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Interview

12.07.2019

SCI-Trainer Unsöld: „Sind nicht mehr Ichenhausen, der Underdog“

Oliver Unsöld ist seit März 2018 Trainer beim Landesligisten SC Ichenhausen. Der 45-jährige ehemalige Profi spielte unter anderem mit dem SSV Ulm in der Bundesliga.
Bild: Ernst Mayer

Wo Trainer Oliver Unsöld und der sportliche Leiter Rudi Schiller den SC Ichenhausen in der Landesliga sehen und wie sie zum Thema Aufstieg stehen.

Am Sonntag geht die neue Saison in der Landesliga los. Der SCI spielt daheim gegen die SpVgg Kaufbeuren. Wie steht die Mannschaft da?

Oliver Unsöld: Letztes Jahr haben wir überhaupt nicht gewusst, wo wir stehen. Wir hatten eine gute Vorbereitung und sind dann mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet. Und auch dieses Jahr ist es, gerade mit der kurzen Sommerpause, schwer zu sagen. Die Jungs sind willig, sie ziehen mit, sie geben Gas. Sie müssen heiß sein auf den ersten Spieltag. Und wenn wir den positiv gestalten, wissen wir ungefähr, wo wir stehen. Heißt aber eigentlich auch nix. Siehe letzte Saison.

Ist das Team denn am Ende der Vorbereitung schon bei 100 Prozent?

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Unsöld: Ich denke nicht, dass meine Mannschaft schon bei 100 Prozent angekommen ist, sondern eher bei 85 bis 90 Prozent steht. Feinabstimmungen, gerade in der Defensive, daran fehlt’s gerade bei den neuen Spielern noch ein Stück weit. Wir haben, außer beim 3:0 gegen Sonthofen, kein Testspiel zu null gespielt. Das darf uns in der Runde natürlich nicht passieren. Da müssen wir stabiler stehen und Gegentore vermeiden. In der Offensive sind wir eine Macht, unsere Tore werden wir, glaube ich, immer machen.

Vor einem Jahr war Ichenhausen für fast alle ein sicherer Absteiger. Nach Platz drei wird die Erwartung heuer wohl eine andere sein, auch bei der Konkurrenz, oder?

Rudi Schiller: Uns ist eigentlich egal, was die Konkurrenz denkt. Wir wissen, dass es wieder eine schwere Landesliga-Saison wird. Wir sind nicht so vermessen zu sagen, wir schielen mal nach oben und schauen was kommt. Mit einem einstelligen Tabellenplatz wären wir zufrieden.

Unsöld: Wir wollen so schnell wie möglich unsere 44 Punkte sammeln, damit wir mit dem Abstieg nix zu tun haben. Hört sich jetzt vielleicht blöd an nach der Vorsaison. Aber wir wissen, wo wir herkommen. Wir wissen, was wir vor zwei Jahren für ein schweres Jahr hatten. Man muss demütig sein und darf die Bodenhaftung nicht verlieren. Die letzte Saison war eine schöne Momentaufnahme, aber deswegen haben wir in der neuen Runde nicht mehr Punkte. Wir müssen uns alles wieder hart erarbeiten.

Oliver Unsöld: "Es war ja kein Zufall, dass wir Dritter geworden sind."

Die Mannschaft ist ja im Kern großteils noch dieselbe wie letzte Saison. Wie vermitteln Sie denen diese Zurückhaltung?

Schiller: Eine Mannschaft will immer gewinnen, immer. Das ist auch gut so. Wenn die euphorisch sind, lass sie euphorisch sein. Man muss sie spielen lassen. Hauptsache, sie geben jedes Mal 100 Prozent. Das musst du der Mannschaft vermitteln, dass sie immer Vollgas geben müssen. Sonst kannst du kein Spiel gewinnen.

Unsöld: Wir haben unsere Führungsspieler, die schon auch wissen, wo’s langgeht. Und wir wollen denen diese Euphorie ja auch nicht nehmen. Es war ja kein Zufall, dass wir Dritter geworden sind. Das haben wir uns Woche für Woche hart erarbeitet. Aber jetzt gilt es, das zu bestätigen. Nach oben kommen, ist schwer. Oben zu bleiben, ist noch viel schwerer. Wir sind jetzt nicht mehr Ichenhausen, der Underdog. Sie werden gegen uns jetzt oft defensiver stehen, da müssen wir erst mal damit klarkommen.

Rudi Schiller (links) ist als sportlicher Leiter beim SCI unter anderem für die Kaderplanung zuständig. Hier posiert er mit den Neuzugängen (von links) Tim Dopfer, Simon Fischäß, Andre Tietze, Justin Reitz und Alexander Sigl.
Bild: Ernst Mayer

Wie sind die anderen Mannschaften dieses Jahr einzuschätzen?

