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Landkreis Günzburg
24.11.2021

Großes „Booster-Wochenende“ auf Günzburger Legoland-Parkplatz

Auf einem Legoland-Parkplatz werden die Impfstraßen für das „Booster-Wochenende“ aufgebaut.
Foto: Bernhard Weizenegger

Am Wochenende sind bis zu 2000 Auffrischungsimpfungen am Günzburger Legoland möglich. Die Lage auf den Intensivstationen bleibt sehr angespannt.

Was sich inzwischen in vielen Regionen zeigt, macht sich auch im Landkreis Günzburg bemerkbar: Die Nachfrage nach Impfungen steigt stark. Auch aus dem benachbarten Baden-Württemberg gibt es Anfragen. Das Landratsamt reagiert darauf nicht nur mit den regulären Angeboten im Günzburger Impfzentrum und in einzelnen Orten. Samstag und Sonntag werden zum „Booster-Wochenende“. Dafür wird von 9 bis 18 Uhr ein Parkplatz des Legolands genutzt, die Blaulichtorganisationen kümmern sich dafür etwa um den Aufbau von großen Zelten und die Verkehrslenkung.

Acht Impfstraßen sind vorgesehen, insgesamt 2000 Auffrischungsimpfungen mit Biontech und Moderna sollen so angeboten werden. Ab sofort kann man sich dafür beim Bayerischen Impfportal im Internet anmelden. Regulär werden durch den Landkreis übrigens 2500 Erst-, Zweit- und Drittimpfungen pro Woche verabreicht, hinzu kommen die Hausarztpraxen. „Wir fahren Volllast beim Impfen“, so Landrat Hans Reichhart (CSU). Zum Glück seien viele jetzt „aufgewacht“ und wollten sich den „Piks“ abholen.

Drei Zelte wurden innerhalb von wenigen Stunden aufgestellt.
Foto: Bernhard Weizenegger

Dafür, dass die Aktion möglich ist, dankt er nicht nur Ärzten, medizinischem Fachpersonal und allen Helfern, sondern auch dem Freizeitpark. Es sei nicht selbstverständlich, am letzten geöffneten Wochenende in diesem Jahr einen solchen Platz zur Verfügung zu stellen. Geprüft werde noch, ob das Angebot zunächst aufrecht erhalten werden kann, deshalb bleiben die Zelte erst einmal stehen. An den Adventswochenenden wird es zudem Termine im Günzburger Forum geben, diese sollen zeitnah online freigegeben werden. So würden 8000 zusätzliche Auffrischungsimpfungen ermöglicht. Bis Januar seien bereits gut 15.000 Menschen für alle Impfungen angemeldet.

Ein Spagat zwischen der regulären Versorgung und dem Impfen

Das Impfzentrum Krumbach soll nach derzeitigem Stand nicht reaktiviert werden, nachdem es geschlossen wurde, weil der Freistaat nur noch ein Impfzentrum pro Landkreis haben wollte. Die wohnortnahen Angebote seien sehr gefragt, dabei wolle man es belassen. Sonst müsse das Personal auch wieder umverteilt werden. Es sei jedenfalls eine „gigantische Bürokratie“.

Viele Helfer der Blaulicht-Organisationen waren im Einsatz.
Foto: Bernhard Weizenegger

Für das „Booster-Wochenende“ gebe es trotzdem keinen Mangel an Ärzten, aber mehr medizinische Fachkräfte seien wünschenswert. Die niedergelassenen Mediziner versuchten auch ihr Möglichstes, aber es sei nun einmal schwierig, jetzt innerhalb kurzer Zeit anzubieten, was im Sommer über Wochen nicht nachgefragt worden war. Es ist zudem ein Spagat zwischen der regulären Versorgung der Patientinnen und Patienten und dem Impfen.

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Verlegung von Intensivpatienten aus Kreis Günzburg wird diskutiert

Derweil werden Verlegungen von Corona-Patienten aus den Intensivstationen im Landkreis in andere Bundesländer diskutiert, um wieder Kapazitäten frei zu bekommen. Zudem sollen Menschen, die keine akute Behandlung mehr benötigen, regional verlegt werden. Es seien vor allem jene, die nicht nach Hause in Isolation gehen können, etwa weil sie dort auf Angehörige treffen würden, die zu den Risikogruppen zählen. Dafür werden insgesamt 40 Betten in der Fachklinik Ichenhausen – sie hat den größten Anteil –, dem Krumbad und der Kreisklinik Krumbach extra zur Verfügung gestellt, erklärt Dr. Ulrich Kugelmann, der im Rettungsdienstbereich Donau-Iller die Intensivbettenbelegung koordiniert. In der Krumbacher Klinik wird dafür auch die Kurzzeitpflege reaktiviert.

40 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten werden in diesen „Abverlegungszentren“ und auf Intensivstationen helfen, etwa bei Botengängen oder dem Austeilen von Essen, damit das Pflegepersonal sich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren kann. Es sei wahrscheinlich eines der größten Kontingente dieser Art bundesweit, sagt Reichhart. Hinzu kommen 20 Soldaten, die bei der Kontaktnachverfolgung helfen. Die Zentren werden für den gesamten Rettungsdienstbereich vorgehalten, bislang wurden circa 30 Patienten dafür identifiziert. Die Region stehe zusammen, sagt der Landrat.

"Die Schlacht wird in den Akutkliniken geschlagen"

Man müsse sich auch vor Augen halten, dass gerade jeder Ungeimpfte auf den Intensivstationen dazu führe, dass reguläre Operationen verschoben werden müssten und so andere Menschen länger litten. Wer es ablehne, sich impfen zu lassen, müsse das wissen. Zumal, ergänzt Kugelmann, man in den Krankenhäusern momentan in der Früh nicht wisse, ob jeder Patient und jede Patientin noch zeit- und sachgerecht behandelt werden könne, weil die Belastung so groß sei. „Die Schlacht wird in den Akutkliniken geschlagen.“ In den Kreiskliniken Günzburg und Krumbach sowie dem Bezirkskrankenhaus seien am Dienstagnachmittag insgesamt zwölf Corona-Patienten auf den Intensivstationen behandelt worden, alle mussten beatmet werden. Neun waren demnach ungeimpft. Von den geimpften Patienten seien alle 80 Jahre oder älter gewesen, hätten erhebliche Vorerkrankungen oder eine Immunschwäche gehabt. Bei den Ungeimpften habe die Altersspanne zwischen 52 und 76 gelegen. Überwiegend gebe es hier einen schweren Verlauf der Krankheit, zum Teil Vorerkrankungen.

"Wir sind noch nicht in der Triage, aber in der Priorisierung"

Es seien bereits die Ethikkomitees aktiviert worden, um Entscheidungshilfen zu geben, wer wie behandelt werden kann. „Wir sind noch nicht in der Triage, aber seit Wochen in der Priorisierung.“ Unfallopfer konkurrierten mit Corona-Patienten um Intensivbetten. Damit dies noch gestemmt werden kann, seien wegen des Katastrophenfalls die Personaluntergrenzen aufgehoben. Keiner mache derzeit Urlaub, Kolleginnen und Kollegen müssten arbeiten, obwohl sie eigentlich frei hätten. Zudem seien sieben Corona-Intensivpatienten in den vergangenen Wochen innerhalb Bayerns zum Lastenausgleich verlegt worden.

Anmeldungen Für das „Booster-Wochenende“ sind Anmeldungen im Internet unter der Adresse impfzentren.bayern oder über einen Link auf der Homepage www.landkreis-guenzburg.de möglich.

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