Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Nüßlein-Nachfolge: Günzburger Kreis-CSU setzt auf Julia Dümmler

Bundestagswahl

09.04.2021

Nüßlein-Nachfolge: Günzburger Kreis-CSU setzt auf Julia Dümmler

Die CSU im Kreisverband Günzburg hat sich entschieden: die 44-jährige Rechtsanwältin Julia Dümmler soll als Nachfolgerin von Georg Nüßlein Kandidatin für den Bundeswahlkreis Neu-Ulm werden. Ohne Unterstützung von Delegierten anderer Kreisverbände wird dieser Plan jedoch nicht aufgehen.
Foto: Coredia-Medienproduktion

Plus Die Rechtanwältin aus Krumbach setzt sich am späten Donnerstagabend gegen Günzburger Arzt durch. Wie es nun weitergeht und was die 44-jährige von Nüßlein und Sauter erwartet hätte.

Eine Rechtsanwältin und ein Arzt haben am Donnerstagabend zweieinhalb Stunden lang um die Gunst des Günzburger CSU-Kreisverbands geworben. Beide, Julia Dümmler aus Krumbach und Dr. Stefan Waibel aus Günzburg, wollten die Nachfolge von Georg Nüßlein (Münsterhausen) antreten, der in die Masken-Affäre tief verstrickt ist und deshalb für den Wahlkreis Neu-Ulm für den Bundestag nicht mehr antritt, ja sogar aus der CSU ausgetreten ist. Dümmler hat mit „respektabler Mehrheit“ den harmonischen Zweikampf für sich entschieden.

Ein genaues Ergebnis der gut 70 Stimmberechtigten – neben dem Kreisvorstand waren die Ortsverbände, die CSU-Arbeitsgemeinschaften und die Kreisräte vertreten – wollte der stellvertretende Kreisvorsitzende Georg Schwarz nicht nennen. Seine Stimme klang am späten Abend am Telefon ein wenig aufgekratzt und euphorisch: „Es war eine sehr erfreuliche und umfangreiche Diskussion.“

Georg Schwarz: "Es sind wirklich sehr gute Kandidaten"

Zunächst hatten sich die zwei Bewerber vorgestellt. Danach wurden sie von den CSU-Kreisverbandsmitgliedern gelöchert mit Fragen – welchen politischen Schwerpunkt sie haben, wo sie Probleme und Herausforderungen im Landkreis Günzburg sehen. Auch die private Situation und Fragen nach ihrer Motivation wurden bei der Videokonferenz nicht ausgespart. „Es sind wirklich sehr gute Kandidaten“, findet Schwarz. „Wir wünschen uns, dass uns beide erhalten bleiben in der CSU“, bekräftigte er und setzte hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so qualifizierte Bewerber präsentieren können.“

Das klang nach mehr als nur Zweckoptimismus. „Unsere Chancen sind nicht schlecht, wenn es wirklich darum geht, einen qualifizierten Bewerber zu bringen. Unsere Kandidatin ist unbelastet, eine Newcomerin und steht für einen wirklichen Neuanfang. Sie abzulehnen, nur weil sie aus dem Landkreis Günzburg kommt, halte ich für falsch.“

Der Günzburger Arzt Dr. Stefan Waibel hatte bei der Kandidatenkür des Günzburger CSU-Kreisverbandes das Nachsehen.
Foto: Coredia-Medienproduktion

Beide Bewerber sind CSU-Mitglieder, aber für ihre Partei bislang noch nicht übermäßig in Erscheinung getreten. Sie sitzen weder in einem Stadtrat noch im Kreistag. Dümmler, 44, gehört dem Ortsverband Krumbach an und ist seit Beginn dieses Jahres stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende. Waibel ist Günzburger CSU-Mitglied und hat in der Stadt eine neurologische Praxis. Die Wege ins Herz der CSU wären denkbar kurz gewesen. Waibel praktiziert im selben Haus, in der auch die Kreis-CSU ihre Geschäftsstelle hat, die vor Kurzem noch durch Durchsuchungen der Büroräume von Nüßlein und Alfred Sauter im Zusammenhang mit der Masken-Affäre bundesweit in den Fokus gerückt ist.

