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Leipheim

24.01.2020

Personalmangel: Aufnahmestopp im Leipheimer Seniorenheim

Das Seniorenheim Rummelsberger Stift in Leipheim der Rummelsberger Diakonie kann keine neuen Bewohner mehr aufnehmen. Der Einrichtung fehlen Pflegekräfte.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Das Rummelsberger Stift in Leipheim nimmt derzeit keine neuen Bewohner auf, weil es zu wenig Pflegekräfte gibt.

Der Auftritt sorgte beim Neujahrsempfang der Stadt Leipheim für große Lacher: Diakon Jürgen Kühn, eigentlich Leiter des Rummelsberger Stifts in Leipheim, ging in einem Sketch humorvoll, aber auch voll gepackt mit Satire auf die Pflegesituation in einigen Jahren ein. Heime könnten sich vor Pflegepersonal kaum retten, hieß es in dem ironisch-bitteren Sketch. (Ein satirscher Blick in Leipheims Zukunft)

Lacher waren da vorprogrammiert. Wissen doch mittlerweile fast alle, wie händeringend die Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland nach Personal suchen. Doch ob den Besuchern bewusst war, wie ernst und ja, auch wie dramatisch, die Lage direkt vor Ort in Leipheim ist? „Aktuell haben wir einen Aufnahmestopp“, sagt Jürgen Kühn nur wenige Tage nach seinem Auftritt im Gespräch mit unsrer Zeitung.

Die Zimmer im Leipheimer Seniorenheim bleiben leer

Problem ist nicht, dass alle Betten belegt seinen. „Ich habe schlichtweg kein Personal, das die Bewohner betreuen kann.“ Und so bleiben derzeit einige Zimmer schlichtweg leer.

Lange Jahre, so sagt Kühn, sei die Senioreneinrichtung der Rummelsberger Diakonie in Leipheim noch von den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt verschont geblieben. Während andere Senioren- und Pflegeheime schon längst händeringend nach Arbeitskräften suchten, konnten die Leipheimer noch durchatmen. Doch auch das ist mittlerweile vorbei.

Ein Problem, das nicht nur den Landkreis Günzburg betrifft

„Personal fehlt in fast allen Einrichtungen im Landkreis“, sind die Erfahrungen von Jürgen Kühn. Das Problem betreffe aber nicht nur die Region, sondern eigentlich ganz Deutschland.

Jürgen Kühn berichtet, dass potenziellen Mitarbeitern mittlerweile Prämien geboten werden, damit sie eine Stelle antreten. Kleinere Einrichtungen könnten bei diesem Wettbewerb gegen die großen Kliniken nicht mithalten.

Der Pflegenotstand zwingt Einrichtungsleiter Diakon Jürgen Kühn einen Aufnahmestopp für das Rummelsberger Stift in Leipheim zu verhängen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Aktuell, so sagt Kühn, kann er keine weiteren Bewohner mehr aufnehmen. „Pro Pflegeplatz muss ich eine gewissen Personalstärke aufweisen können“, macht er deutlich. Klar, Fachkräftemangel gibt es aktuell in so gut wie jeder Branche. In der Pflege werden die Auswirkungen aber jetzt richtig spürbar.

Ganz nah an den Menschen

Dabei schwärmt Kühn in höchsten Tönen von dem Pflegeberuf. „Nie kommt man Menschen so nah, wie in der Pflege.“ Seine Mitarbeiter würden die Bewohner des Rummelsberger Stifts in „ganz schwierigen Situationen begleiten“. Und sie seien mit voller Leidenschaft dabei.

Was muss sich also ändern, damit wieder mehr Menschen in diesen Beruf einsteigen? Ist es wirklich der Lohn, der deutlich steigen muss? Oder helfen am Ende tatsächlich nur die Fachkräfte aus dem Ausland, die gerade jetzt von politischer Seite gefordert werden? Jürgen Kühn ist skeptisch. „Die Rahmenbedingungen müssten sich ändern“, sagt er deutlich.

Leiter: "Eine 30-Stunden-Woche reicht"

Klar, über mehr Gehalt würde sich jeder freuen. Aber gar so schlecht sei die Bezahlung in der Pflege nicht. Außerdem komme es viel eher darauf an, dass der Beruf Spaß mache und die Rahmenbedingungen stimmen. „Eine 30-Stunden-Woche reicht“, ist ein Vorschlag von Kühn. Die meisten Kräfte werden flexibel gebraucht. Vor allem am Vormittag und abends.

Außerdem fordert er, dass Pflegekräfte sich einfacher aus- und weiterbilden können müssen. Kritisch sieht er außerdem die enorme Dokumentationspflicht. „Ich brauche die Pflegekräfte am Patienten und an den Bewohnern, nicht am Schreibtisch.“ Er kritisiert, dass die Alten- und Pflegeheime unter eine Art „Generalverdacht“ gestellt werden. „Wir müssen ständig beweisen, dass wir nichts falsch machen.“

Das Seniorenheim Rummelsberger Stift in Leipheim.
Foto: Bernhard Weizenegger

Eine Kontrolle sei wichtig, aber die Frage sei: Was ist sinnvoll, was ist notwendig und was bringt das Personal in der Pflege weiter.

Der Mensch soll wieder in den Mittelpunkt rücken

„Wenn ich will, dass Leute in der Pflege arbeiten, muss ich ihnen auch Verantwortung geben.“ Er fordert, dass der Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt gestellt wird – sowohl die Bewohner, aber auch die Arbeitskräfte. Derzeit interessieren die Verantwortlichen an oberster Stelle vor allem nur die Zahlen. „Lasst uns unsere Energie wieder in die praktische Arbeit stecken.“

Jürgen Kühn weiß, dass viele Einrichtungen in der Region mit dem Problem Personalmangel zu kämpfen haben (Lesen Sie dazu den Kommentar: Zu wenig Personal in Leipheimer Altenheim: Leider kein Einzelfall). Wie lange der Aufnahmestopp am Rummelsberger Stift noch gilt, kann er nicht einschätzen. „Ich bin zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden wird.“

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