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Günzburg

24.05.2019

Promille mit der Rauschbrille

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2 Bilder
Die Fahrsimulatoren konfrontieren die Berufsschüler mit alltäglichen Situationen im Straßenverkehr. Aufmerksamkeit ist dabei entscheidend.
Bild: Paul Endhardt

Berufsschüler lernen etwas über Sicherheit im Straßenverkehr. Fahrsimulatoren und Alkoholprävention sind nicht nur etwas für Führerscheinneulinge.

Orangene Pylonen stehen auf dem Pausenhof der staatlichen Berufsschule Günzburg. Mit sichtlichen Schwierigkeiten versucht ein Schüler, einen Slalomparkour um die Hütchen mit dem Kettcar zu absolvieren. Andere stolpern unbeholfen über die Pflastersteine, während sie sich Bälle zuwerfen. Der Grund für das orientierungslose Torkeln der Schüler: Rauschbrillen. Was nach einer Skibrille aussieht, ist eine Spezialanfertigung, die den Effekt von Alkohol am Steuer mimt.

Die Station ist Teil des Fahrsicherheitstrainings, das das Energieversorgungsunternehmen LEW in Zusammenarbeit mit den Verkehrswachten Aichach-Friedberg und Günzburg auf die Beine gestellt hat. 100 Berufsschüler aus allen Schulklassen informieren sich den gesamten Vormittag über Sicherheit im Verkehr. Besonders die Alkoholprävention steht dabei im Vordergrund. Anstatt einen trockenen Vortrag anzuhören, dürfen die Schüler in fünf Stationen selber aktiv werden. Dazu gehören zwei Fahrsimulatoren, zwei Stationen mit Rauschbrillen und eine Diskussionsrunde zum Thema Drogen am Steuer.

Das Interesse an den Fahrsimulatoren ist groß

Während sich noch die Letzten mit verschlafenen Gesichtern auf ihre Stühle setzen, leitet Lehrerin Christine Lasar den Vormittag ein: „Unsere Schule hat selber zu oft Erfahrungen mit tödlich verunglückten Schülern gemacht. Ich erinnere mich an Tage, da stand eine Kerze mit Bild bei uns im Haupteingang. Mit solchen Aktionen wollen wir solche Tragödien verhindern.“ Nach der Begrüßung laufen die ersten Gruppen zu den Stationen, die auf dem Schulgelände verteilt sind.

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Um die Fahrsimulatoren bildet sich eine Schülertraube, das Interesse an den Maschinen ist groß. Es dauert nicht lange, bis die ersten Schüler selber am Lenkrad sitzen. Durch Schalthebel, Kupplung sowie Gas- und Bremspedal und vorgespielte Gefahrensituationen soll man sich in eine echte Autofahrt versetzen können. Deswegen sind die Fahrsimulatoren auch alles andere als billig: Bis zu 50000 Euro kostet einer, wie Raymund Aigner von der Verkehrswacht Aichach-Friedberg den Schülern erklärt.

Die Fahrsimulatoren zeigen Situationen aus dem wirklichen Leben

„Die Fahrsimulatoren konfrontieren die Schüler mit Situationen aus dem wirklichen Leben“, erklärt Aigner. Mit dem Lenkrad steuert man das Auto, das aus Sicht des Fahrers auf drei Flachbildschirmen angezeigt wird. Eine Schülerin testet an. Plötzlich tönt eine Stimme: „Sie haben einen Unfall gebaut!“ Ein Raunen geht durch die Menge, die sich mittlerweile hinter dem Simulator versammelt hat. Die Schülerin hat den Außenspiegel eines Autos mitgenommen. Einen Führerschein hat sie bereits seit mehreren Jahren.

Der zweite Fahrsimulator, der das Bremsverhalten der Schüler testet, fühlt sich noch realer an: Eine Virtual-Reality-Brille lässt die Schüler in die Sicht des virtuellen Fahrers eintauchen. Das funktioniert mithilfe von zwei Bildschirmen und Linsen, die sich im Inneren des Gerätes befinden.

Mit Rauschbrillen wird der Slalomparkour zur Herausforderung

Auch die Rauschbrillenparkours kommen gut bei den Schülern an. Hier müssen sie mit einem Kettcar um Leitkegel Slalom fahren, Bälle fangen oder einer Linie mit den Füßen folgen. Dass die normal recht einfachen Aufgaben durch die simulierten Promille eine echte Herausforderung werden, realisieren die meisten erst, wenn der Pylon schon gestreift ist. „Man sieht ja gar nichts“, ruft einer, verwirrt von der Alkoholbrille und lacht.

Die Schüler haben Spaß, erkennen jedoch auch den Ernst, der hinter den Aufgaben steckt: „Die Stationen mit den Rauschbrillen sind ein abschreckendes Beispiel. Da ich sowieso selten einen starken Rausch habe, war ich überrascht, wie wenig Kontrolle man hat“, erzählt Martin Megele. Der 22-Jährige besitzt bereits einen Führerschein.

Fahranfänger vergessen früh die Regeln

„Die Fahranfänger werden hier an das, was sie in der Fahrschule gelernt haben, erinnert“, erklärt Aigner. Viele würden früh die Regeln vergessen oder missachten, die für sicheres Fahren essenziell seien. Da er eine Karriere als Polizist hinter sich hat, kennt er das Thema von seiner schlimmsten Seite: „Ich erinnere mich noch genau an jeden Unfalltoten, den ich gesehen habe.“

Während der gesamten Veranstaltung stehen er und weitere Mitarbeiter der Verkehrswacht für Fragen bereit. Die Schüler hören interessiert zu, wenn Aigner von seinen Erfahrungen erzählt. Die Polizeibeamtin Karin Beck klärt im Gespräch mit den Schülern über die Risiken von Drogen im Straßenverkehr auf.

Drogen machen einen Großteil der Unfälle von Fahranfängern aus

Für einen Großteil der Unfälle junger Fahranfänger seien Drogen die Ursache, erklärt der ehemalige Polizist Aigner. Eine weitere Ursache sei das Imponiergehabe – hohe Geschwindigkeiten und riskante Fahrmanöver, um andere zu begeistern. Schüler noch ohne Führerschein möchte man deswegen rechtzeitig informieren.

Den Aktionstag hat die Partnerschule der LEW bei einer Verlosung des Energiekonzerns gewonnen. Durch das Programm „3malE – Entdecken, Erforschen, Erleben“ unterstützt das Unternehmen Bildungseinrichtungen mit verschiedenen Aktionen. „Für uns gehören Sicherheit und Energie zusammen. Insofern ist diese Veranstaltung von großer Bedeutung“, erklärt Josef Nersinger, Kommunalbetreuer der LEW.

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