Unsöld: Es gibt, glaube ich, dieses Jahr nicht solche Topfavoriten, wie es Türkspor und Landsberg letzte Saison waren. Ich denke, dass Neuburg und Sonthofen zwei richtig starke Mannschaften sein werden. Aber dahinter werden viele Mannschaften kommen, bei denen es tagesformabhängig ist, ob du gegen die gewinnst oder nicht. Das hat viel mit Einstellung zu tun. Sechs, sieben Mannschaften werden um Platz drei bis acht mitspielen. Die Aufsteiger kann ich gar nicht einschätzen.

SC Ichenhausen setzt auch wieder auf junge Talente

Fünf Spieler sind beim SCI gegangen, fünf sind gekommen. Wurden die Abgänge eins zu eins ersetzt?

Schiller: Der Sigl ist ein Außenstürmer, mit dem wir den Abgang von Janick Reitz kompensieren wollen. Tim Dopfer kommt aus Neuburg, ist ein Riesentalent, war in Illertissen Spielführer in der Bayernliga-A-Jugend. Den mussten wir holen. Der Fischäß ist bekannt, ein top Mann.

Unsöld: Wir haben uns außerdem mit Andre Tietze bewusst für einen jungen Torwart entschieden. Dazu kommt Janicks Bruder Justin Reitz, der kommt gerade aus der A-Jugend. Also eher wieder jüngere Spieler, wo wir aber Potenzial sehen. Die brauchen halt noch ihre Zeit, aber die kriegen sie auch bei uns.

Um den Preis, dass sie dann vielleicht zu einem höherklassigen Verein wechseln, wenn sie eine gute Saison spielen.

Unsöld: Ja klar, so war es bei Dominik Dewein, so war es jetzt bei Janick Reitz. Da sind wir dann auch keinem böse, wenn er sagt, er will es höherklassig versuchen. Ohne dass wir jetzt gleich sagen, wir sind ein Ausbildungsverein. Enttäuscht wäre ich, wenn sie es nicht packen, und dann nicht wieder zurückkommen.

Ichenhausen fühlt sich in der Landesliga wohl

Die jungen Spieler sind also jetzt erst mal keine Kandidaten für die erste Elf.

Unsöld: Es geht auch drum, Alternativen zu haben. Wir haben letztes Jahr gesehen, wenn die erste Elf nicht komplett war, gab es schon einen kleinen Bruch, was die Qualität angeht. Wir haben mit Reitz und Marco Boyer auch zwei Spieler verloren, die zusammen über 20 Tore gemacht haben. Das musst du erst mal ersetzen. Wir haben nicht den Goalgetter, der jede Saison 15 bis 20 Tore macht. Das müssen wir auf mehreren Schultern verteilen.

Jubelt der SC Ichenhausen auch in Egg? Bisher gelangen den Königsblauen in drei Testspielen drei Siege.
Bild: Ernst Mayer

Beim Thema Alternativen geht es ja auch um verletzungsbedingte Ausfälle. Davon seid ihr ja in der Vorsaison einigermaßen verschont geblieben. Ist das auch dem Training geschuldet? Lässt sich das wiederholen?

Schiller: Ganz verschont geblieben sind wir nicht, der Yannick Maurer hat sich zweimal schwer verletzt, Julian Riederle einmal. Aber die großen Muskelverletzungen haben wir nicht gehabt. Das ist schon auch ein Verdienst vom Trainer. Aber auch Glück, ganz klar.

Unsöld: Es hat vielleicht schon was mit Trainingssteuerung zu tun, wann muss ich die Belastung hoch- oder runterschrauben. Aber die Jungs tragen auch ihren Teil bei. Muskelverletzungen kommen auch von falscher Ernährung oder zu viel Alkohol. Wir wollen sie nicht heilig reden, aber das machen sie ganz gut.

Gegner Kaufbeuren ist unberechenbar

Mal unabhängig von dieser Saison, wo soll es denn perspektivisch mit dem SC Ichenhausen hingehen?

Schiller: Schön ist es, wenn wir die Landesliga halten. Ob das machbar ist, weiß ich nicht. Wenn’s mal schlecht läuft und wir steigen ab, dann sagen wir der Mannschaft nicht, dass sie nicht dürfen. Alles kann, nicht muss. Aber wir fühlen uns in der Landesliga wohl.

Unsöld: Dass auch die Leistungsträger von sich aus sagen, dass sie bleiben, zeigt ja auch irgendwo, dass wir auf einem richtigen Weg sind. Und da waren teilweise höherklassige Mannschaften dran.

Aber erst einmal geht es am Sonntag mit dieser Saison los. Ist Ichenhausen gegen Kaufbeuren Favorit?

Unsöld: Kaufbeuren hat eine ganz neue Mannschaft, aber man kennt den Trainer (Joachim Dewein, Anm. d. Red.) und weiß, dass da eine top eingestellte Mannschaft gegen uns spielt. Kaufbeuren war schon immer kampfstark.

Schiller: Sie haben viele gute Leute verloren und viele Junge geholt. Was Ichenhausen letztes Jahr war, ist Kaufbeuren dieses Jahr.

Mehr zum SC Ichenhausen lesen Sie hier: Für den SC Ichenhausen ist das Thema Pokal beendet

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