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Günzburg

15.09.2020

Patient rastet aus: SEK rückt im BKH Günzburg an

Ein 29-Jähriger rastete am Montag im Bezirkskrankenhaus Günzburg aus, er warf mit Gegenständen um sich und verbarrikadierte sich am Ende in seinem Zimmer. Das SEK musste eingreifen.

Plus Weil ein 29-Jähriger im Bezirkskrankenhaus Günzburg aggressiv wurde, sich eine Waffe verschaffte und verbarrikadierte, musste das Spezialeinsatzkommando eingreifen.

Großer SEK-Einsatz am Bezirkskrankenhaus in Günzburg: Weil am Montagabend ein 29-jähriger Patient in der psychiatrischen Akutklinik ausrastete und drohte, sich selbst oder dem Pflegepersonal etwas anzutun, und sich dann in seinem Zimmer verbarrikadierte, wurde das Spezialeinsatzkommando alarmiert. Erst gegen 22.30 Uhr konnte der Mann überwältigt werden.

Wie Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken in Schwaben, auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, handelte es sich bei dem Patienten um einen 29-Jährigen mit einer schweren Psychose, jedoch keineswegs um einen Straftäter. Da er selbstmordgefährdet gewesen sei, sei er vor wenigen Tagen von der Polizei in die Klinik nach Günzburg gebracht worden. Aufgrund seines Kontakts mit einem positiv auf Corona Getesteten sei der Mann isoliert worden und habe ein Einzelzimmer bekommen. Ein erster Corona-Test bei ihm sei negativ gewesen, ein zweiter Abstrich stand noch aus.

Situation im BKH ist eskaliert: Patient verschafft sich eine Waffe

Laut Düll war der 29-Jährige von Beginn an ein schwieriger Patient, der immer wieder sein Zimmer habe verlassen und seine Isolation nicht habe akzeptieren wollen. „Er hat sich immer weiter reingesteigert und ist sehr aggressiv geworden“, berichtet Düll. Die Situation sei eskaliert. Der Patient habe Gegenstände zerstört und sich aus Splitterteilen eine Waffe verschafft. Laut Polizei handelte es sich unter anderem um eine größere Glasscherbe. Da der Mann in der Folge gedroht habe, die Waffe gegen sich selbst zu richten und gegen jeden, der ihm zu nahe kommt, wurde die Polizei alarmiert.

Nicht nur die Polizei war am Montag vor Ort. Da auch noch die automatische Brandanlage auslöste, rückten zusätzlich die Werksfeuerwehr des BKH und die Freiwillige Feuerwehr Günzburg an.
Bild: Mario Obeser

Als der Mann die eingetroffenen Streifenbesatzungen der Polizeiinspektion Günzburg anging, wurden weitere Streifen anderer Polizeidienststellen hinzugezogen. Um 19.16 Uhr löste zudem die automatische Brandmeldeanlage in dem Gebäude aus, sodass auch noch die Werksfeuerwehr des BKH und die Freiwillige Feuerwehr Günzburg anrückten. Knapp 25 Kräfte der Feuerwehren waren im Einsatz, zusätzlich noch der Rettungsdienst, der mit einem Notarztfahrzeug, einem Rettungswagen und einer Einsatzleiterin Rettungsdienst vor Ort kam.

Nach dem SEK-Einsatz: Umfangreiche Corona-Tests durchgeführt

Thomas Düll zufolge verbarrikadierte sich derweil der Patient in seinem Zimmer und schob diverse Möbel vor die Tür. Die Polizei habe daraufhin entschieden, das Spezialeinsatzkommando anzufordern, das mit mehreren Kräften aus München anrückte. Um kurz nach 22.30 Uhr wurde der Mann überwältigt. Laut Polizei wurden bei dem Einsatz weder der 29-jährige Patient, noch die im Einsatz befindlichen Polizeikräfte verletzt. Da ein zweiter Corona-Test bei dem jungen Mann noch ausstand und somit nicht geklärt war, ob er sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte, wurden umfangreiche Abklärungs- und Testmaßnahmen im Anschluss an den Einsatz veranlasst. Der Patient blieb im Anschluss in der Klinik in Günzburg.

Ein 29-Jähriger verbarrikadierte sich am Montag in seinem Zimmer im BKH Günzburg. Das SEK musste eingreifen. Auch die Feuerwehr und der Rettungsdienst waren vor Ort.
Bild: Mario Obeser

Nach dem SEK-Einsatz am Montag werden Stimmen laut, dass sich die Einsätze derzeit am BKH Günzburg häufen und man die Situation nicht im Griff habe. In den sozialen Netzwerken wird unter anderem geschrieben: „Langsam zweifle ich an der Kompetenz des BKHs, ein bis zwei Ausbrüche, hier ein SEK-Einsatz, irgendetwas läuft da doch verkehrt, oder?“ Im April hatte ein Patient eine andere Patientin angegriffen und schwer verletzt. Im Juli war ein Patient nach einem Autounfall in die Klinik gebracht worden, er flüchtete und brachte sich in der Folge um. Nur wenig später gelang einem weiteren Patienten die Flucht. Holger Stabik vom Polizeipräsidium Schwaben Süd-West fällt auf: „Die Einsatzhäufigkeit am BKH Günzburg ist in der vergangenen Zeit deutlich höher als in den anderen Kliniken.“

Thomas Düll: BKH in Günzburg nicht vergleichbar mit anderen Bezirkskliniken

Der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken in Schwaben, Thomas Düll, gibt ihm Recht, dass dieser Eindruck bei kurzfristiger Betrachtung entstehen kann. „Jeder Fall ist einer zu viel.“ In seinen Augen sind die Zahlen jedoch nicht signifikant gestiegen. In anderen Kliniken passierten solche Vorfälle genauso häufig, sie würden nur nicht so häufig an die Öffentlichkeit gebracht. Außerdem seien die anderen Kliniken vom Patientenaufkommen kaum mit Günzburg vergleichbar. Mit über 400 Patienten sei hier der größte Standort in Schwaben, Kempten beispielsweise habe nur 150.

Düll selbst ist seit 25 Jahren im Geschäft, über diesen Zeitraum betrachtet sei wenig passiert. Dass Patienten ausrasten, komme häufiger vor, „das werden wir nie verhindern können“. Aber bei der Gruppe derer, die ihre Aggressionen auslebten, handle es sich um einen geringen Prozentsatz. „Es darf nicht sein, dass diese kleine Gruppe alle in Misskredit bringt und ein falsches Bild in der Öffentlichkeit entsteht.“

Welche Konsequenzen der SEK-Einsatz haben wird, kann Düll noch nicht sagen. Dem Personal dürfe kein Vorwurf gemacht werden, die Mitarbeiter leisteten großartige Arbeit. Er werde jedoch mit der Klinikleitung Gespräche führen, damit ein Höchstmaß an Sensibilität entwickelt werde.

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