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Interview

13.06.2019

Nach 20 Jahren: Beim VfL Günzburg endet die Ära Gerhard Skrebbas

In unruhigen Zeiten wurde Gerhard Skrebbas vor 20 Jahren Vorstandsvorsitzender des VfL Günzburg. Heute steht der Großverein als Einheit da. Nun gibt der Chef das Amt weiter und hofft, dass auch derzeit drängende Probleme wie die Hallenfrage (im Hintergrund die Jahnhalle) irgendwann gelöst sein werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Vorstandsvorsitzende des 1800 Mitglieder starken Vereins tritt ab. Ein Gespräch über Erfolge, Hallenwünsche und die Smartphone-Generation.

Nach 20 Jahren an der Spitze des VfL Günzburg werden Sie bei der Delegiertenversammlung am 25. Juni nicht mehr für einen Vorstandsposten kandidieren. War das Ihr eigener Entschluss, Herr Skrebbas?

Ja. Es ist an der Zeit, Platz für neue Kräfte zu machen. Ein 72-Jähriger an der Spitze eines Vereins mit vielen jungen Leuten, die auch neue Ideen einbringen, das passt nicht.

Wer wird denn Ihr Nachfolger als Vorstandsvorsitzender?

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Das kann ich auf die Person bezogen nicht konkret sagen. In der Delegiertenversammlung wird zunächst ein siebenköpfiger Vorstand gewählt. Aus diesem Vorstand scheide ich nun aus. Für die freie Position im Siebener-Rat kandidiert Markus Guckler aus der Handball-Abteilung. Die weiteren sechs Mitglieder – Walter Hirsch, Ruth Niemetz, Annette Fiegel-Jensen, Johannes Geiger, Sebastian Imminger und Othmar Hagen – bleiben. Wer bei der konstituierenden Sitzung dieses Gremiums zum Vorsitzenden gewählt wird, kann ich nicht sagen. Es spricht aber viel für meinen bisherigen Stellvertreter Walter Hirsch.

Warum gibt es beim VfL Günzburg überhaupt eine Delegierten- und keine Mitgliederversammlung?

Das müssen Sie die Urväter fragen. Als der Verein in den Hochzeiten des Handball auf über 3000 Mitglieder angewachsen war, hat man eben gesagt, wir machen das mit Delegierten.

Diese Zeiten sind aber längst passè.

Es hat sich eben bewährt. Gehen Sie davon aus, dass zu einer Mitgliederversammlung die jungen Leute schon mal nicht kommen. Viele andere sehen den Verein als puren Dienstleister, die kümmern sich nicht um Verwaltungsdinge. Aber Delegierte sind Menschen, die sich ernsthaft mit den Belangen des Vereins auseinandersetzen.

Zurück zu den Anfängen: Wie kamen Sie vor 20 Jahren ins Amt?

Ich habe wirklich eine Blitzkarriere beim VfL hingelegt, weil ich mit meiner Mitgliedschaft sofort Vorsitzender wurde. Zuvor war ich aus der großen Handball-Zeit nur VfL-Fan gewesen. Das war halt ein Verein für mich, mehr nicht. In dieser Zeit kam dann einer meiner Vorgänger, Walter Bertele, auf die Idee, einen wie mich könnte der Verein in Organisationsdingen gut brauchen. Angesichts der kurzen Legislaturperiode von zwei Jahren dachte ich, das probiere ich mal.

Hatten Sie keine Bedenken? Immerhin besaß der Verein zur damaligen Zeit nicht das allerbeste Image.

Das erste Jahr war auch ein sehr schweres. Da habe ich mich oft gefragt, ob ich das Richtige gemacht habe. Doch es ist uns gemeinsam gelungen, aus einzelnen Abteilungen wieder einen Verein zu machen. Es gibt heute ein sehr gutes Miteinander.

Aktuell pendelt die Mitgliederzahl um die 1800. Damit ist der VfL Günzburg nach dem TSV Burgau der zweitgrößte Verein im Landkreis. Wie verteilen sich die Sportler auf die Sparten?

Die größte Abteilung ist Gymnastik mit 882 Mitgliedern zum 1. Januar 2019. Es folgen die Handballer mit 482. Die einzige weitere Abteilung mit über 100 Mitgliedern ist Tischtennis. Da sind jeweils Doppelzählungen dabei, weil man ja in mehreren Abteilungen Mitglied sein kann.

Kontrovers diskutiert wird das Thema Sporthallen und ihre Belegung. Die Gesamtsituation aus Sicht des VfL hat sich durch den Bau der Bruno-Merk-Halle zwar gebessert, dauerhaft gelöst ist das Problem aber nicht. Sie selbst sprachen in diesem Zusammenhang schon von „Engpässen“. Andernorts geistert das Wort „Neubau“ durch die Gegend. Gibt’s da Konkretes?

Ja, die Hallensituation ist angespannt – trotz aller Bemühungen, die Leute auf die verschiedenen Sportstätten zu verteilen. Eine neue Sporthalle wäre demnach zwar wünschenswert, ein solches Projekt ist aber zur Zeit nicht machbar. Alles, was da an Planspielen, Gerüchten oder Stammtischparolen kursiert, ist momentan Wunschdenken.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektiven des VfL Günzburg?

Eigentlich meinen wir, alles dafür getan zu haben, dass er einer sicheren Zukunft entgegen geht. Er steht wirtschaftlich auf gesunden Füßen und besitzt eine modernisierte Satzung. Es ist und bleibt ein Aspekt dieses Vereins, Breitensport zu betreiben und in einzelnen Abteilungen Leistungskriterien anzuwenden. Man darf sich allerdings nicht ausschließlich dem Leistungssport unterordnen – das war das Problem der früheren Tanzsport-Abteilung.

Wachsende Einsamkeit, fehlende Bewegung, zunehmende Einwandererzahlen – wo steht der Sport im Verein insgesamt in, sagen wir, 20 Jahren?

In den von Ihnen genannten und einigen weiteren Punkten sehe ich eine große Aufgabe für alle Vereine. Was wäre eine Gemeinschaft, wenn nicht die Vereine Tag für Tag dafür sorgen würden, dass die Smartphone-Generation wenigsten für bestimmte Zeiten eine sinnvolle Aufgabe bekommt? Auch in Sachen Migration sind Vereine Vorreiter, da wird einiges aufgefangen. Aber das sehen viele Menschen und bei uns auch die Stadt Günzburg genauso, weshalb wir uns nicht über mangelnde Unterstützung beschweren können.

Was nehmen Sie persönlich mit nach 20 Jahren als VfL-Chef?

Für mich waren es 20 wertvolle Jahre und ich hoffe, dass ich dazu beigetragen habe, dass sich der Umgang unter den Mitgliedern verbessert hat. Ich habe diese 20 Jahre auch nur deshalb halbwegs erfolgreich über die Bühne gebracht, weil ich es fast immer mit mir wohlgesonnenen Menschen zu tun hatte. Ganz wichtig ist mir der Zusatz: So etwas funktioniert nur, wenn die Frau hinter einem steht.

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