Günzburg

05.05.2018

Kunst im Grünen

Nicht am runden, sondern am preisgekrönten Tisch versammelten sich von links nach rechts die Sponsoren Josef Nersinger (LEW) und Walter Pache (Sparkasse), die Off-Art-Präsidenten Karen Steifensand und Ralf Strassener, Oberbürgermeister Gerhand Jauernig und die Künstler Franz-Ferdinand Wörle und Günter Braun.
Bild: Gertrud Adlassnig

Mit dem Skulpturenpark in Günzburg wird Kultur für jedermann zugänglich.

Der Skulpturenpark ist eröffnet. Unter großer Publikumsbeteiligung gaben Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und der scheidende Off-Art-Präsident Ralf Strassner den offiziellen Startschuss für ein erneutes Jahr der Kunst im öffentlichen Raum. Während Jauernig die Initiatoren würdigte, ohne deren Ideen und Tatkraft die Bereicherung der Stadt mit einem für ein Oberzentrum unbedingt notwendigen kulturellen Angebot kaum möglich wäre, dankte Strassner der Stadt, die mit ihrer uneingeschränkten Unterstützung des Projektes und der flexiblen Hilfe des Bauhofs die Umsetzung des Dritten Skulpturenparks möglich gemacht hatte.

Doch auch die Sponsoren sind notwendige Beteiligte, um ein so großes Werk zu realisieren. Immerhin haben 20 auswärtige Künstler und zehn Off-Art-Mitglieder ihre Werke für ein Jahr nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern auch auf eigene Kosten angeliefert. Die ausgelobten Preise wurden von der Sparkasse und der LEW gestiftet. Sparkassenvorstand Walter Pache, betonte die Verantwortung der Bank für die Gesellschaft, weshalb sie sich bewusst für sportliches, soziales und künstlerisches Engagement einsetze. Auch die LEW fühlt sich der Region verpflichtet und will nicht nur als traditioneller Energielieferant wahrgenommen werden. Sie wolle auch zur Kunstregion Bayerisch-Schwaben ihren Beitrag leisten.

Die Jury, bestehend aus Kunstlehrern, Off-Art-Vorstand und Josef Nersinger von der LEW hat sich für drei Kunstwerke entschieden, die markante Zeichen auf dem Kunstparcours durch Günzburgs Innenstadt setzen: Den ersten Preis errang der Heidelberger Künstler Günter Braun, dessen „Tor“ aus Granit einen unerwarteten Blick auf das Schloss oder den Stadtturm ermöglicht. Die Jury verlieh Franz-Ferdinand Wörles „Tisch“ aus unbehandeltem Stahlblech den 2. Preis. „Actaeon“, eine in weißem Polyester gearbeitete tragische Figur aus der griechischen Mythologie, des Düsseldorfer Künstlers Dirk Balke wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mit dem Skulpturenpark wird Kunst in den öffentlichen Raum getragen, sie wird für jedermann zugänglich, ohne die Schwelle einer Museumstüre zu überwinden. Gerhard Jauernig betonte, wie sehr diese Kunstwerke das Gefühl für die Stadt verändern kann: Einheimischen werde ein neuer Blick auf ihre Heimat ermöglicht, Auswärtige werden positiv überrascht. Für die Stadt sei es keine Frage, die Kunst zu unterstützen, auch in unserer Zeit. Der heutige kulturelle Reichtum sei nur denkbar durch kunstsinnige Förderer in früheren Zeiten. Und auch die Werke von heute werden Spuren in der Zukunft hinterlassen. Die Stadt werde auch im Rahmen des Skulpturenparks wieder Ankäufe tätigen, versicherte der Oberbürgermeister. Dem Festakt schloss sich ein mehrstündiger Rundgang an, bei dem Ralf Strassner und die Künstler die Exponate erklärten. Die Schar der gut hundert Kunstinteressierten wuchs weiter an, denn manch ein Passant schloss sich kurzerhand der Gruppe an.

Der ausgeschilderte Skulpturenpark, in einem hilfreichen kleinen Katalog beschrieben, führt von der Sparkassenzentrale vorbei am Lannionplatz zum Dossenbergerhof. Vom Hofgarten geht es die neue Anlage auf dem ehemaligen Radbrauereigelände hinunter zum Amtsgericht und der dahinter liegenden Grünanlage mit Gewässer. Im Hofgarten, vor dem Hotel, ist der „Tisch“ von Franz-Ferdinand Wörle platziert. Juror Theo Krötzinger erläuterte die Preiswürdigkeit des Kunstwerkes. Der Bayer habe ein alltägliches Stück zum Kunstobjekt gemacht. Außergewöhnlich an diesem Tisch ist der Kontrast zwischen der konstruktivistischen Wirkung der deutlich herausgearbeiteten Tektonik mit den über die Tischplatte hinausragenden Füßen und dem spielerischen Umgang mit der geometrischen Form, die sich in der geschwungenen Platte zeigt.

Herausragend auch die perfekte handwerkliche Verarbeitung des Werkes. Auf dem weiteren Weg traf die Gruppe auf das erstplatzierte Kunstwerk, das „Tor“, auf halber Höhe zwischen Ober- und Unterstadt positioniert. Barbara Quintus informierte über die Vita des Heidelberger Künstlers, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde und sich auf figürliche Objekte in Holz und Stein im öffentlichen Raum konzentriert. Sein Tor aus schwarzem Granit stehe im Spannungsfeld von Vollkommenheit und Brüchen.

Vorbei an zahlreichen bemerkenswerten Kunstobjekten, ging es weiter Richtung Amtsgericht. In der Grünanlage, in dem kleinen Bach mit Insel, findet der Skulpturenparkbesucher das drittplatzierte Kunstwerk. Es zeichnet sich durch seine besondere Lage aus. Wie Ralf Strassner erklärte, war es nicht einfach, den „Actaeon“ auf die Insel zu verfrachten und dort stabil zu verankern. Die schneeweiße Figur mit dem Hirschgeweih sitzt am Ufer, die Füße im Wasser, in dem sie sich spiegelt. Er hoffe, dass das Werk dort vor Vandalen geschützt sei, erklärte der scheidende Off-Art-Präsident. Die Figur verkörpert einen Spanner, der Diana, die griechische Göttin der Jagd beobachtete und dafür in einen Hirschen verwandelt wurde, der von seinen eigenen Hunden gerissen wurde.

Mit dieser tragischen Geschichte wollte Ralf Strassner den Rundgang nicht beenden. Das Finale bildeten die Säulen der Off-Art-Künstler, auf denen, entlang der Schöblstraße unterhalb des Amtsgerichtes, die Geschichte der Stadt von der Prähistorie bis zur Gegenwart dargestellt ist. Dabei konnte jeder der Künstler seine eigene Vorstellung und stilistische Besonderheit einbringen. Entstanden ist ein historisches Bilderbuch, das ebenso individuell wie allgemein gültig ist.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren