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Landkreis Günzburg

10.10.2019

Rettenbacherin war dem Nobelpreisträger ganz nah

Das ist ein Teil des Posters, das die 28-jährige Physikerin und Chemikerin Susanne Wachs während eines Kongresses in Ulm präsentiert hat.
Bild: Till Hofmann

Plus Susanne Wachs aus Rettenbach teilt einen wunderbaren Moment mit dem Chemiker Stanley Whittingham. Und sie bekommt für ihre Forschungsarbeit selbst Applaus.

Es war ein Gänsehaut-Moment am Mittwoch im Ulmer Congress Centrum. Da standen hunderte Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsvertreter auf und applaudierten, als ein eher klein gewachsener, unscheinbarer Mann den Saal betrat. Denn Stan, so nannten ihn nicht wenige Teilnehmer des viertägigen Kongresses in Ulm, war kurz davor mit zwei weiteren Kollegen aus den USA und Japan der diesjährige Chemie-Nobelpreis zuerkannt worden.

Wer ebenfalls klatschte und als eine von vielen dem 77 Jahre alten Nobelpreisträger gratulierte, war Susanne Wachs aus Rettenbach. Die 28 Jahre alte Doktorandin forscht gerade am Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien an der Lithium-Ionen-Batterie. Das tut auch Stanley Whittingham Zeit seines Forscherlebens.

Von der Physik zur Elektrochemie

Ein Vergleich aber, findet die junge Wissenschaftlerin, passt nicht. Der Batterieforscher Whittingham sei eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Er wurde jetzt für sein berufliches Lebenswerk belohnt, wie es besser nicht geht. Sie, immerhin den Master of Science in Physik in der Tasche, fängt gerade erst an, die große Welt der Naturwissenschaften zu erkunden. Groß ist diese Welt auch in ihren Teilbereichen. Denn seit Susanne Wachs vom Karlsruher Institut für Technologie nach Erlangen gewechselt ist, forscht sie auch in einer anderen Disziplin – der Elektrochemie.

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Vorbilder für ihr naturwissenschaftliches Interesse hat sie in der Familie: Der Onkel ist Physiklehrer, der Vater Elektroingenieur. Das sei sicher ein Grund, warum sie sich dafür begeistern konnte. Nach wie vor ist die 28-Jährige damit eine „Exotin“. Zwei ihrer vier Abiturprüfungsfächer vor rund zehn Jahren am Günzburger Dossenberger-Gymnasium waren Mathematik (Leistungskurs) und Physik. „Da gab es vermutlich nur wenige Mitschülerinnen, die ebenso gewählt haben.“ Genau kann sich die Forscherin nicht mehr daran erinnern.

Wachs: Frauen trauen sich zu wenig zu

Im universitären Betrieb schätzt Wachs das Verhältnis zwischen Frauen und Männern in ihrem Bereich auf 30 zu 70. „Es liegt nicht daran, dass Männer das größere Talent für die naturwissenschaftlichen Fächer haben. Frauen können es genauso gut. Sie trauen es sich nur nicht zu“, sagt die 28-Jährige, die Mentorin in einem Internet-Portal geworden ist (siehe Infokasten) und versucht, Jüngere zu ermutigen.

Nach dem Aufenthalt in Ulm, der bereits am Sonntag mit einer Führung des dortigen Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg und des Helmholtz-Instituts begonnen hat, ist sie mit einem guten Gefühl am Donnerstagvormittag an ihren Arbeitsplatz nach Erlangen gefahren. Denn auch sie hat etwas während des Kongresses gewonnen, der 400 Wissenschaftler, Politiker, Vertreter der Autoindustrie und Materialhersteller aus Europa, den USA, Japan und China zusammengeführt hat. Sie alle haben großes Interesse daran, dass sich Lithium-Ionen-Batterien, die im Auto eingesetzt werden, weiterentwickeln. Dabei standen Parameter wie Nachhaltigkeit, Sicherheit, Speicherkapazität und Kostenreduktion im Fokus der Debatten und Vorträge.

Ein Poster, das gefällt

Einen Vortrag hielt Susanne Wachs im Gegensatz zu ihrem berühmten Kollegen Whittingham nicht. Dafür präsentierte sie ein Poster im Congress Centrum, das den Stand der Forschungsarbeit zeigt, für die sie hauptverantwortlich ist. Wer wollte, konnte sich alles von ihr erklären lassen. Die Posterpräsentationen sind üblich, um mit einem Blick auf das Wesentliche zu lenken. Rund 200 Poster wurden zugelassen, nachdem Bewerber ihr Forschungsvorhaben zuerst hatten beschreiben müssen. Ein Komitee bewertete die aufgehängten Darstellungen. Wachs’ überzeugte dabei am meisten.


Ihr wurde während des „Conference Dinner“ der „Posterpreis“ zugesprochen. Dafür gab’s eine Urkunde, ein Anerkennungspreis von der Internationalen Gesellschaft für Elektrochemie in Höhe von 200 Euro und viel Beifall. „Für eine kleine Abteilung wie wir eine sind, ist diese Anerkennung schon etwas wert“, sagt Susanne Wachs und lächelt.

Forscher untersuchen Alterungsprozesse der Batterie

Nicht ganz einfach ist der Titel der Arbeit, an der hauptsächlich die Frau aus Rettenbach, aber auch andere Studierende und Institutslehrer beteiligt sind: „Online-Untersuchung der Stabilität von Elektroden-Materialien in Lithium-Ionen-Batterien mit Hilfe einer Rasterdurchflusszelle (SFC)“. Neben der Motivation wird auf dem Poster der Größe von etwa 84 auf 119 Zentimeter der Versuchsaufbau erläutert, es werden erste Ergebnisse abgebildet, aber auch Schlussfolgerungen gezogen und es wird auf ein Ziel vorausgeblickt. Vereinfacht kann man sagen: Susanne Wachs und die weiteren Mitarbeiter beschäftigen sich mit den Alterungsprozessen einer Lithium-Ionen-Batterie, die sich auf die Leistungsfähigkeit und letztlich Lebensdauer auswirken. Die Stabilität von Materialien in einer solchen Batterie kann mit der angewandten Methode schnell analysiert werden. Um darauf reagieren zu können, ist erst einmal diese „Diagnose“ nötig.

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