Bereits alt genug und noch jung genug

Dümmler freute sich, dass ihr der Kreisverband Günzburg das Vertrauen geschenkt hat und nahm gleich den „Makel Günzburg“ auf. „Ich hoffe, dass bei der entscheidenden Abstimmung die regionale Herkunft eines geeigneten Kandidaten weniger eine Rolle spielt“, sagte sie gegenüber unserer Redaktion. Diese Entscheidung wird am 29. April fallen. Der Ort ist noch nicht bekannt. Dass sie als Frau antritt – bei den Neu-Ulmern stehen ausschließlich Männer zur Wahl – „könnte möglicherweise ein Vorteil für uns sein“, schätzt Dümmler selbst ein und ergänzt im selben Atemzug: „Das Geschlecht sollte als Qualifikation nicht ausschlaggebend sein. In meinem Alter habe ich bereits ein gutes Stück an Berufs- und Lebenserfahrung, bin aber noch jung genug, um diesen Neuanfang zu wagen. Ich möchte für den gesamten Wahlkreis da sein.“

Manchmal zu ungeduldig und zu perfektionistisch

Ein Teilnehmer der Videokonferenz fragte nach den Schwächen Dümmlers. „Da bin ich mir wie im Bewerbungsgespräch vorgekommen. Das hängt von Situationen und Lebenslagen ab. Mal bin ich zu ungeduldig, mal zu perfektionisch, mal zu aufbrausend.“

Und wie beschreibt die Günzburger Kandidatin aus Krumbach ihre Stärken? „Ich bin eine sympathische Freundin, eine kompetente Anwältin und eine liebevolle Mutter. All diese Stärken und auch die Schwächen machen mich aus – und so möchte ich für die Wähler da sein. Ich will mich nicht verstellen.“

Wo bleibt die Entschuldigung gegenüber der CSU?

Nach 15 Berufsjahren als Rechtsanwältin glaube sie sagen zu können, „dass ich mich mit den Problemen der Menschen auseinandersetzen und für sie lösen kann.“ Weder Nüßlein noch Sauter kennt sie persönlich. Als Juristin hebt Dümmler die Unschuldsvermutung hervor. „Aber ich hätte mir von Beiden unabhängig von ihrer persönlichen rechtlichen Einschätzung ein Wort der Entschuldigung zumindest gegenüber ihrer Partei gewünscht, die sie in eine solche Lage gebracht haben.“ Warum tritt die 44-Jährige ausgerechnet in dieser Situation an? Da gibt es einen ganz pragmatischen Grund: Weil sich die Gelegenheit durch den Nüßlein-Abtritt überhaupt erst ergibt. Julia Dümmler beantwortet es philosophisch: „Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Morgen am nächsten.“

Und so sieht es in den beiden anderen CSU-Kreisverbänden aus, die wie Günzburg mit ihren Delegierten endgültig festlegen, wer für die CSU im Bundeswahlkreis Neu-Ulm (dazu gehören die Landkreise Günzburg, Neu-Ulm und Teile des Unterallgäus) in den Wahlkampf ziehen soll:

So steht es im Unterallgäu

Unterallgäu Während die Günzburger am Donnerstag als erster Kreisverband mit ihrer Kandidatin die Karten auf den Tisch gelegt haben, bestimmten die Unterallgäuer zeitgleich, welche Delegierten ihre Region am 29. April vertreten werden. Die CSU dort weist den geringsten Delegiertenanteil (21) im Vergleich zu den beiden anderen Kreisverbänden auf. Aber: Weder Neu-Ulm (78 Delegierte) noch Günzburg (61) können aus eigener Kraft einen Bewerber aus ihren Reihen durchdrücken. Die Unterallgäuer haben mit ihrer JU-Kreischefin Verena Winter (Kettershausen) mindestens eine Bewerberin in der Hinterhand. Kreisvorsitzender Franz Josef Pschierer will aber zuerst abwarten, welche Vorschläge aus Neu-Ulm und Günzburg kommen – und tendiert dazu, die Bewerberfrage einvernehmlich zu lösen.

Heute Abend wählen die Neu-Ulmer unter fünf Männern aus

Neu-Ulm Fünf Männer rechnen sich Chancen aus: Martin Böck (Neu-Ulm), Unternehmer für Autoverwertung; Julius Röth (Neu-Ulm), der bisher in der Jungen Union aktiv war; der Kellmünzer Bürgermeister und Kreisrat Michael Obst; Dr. Günther Hogrefe, Chefarzt der Anästhesie an der Stiftungsklinik und Stadtrat in Weißenhorn; Kreisrat Alexander Engelhard, Chef der Weißenhorner Getreidemühle. Die Neu-Ulmer klären am Freitagabend, mit wem sie ins parteiinterne Kandidatenrennen gehen wollen. Dazu kommen die Bewerber nach Günzburg. In den Räumen der Firma Kalka haben – wie tags zuvor bei den Günzburgern – alle Bewerber dieselben Bedingungen während ihrer Vorstellung und der sich anschließenden Fragerunde.

Landkreisübergreifende Videokonferenzen der CSU mit der Vorstellung der Kandidaten aus den drei Kreisverbänden sind voraussichtlich für den 17. und/oder 24. April geplant. Davor und danach dürfte es in den Führungszirkeln noch eine große Portion Rede- und Abstimmungsbedarf geben.

Lesen Sie außerdem:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren