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Ichenhausen

04.08.2020

Neue Pläne für die B16-Umfahrung in Ichenhausen vorgestellt: Anwohner machen Druck

Vor der Sitzung des Ichenhauser Stadtrats warben mehrere Anwohner für einen Neubau der B16 im Osten Ichenhausens.
Bild: Heike Schreiber

Plus Was sich bei den Feinplanungen für das Projekt zwischen Ichenhausen und Kötz geändert hat und was der Stadtrat davon hält.

Haben zuletzt meistens die Gegner der neuen B16-Umfahrung bei Veranstaltungen protestiert, zeigten sich am Montag vor der Sitzung des Ichenhauser Stadtrats die Befürworter des Projekts. Mit großen Transparenten „Ja zur Ostumfahrung“ und „Die Grenze des Wartens ist überschritten – Ostumfahrung jetzt“ warben betroffene Anwohner vor der Turnhalle für die Trasse. Drinnen rührten Vertreter des Staatlichen Bauamts Krumbach ebenfalls die Werbetrommel für ihren neu ausgearbeiteten Vorentwurf. Dass sich innerhalb weniger Jahre die Kostenschätzungen mehr als verdoppelt haben, hielt die Räte nicht davon ab, der Planung mit großer Mehrheit zuzustimmen.

Mit „großer Mannschaft“ war das Staatliche Bauamt Krumbach nach Ichenhausen gekommen, wie es Behördenleiter Wilhelm Weirather zu Beginn der Sitzung ausdrückte. Die fand wie seit Beginn der Corona-Krise wieder in der Friedrich-Jahnhalle statt. Um möglichst viele Plätze für Zuhörer zu bieten, wurden die Stadträte aber nicht wie üblich im großen Kreis platziert, sondern in deutlich engeren Reihen.

Behördenleiter Wilhelm Weirather informiert über Pläne zur neuen B16

Ganz vorne reihte sich ein Abteilungsleiter neben den nächsten Sachgebietsleiter, schließlich solle an diesem Abend über das Thema B16 neu, das eine „sehr lange Planungsgeschichte“ habe, kompetent und transparent informiert werden, so Weirather. „Wir wollen mit offenen Karten spielen und an dieser Stelle für die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme werben und überzeugen, dass es für Ichenhausen, für die ganze Region eine wegweisende Maßnahme ist“, stellte der Behördenleiter klar.

Planungsverlauf Seit Jahrzehnten wird an einer Entlastungsstraße geplant und trotzdem sei auch 2020 eine Realisierung immer noch nicht absehbar, betonte Weirather. Erst 2014 hatte der Bund klargemacht, dass eine Westtrasse durch das Günztal aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht realisierbar sei und deshalb nicht weiterverfolgt werde. Eine Umweltverträglichkeitsstudie kam zu der Aussage, dass eine Osttrasse aus Umweltgesichtspunkten positiver zu beurteilen sei. 2016 fand die B16 Ost Aufnahme im Bundesverkehrswegeplan 2030 und zwar in der „höchsten Prioritätsstufe“.

Auf mehreren Veranstaltungen 2018 wurde die Öffentlichkeit über die Planungsstände informiert, Anregungen wurden gesammelt und flossen laut Weirather in den jetzigen Vorentwurf ein. Man befinde sich in einem rein internen Verfahren, die betroffenen Kommunen seien nicht in Details involviert. Für Kritik bestehe erst Gelegenheit im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.

Neue Pläne der B16-Umfahrung rücken von weg von Wohnbebauung

Aktueller Entwurf Bevor Henrik Vosdellen, Abteilungsleiter für den Landkreis Günzburg, die Pläne ausführlich präsentierte und aufzeigte, wo die neue B16 einmal verlaufen soll, stellte er eines klar: „Wir müssen davon wegkommen, dass wir über eine generelle Umfahrung diskutieren. Was möglich ist, sind gewisse Optimierungen an der Trasse.“ Genau an solchen hat die Behörde seit zwei Jahren gefeilt, laut Vosdellen haben sich „wesentliche Veränderungen“ ergeben.

Von der geplanten „Kötzer Spange“ ist man abgerückt, ebenso wurden bei Ichenhausen und Deubach die maximalen Abstände von der Wohnbebauung erwirkt. Entwässerungsbecken, Ingenieurbauwerke (darunter die 169 Meter lange Brücke durch das Winterbachtal), ländliche Wege, Lärmschutz- und Irritationswände für Fledermäuse wurden eingeplant, der Anschluss in Ichenhausen an die Staatsstraße 2023 wurde in einen Vollanschluss geändert. Damit alle im Saal eine Ahnung davon bekämen, wie die B16 aussehen wird, ließ sie Vosdellen an einem visualisierten Vogelflug über und einer Autofahrt auf der Trasse teilhaben.

