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Getränke

19.09.2015

Postbräu will weiter hoch hinaus

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Die Thannhauser Firma kooperiert seit 2003 mit der Schlossbrauerei Kaltenberg. Nach wie vor wird aber Bier nach alten Rezepten hergestellt. Und investiert wird auch

Würzig duftende Dampfschwaden entweichen aus dem silbernen Edelmetallkessel im Sudhaus der Postbrauerei Thannhausen. Braumeister Hermann Schaub schiebt einen langen Stab, an dessen Ende ein kleines Gläschen befestigt ist, in den noch kochenden Sud und nimmt eine Probe. Mit sicherem Blick hält er das Glas gegen das Licht. Kleine weißliche Flocken schweben in der goldgelben Flüssigkeit. Schaub ist zufrieden. Wenn das überschüssige Eiweiß ausfällt, hat der Braumeister alles richtig gemacht. Noch fehlen einige Verarbeitungsschritte, bis das Bier als „Postbräu Hell“ abgefüllt wird.

Eines steht jetzt schon fest: Entgegen mancher Gerüchte wird in Thannhausen nach wie vor Postbräu-Bier gebraut. Das sei der sechste Sud, den er in dieser Woche angesetzt habe, lässt Schaub wissen. „Uns gibt es in der alten Struktur“, sagt Nils Goltermann, geschäftsführender Gesellschafter der Postbräu Thannhausen. Etwa 30 Mitarbeiter sorgen dafür, dass hier auf dem Eichberg in Thannhausen nach wie vor Bier gemäß der alten Rezepturen gebraut wird. Die Thannhauser Brauerei gehört nicht der Schlossbrauerei Kaltenberg, betont Goltermann. Die Brauereien hätten sich angesichts der schwieriger werdenden Marktsituation nur als „Kooperationspartner auf Augenhöhe“ zusammengeschlossen.

Goltermann vergleicht die Partnerschaft mit der Steuerung eines Schiffs. Es mache mehr Sinn, wenn nur einer auf der Kommandobrücke steht und den Kurs bestimmt – in diesem Fall die König Ludwig GmbH & Co. KG. Umgekehrt muss das Schiff demjenigen, der es steuert, nicht unbedingt gehören. Für die Thannhauser Brauerei ergeben sich laut Goltermann dadurch viele Vorteile. So können Reisende etwa, wenn sie von Salzburg her nach Bayern einreisen, in einer der ersten Raststätten nach der Grenze „Thannhäuser Mineralwasser“ kaufen. Eine solche Reichweite für Produkte der Postbräu Thannhausen wäre ohne den großen Partner nie möglich gewesen, sagt Goltermann. Es ärgert ihn, dass vor allem auch unter seinen Kollegen kolportiert werde, die Postbräu Thannhausen sei 2003 von der Schlossbrauerei aufgekauft worden, die wiederum über eine Beteiligung eng mit der Warsteiner-Gruppe verbunden ist.

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„Wir investieren derzeit sogar in umweltbewusste Kühlung“, sagt er. Wer einen Blick aus dem Fenster wirft, kann zudem sehen, dass derzeit der alte Schornstein der Brauerei abgebaut wird. Daneben, deutlich kleiner, ragt der neue Schornstein schon seit einiger Zeit in den Himmel. Im Gegensatz zu früheren Zeiten tritt hier kein dicker Rauch mehr aus, lediglich die flirrende Luft oberhalb der Spitze verrät, dass er in Betrieb ist. „Wir sind im Landkreis eine der ältesten Brauereien, die noch in Familienbesitz ist“, sagt Goltermann mit Blick auf die über 500 Jahre währende Geschichte der Brauerei. Man dürfe sich aber nicht auf der Tradition ausruhen. Er habe einmal gesagt: „Wer heute nur immer das tut, was er gestern schon getan hat, der bleibt auch morgen, was er heute schon ist.“ Dieser Satz gelte nach wie vor. Wer sich den Herausforderungen der Zeit nicht stellt und auf den Errungenschaften der Vergangenheit beharre, den werde es irgendwann nicht mehr geben.

„Ob die Generation nach uns noch so braut, wie wir das gemacht haben, das schreibe ich nicht ins Testament“, sagt Goltermann. Jeder müsse aus der Zeit heraus das machen, was er für richtig hält. In Zeiten, in denen der Bierkonsum immer weiter zurückgehe und die Kunden eine größere Vielfalt in der Produktpalette wünschten, müsse die Nachfrage mit kleineren Mengen, dafür aber umso unterschiedlicheren Angeboten gedeckt werden. Er sehe den Wandel der Zeit als Herausforderung, sagt Goltermann optimistisch. „Es hat Stürme gegeben, wir haben sie alle überlebt.“

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