenen Jahrzehnt wurden die Gebäude an der Nordstraße erweitert, hochwertige Anlagen und ein Labor mit modernsten Geräten eingerichtet, in dem spezialisiertes Personal arbeitet. Raphael Hermann Sallinger: „Labor und Fertigung der technischen Wachse werden in naher Zukunft stark wachsen, was zusätzliche Arbeitskräfte wie Techniker und Chemiker, aber auch die maschinelle sowie räumliche Ausweitung notwendig macht.“ Zuversichtlich ist er auch, was die Wiederaufbereitung von komplexen Spezialwachsen betrifft; eine Abteilung, die schon seit Jahren im Dreischichtbetrieb arbeitet.

Der bis ins Jahr 1647 zurückreichenden Tradition entsprechend, wird aber auch die Kerzenfabrikation in Krumbach fortgesetzt. Gleiches gilt für den Fabrikverkauf, der zu den üblichen Geschäftszeiten für jedermann geöffnet ist und vielseitige Qualitätsware zu Fabrikpreisen anbietet.

Einblicke in die jahrhundertelange Tradition des Kerzenmachens gibt das „Krumbacher Wachsmuseum“ im gleichen Haus, das jeden Mittwoch von 14 bis 16.30 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet ist und in die Welt des Wachsziehers, Lebzelters und Metsieders sowie der Kerze als Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk einführt; aber auch in die Familiengeschichte der Sallingers.

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