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Landkreis Günzburg

21.08.2020

Nach Testspiel in Edelstetten: Zwei Fußballteams müssen in Corona-Quarantäne

Die Spieler des Vereins Türk GB Günzburg sind bis 29. August in Quarantäne, nachdem ein Mannschaftskamerad positiv auf Corona getestet worden war.
Bild: Fotostand / Schmitt (Symbol)

Plus Im Spiel zwischen Türk GB Günzburg und Türkiyemspor Krumbach war ein Akteur dabei, der sich zuvor mit dem Virus angesteckt hatte, ohne davon zu wissen. Was das nun für Folgen hat.

Wenn die beiden Fußballmannschaften von Türk GB Günzburg und Türkiyemspor Krumbach gewusst hätten, was auf sie zukommt, dann hätten sie wohl liebend gerne auf das Testspiel verzichtet, das sie vergangenen Samstagnachmittag in Edelstetten ausgetragen haben. Denn einer der Günzburger Akteure auf dem Fußballplatz war mit dem Coronavirus angesteckt, was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hustete der 23-jährige Sahin Cilcik öfters. Außerdem musste der Offensivspieler schwitzen und er merkte, dass etwas mit seinem Geschmacks- und dem Geruchssinn nicht stimmte. Am Montag blieb Cilcik zu Hause, am Dienstag ist er zum Arzt gegangen, in der Hoffnung, er könne bald wieder fit sein. Denn er wollte mit Bekannten am 21. August in die Türkei fliegen. Das Ferienhaus für den Urlaub war bereits gebucht. „Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, Corona zu haben“, sagte er unserer Zeitung am Telefon. Der Arzt machte einen Abstrich. Am Mittwoch lag das positive Ergebnis vor.

Gut 40 Personen wurden in Corona-Quarantäne geschickt

Von da an ging alles sehr schnell. Als dem Gesundheitsamt der meldepflichtige Fall bekannt wurde, machte sich in der Behörde speziell geschultes Personal daran, Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Seit Mittwoch ist die komplette Günzburger Fußballmannschaft samt Einwechselspieler in Quarantäne. Und die Anfangsformation des Gegners aus Krumbach befindet sich ebenfalls zu Hause. Das gilt bis zum 29. August. Davon betroffen ist auch der Schiedsrichter des Testspiels, der ebenfalls in Quarantäne musste. Mit Cilciks Familienangehörigen sind das rund 40 Personen, wie das Landratsamt Günzburg auf Nachfrage mitteilte.

Der positiv getestete TGB-Fußballer Cilcik kann sich nicht erklären, wie und durch wen er sich mit dem Virus angesteckt hat. „Ich habe keine Ahnung.“ Bekannt ist allerdings, dass in seinem Freundeskreis – außerhalb der Mitspieler – noch jemand coronapositiv ist. onnerstagfrüh wurden die beiden Fußballteams nach Leipheim einbestellt, um alle Beteiligten auf den Erreger zu testen. Bei Bedarf kann die auf dem Gelände des Kreisabfallwirtschaftsbetriebes eingerichtete Abstrich-Station hochgefahren werden.

In dieser Woche war dies bereits zweimal der Fall. Am Montag sind dort um die 50 Personen getestet worden. Dabei hat es sich größtenteils um Reiserückkehrer aus Kroatien gehandelt. „Es gab Wochen, da wurde nur einmal oder gar nicht getestet“, sagt Landratsamtssprecherin Jenny Schack und unterstreicht damit, dass die Fallzahlen wieder steigen.

Harte Tage für die Mitarbeiter im Landratsamt Günzburg

Ereignisse wie das der möglichen Verbreitung von Corona in einem Fußballspiel belasteten das Personal zusätzlich. „Schon am Montag war ein harter Tag. Und dann ist noch der Mittwoch dazugekommen.“ Zwischen 6 Uhr und 19.30 Uhr sei das sogenannte Contact-Tracing-Team (CTT) im Einsatz gewesen, das dem Coronavirus auf der Spur ist und Kontaktpersonen ausfindig macht. Ungefähr 20 Frauen und Männer umfasst diese Gruppe, deren Mitglieder zum Teil aus anderen Bereichen des Landratsamtes gewonnen worden sind.

Noch stehen die Testergebnisse der Fußballer beider Vereine und des Unparteiischen nicht fest. Glück im Unglück ist aus Sicht des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), dass der Spielbetrieb von den Quarantäne-Fällen aus Günzburg und Krumbach nicht betroffen ist. Denn die ausgesetzte Saison im Amateurbereich soll erst Anfang September wieder aufgenommen werden. Noch hat das Innenministerium, das in Bayern auch für den Sport zuständig ist, nicht entschieden, ob es dem Wunsch des Fußballverbandes zustimmt oder nicht.

Dem BFV-Kommunikationschef Fabian Frühwirth sind Einzelfälle im Freistaat bekannt, wo ähnlich verfahren wurde wie nun im Landkreis Günzburg. So seien im niederbayerischen Kreis Straubing–Bogen auch zwei Fußballteams in Quarantäne geschickt worden – rund 30 Mann. Im Bereich von München habe es ebenfalls Verdachtsfälle und Testungen gegeben.

Für eine corona-freie Zeit ist schon mal ein Grillfest versprochen

Frühwirth beeilt sich, zu sagen, dass die geschilderten Corona-Maßnahmen für die beiden türkischen Fußballteams „originär nichts mit Fußball zu tun haben“. Das möglicherweise folgenreiche Spiel sei wegen eines zuvor an Covid-19 erkrankten Spielers ein potenzieller Verbreitungsweg.

Die beiden Vorsitzenden der Vereine, Erdal Pehlivan (Türk GB Günzburg) und Behzat Akpinar (Türkiyemspor Krumbach), bedauern natürlich, dass sich ihre Kicker nun auf die restliche Saison nach gut neunmonatiger, größtenteils coronabedingter Gesamtpause nicht wie gewünscht vorbereiten können. „Da kann man nichts machen“, sagt Pehlivan. Und Akpinar ergänzt: „Gesundheit geht vor.“

Für die Umstände hat Sahin Cilcik seinen Mannschaftskameraden schon mal ein großes Grillfest versprochen – wenn Corona seinen Schrecken verloren hat.

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