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Freihalden

01.01.2021

Nun ist er im Ruhestand: Monsignore Miehle war ein Glücksfall für seine Gemeinden

Pfarrer Michael Heinrich (links), Neffe von Monsignore Wolfgang Miehle, konzelebrierte mit dem angehenden Emeritus dessen Abschiedsmesse. Drei Berufungsgeschichten begleiteten Miehle sein ganzes Priesterleben.
Foto: Andrea Teutschländer

Plus Corona verhindert den gebührend großen Abschied für Monsignore Wolfgang Miehle aus Freihalden, Ried und Oberwaldbach. Was der 75-Jährige erlebt hat und was er in Zukunft machen will.

Sein letztes Jahr als Gemeindepfarrer von Freihalden, Ried und Oberwaldbach dürfte sich Monsignore Wolfgang Miehle anders vorgestellt haben. Es war ausgerechnet das Pandemie-Jahr, in das auch sein Goldenes Priesterjubiläum fiel und in dem er 75 Jahre alt wurde. Doch er hat sich nie beklagt. So auch nicht bei seinem Abschied.

Nur einmal sagte er leise „leider“, dass er nicht alle einladen konnte. Dafür hörte man vielmals „Danke“ aus seinem Mund: Danke an Gott und an die vielen Menschen, die er ihm anvertraut und zur Unterstützung an die Seite gestellt hat.

An Neujahr 2021 begann sein Ruhestand. Bis Ostern will er sich zu-nächst aus der Öffentlichkeit zurückziehen und dann als Emeritus Pfarrer Franz Wespel, den Leiter der um Freihalden, Ried und Oberwaldbach erweiterten Pfarreiengemeinschaft Jettingen, nach besten Kräften unterstützen.

Nur ein kleiner Kreis durfte den Pfarrer verabschieden

In seinem letzten Gottesdienst als amtierender Pfarrer knüpfte Monsignore Miehle mehrfach an seine Anfänge an. Am 27. Juni 1970 wurde er in Dillingen zum Priester geweiht. Am 5. Juli 1970 feierte er in seinem Heimatort Jettingen die Primiz. Zum 50. Mal jährten sich diese Lebensereignisse heuer im Sommer. Doch feiern konnte Miehle nicht. Corona stand dem entgegen. Auch sein 75. Geburtstag vor wenigen Tagen am 19. Dezember war von der Pandemie überschattet, wie nun auch sein Abschied als Pfarrer.

„Ihre Gemeinden können Ihnen nicht die Wertschätzung zeigen, wie sie es zeigen wollen“, bedauerte Jettingen-Scheppachs Bürgermeister Christoph Böhm, der auch für Burtenbachs Rathauschef Roland Kempfle sprach. Statt einer vollen Kirche, einem Kirchenzug mit Blasmusik und Fahnenabordnungen der Vereine, so wie es ihm alle gewünscht hätten, durften gerade einmal 54 Wegbegleiter und Ver-wandte – Maske tragend und Sicherheitsabstand haltend – in das Freihalder Gotteshaus.

Diesem exklusiven Kreis blieb es vorbehalten mitzuerleben, wie Miehle den Bogen von seinen Anfängen als Priester zu seinem Abschied aus dem Pfarreramt spannte. Es sind drei Berufungsgeschichten, die den Jettinger sein ganzes Priesterleben begleiteten.

Miehle war und ist ein begnadeter Prediger

Erstens: Wie Jeremia an sich zweifelte: „Ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.“ Doch Gott spricht ihm Mut zu: „Ich bin mit dir, um dich zu retten.“ Ja, Miehle war immer der Jüngste: in der Schule, im Priesterseminar, bei der Priesterweihe. Aber das ist lange her. Und dass er nicht reden kann, dem wird jeder entschieden widersprechen, der jemals eine seiner stets frei gesprochenen, geschliffenen Predigten hörte.

Monsignore Miehle war und ist ein begnadeter Prediger, ein höchst empathischer Seelsorger und ein Baumeister von Gottes Gnaden. In seinen neun Jahren als Pfarrer von Freihalden, Ried und Oberwaldbach renovierte er alle drei Kirchen grundlegend, zuletzt auch noch den Kreuzweg und die Lourdes-Kapelle in Oberwaldbach.

Im letzten, coronabedingt spärlichen Jahr nutzte er die Zeit nicht etwa zum Entspannen, nein, er durchstöberte das Kirchenarchiv und legte ein formidables heimatgeschichtliches Werk als letzten Pfarrbrief vor, an dem noch die Nachwelt Gefallen finden wird.

Vom reichen Fischfang auf dem See Genezareth

Die zweite Berufungsgeschichte dreht sich um Timotheus, der Paulus all die vielen Jahre die Treue hielt – als Inbegriff all derer, die Miehle während seines Priestertums begleiteten und stärkten.

Und schließlich drittens: das Lukas-Evangelium vom reichen Fischfang auf dem See Genezareth, das Miehle in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Wie Petrus ließ er sich auf Gott ein: „Auf dein Wort hin will ich es wagen, weil du mit mir bist.“

Er hat an vielen Orten seine Spuren hinterlassen

Weil er es gewagt hat, war es ihm vergönnt, viele Spuren zu hinterlassen: sieben Jahre als Kaplan in Dillingen, Kempten und Oberstdorf, 21 Jahre als Stadtpfarrer von Senden, fünf Jahre als KAB-Diözesanpräses und Diözesanmännerseelsorger, acht Jahre als Nationaldirektor für die Seelsorge an Menschen unterwegs und schließlich neun Jahre als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Freihalden, Ried, Oberwaldbach.

Wie vor 50 Jahren erstmals, so brannte auch diesmal wieder seine Primiz-Kerze. Ein Licht der Hoffnung in finsteren Zeiten. „Wir brauchen keine Angst zu haben, weil Gott mit uns den Weg geht“, sagte der Monsignore. Es sind Sätze wie dieser, die Pfarrer Miehle zu einem Glücksfall für seine Gemeinden machten. So brachten es für die Pfarreien und Vereine Anton Baumgartner, Egon Spring und Petra Lindenmayer zum Ausdruck.

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