B16-Umfahrung: 50 Hektar Land werden überbaut

Natur Allen müsse bewusst sein, dass eine zehn Kilometer lange Trasse ihre Spuren in der Natur hinterlasse. Etwa 50 Hektar werden Vosdellen zufolge überbaut, „die müssen und werden wir ausgleichen“. 16,4 Hektar müssen demzufolge wieder aufgeforstet werden. Wie der Abteilungsleiter versicherte, versuche man, möglichst die landwirtschaftlichen Flächen zu schonen. Klaus Burkart, Sachgebietsleiter Umweltplanung, ergänzte, dass eine Vielzahl von Parametern berücksichtigt werde und auf einer Fläche mehrere Maßnahmen erfüllt würden. So könne man aufforsten und gleichzeitig Artenschutz betreiben.

Kosten Dass die Kostenschätzung, die 2014 noch bei 38,3 Millionen Euro lag, inzwischen auf etwa 100 Millionen Euro angewachsen ist, ist laut Abteilungsleiter mehreren Dingen geschuldet: Zum einen sei die Planung wesentlich detaillierter, was einst „nur eine Linie war, ist jetzt eine Straße“. Zum anderen sei das Schutzgut Mensch viel höher gewichtet worden, indem die Trasse von Häusern abrückt und tiefergelegt wird. Außerdem belaufen sich allein die Baukosten für mehrere zusätzliche und größere Ingenieurbauwerke auf über 30 Millionen Euro.

Wilhelm Weirather: B16-Umfahrung dauert noch sechs bis acht Jahre

Gerlinde Schweigers (SPD) Fazit fiel am Ende eindeutig positiv aus: „Es gefällt mir sehr gut. Noch besser wäre es, wenn Sie mir sagen könnten, ob es in den nächsten zwei bis drei Jahren so weit sein wird.“ Diesen Wunsch konnte ihr Bauamtsleiter Weirather allerdings nicht erfüllen. Er wollte sich auf kein konkretes Datum festlegen, „das wäre unseriös“.

Zeitlicher Ablauf Bis zum Bau der Straße sei es noch ein sehr weiter Weg, beschrieb er den zeitlichen Ablauf. Zunächst müssen die Träger öffentlicher Belange beteiligt werden, dann geht die Vorlage des Vorentwurfs über die Regierung ans Ministerium. Nach einem sogenannten „Gesehenvermerk“ läuft das Planfeststellungsverfahren an, es besteht Einwendungs- und Klagemöglichkeit. Mit sechs bis acht Jahren muss laut Weirather insgesamt gerechnet werden.

Das sagen die Stadträte „So lange können die Anwohner nicht mehr warten“, warnte Schweiger. Doch sowohl ihre als auch die Frage von Gabriele Walter (LIB), ob nicht wenigstens der Schwerlastverkehr in Richtung Mindeltal verlegt werden könnte, musste der Behördenleiter verneinen. Durch Ichenhausen führe nun mal eine Bundesstraße, sie zu sperren, sei rechtlich nicht zulässig.

Arthur Kehrle, Freie Wähler: Die Stadt Ichenhausen blutet aus

Auch Arthur Kehrle, Vorsitzender der Freien Wähler, gab zu bedenken, dass die Stadt ausblute, da niemand mehr bereit sei, an der B16 zu investieren. Diesen Faktor müssten die Planer berücksichtigen. Die Freien Wähler stünden trotzdem weiter zu einer Umfahrung, die Pläne seien gut, der Zeitaspekt sei jedoch wichtig.

Stefan Riederle, Fraktionsvorsitzender der CSU, findet es an der Zeit, der jahrelangen Diskussion endlich Taten folgen zu lassen. Zwar sei die Trasse ein gewaltiger Eingriff in die Natur, er habe aber den Eindruck, dass die Planer alles bestmöglich abgewogen hätten. „Wir sind es den Anwohnern schuldig, dass wir sie entlasten.“

Bürgermeister Robert Strobel: Neue Pläne für B16-Umfahrung sind positiv

Für Bürgermeister Robert Strobel (CSU) ist der Bau der Trasse „eines der wichtigsten Projekte für die nächsten 100 Jahre“. Der Verkehr müsse aus der Stadt heraus, eine Verlagerung auf die Dörfer sei keine Lösung. Eine Umfahrung durch das Günztal sei vom Tisch, „ob wir eine Osttrasse bekommen, müssen wir abwarten“. Die neuen Pläne seien sehr positiv zu werten. Unter der Maßgabe, bestmöglichen Lärmschutz für die Siedlungsgebiete und Ausgleich für den Eingriff in die Natur zu erreichen sowie eine Flurbereinigung durchzuführen, stimmten 16 Räte für die Planung, drei votierten dagegen.

Das Thema wird am Dienstagabend im Gemeinderat Kötz behandelt. Beginn ist um 20 Uhr in der Günzhalle in Kötz.

Am Mittwoch wird im Gemeinderat Waldstetten darüber diskutiert. Beginn ist um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Ichenhausen.

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