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Landkreis Günzburg

07.05.2020

Seniorenheime entwerfen Verhaltensregeln für Besucher

Alle Besucher müssen sich zunächst die Hände waschen und desinfizieren.
Bild: Peter Wieser

Plus Nach sieben Wochen dürfen Pflegeheimbewohner ab Samstag ihre Angehörigen wieder sehen. Um das Corona-Infektionsrisiko zu minimieren, gibt es strenge Vorschriften.

Nach wochenlanger Isolation hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag für viele überraschend gleich mehrere Lockerungen der strikten Corona-Regelungen angekündigt. Besonders im Hinblick auf den Muttertag dürften sich viele Familien freuen, die Angehörige in Seniorenheimen haben. Denn ab Samstag dürfen sie diese nach siebenwöchiger Besuchssperre wieder persönlich treffen.

Politischer Schnellschuss

Auch Martin Neumeier, Werkleiter für die Seniorenheime Günzburg, begrüßt die neuen Regelungen. „Es ist sehr wichtig für die Bewohner, ihre Angehörigen wieder sehen zu können“, betont er. Trotzdem spricht er von einem „politischen Schnellschuss“. Obwohl sich die Altenheime im Landkreis seit zwei Wochen auf eine Exitstrategie vorbereiten, sieht er die flotte Umsetzung skeptisch.

In den vier Günzburger Seniorenheimen hat es bis jetzt keine Corona-Infektion gegeben und dabei soll es bleiben. Daher hat Neumeier in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Einrichtungsleitern strikte Regelungen erarbeitet, die die Besucher einhalten müssen. „Wir bauen auf die Vernunft der Angehörigen“, sagt er. „Wir können jetzt nicht einfach Feuer frei geben.“

Reglementierte Besuche

Um die zu erwartende Besucherflut am Wochenende abzufangen, sind mehr Mitarbeiter eingeteilt als sonst. Diese übernehmen die Organisation und Kanalisierung der Besucher und haben ein Auge auf die Einhaltung der Regeln. Diese Regeln gelten vorerst für 14 Tage. Die wichtigsten sind hier zusammengefasst:

Ab Samstag, 9. Mai, gelten Besuchszeiten von 9.15 Uhr bis 11.30 Uhr und 13 Uhr bis 17 Uhr. Die Termine müssen mit der jeweiligen Einrichtung telefonisch abgestimmt werden. Am Wochenende sind keine Spontanbesuche möglich.

Der Eingang zur Kapelle des Isabella-Braun Heims in Jettingen liegt neben dem Haupteingang. So müssen die Besucher nicht das ganze Haus durchqueren.
Bild: Peter Wieser

Pro Bewohner ist ein Besucher zugelassen, der höchstens 30 Minuten bleiben darf. Zudem ist die maximale Besucherzahl beschränkt. So dürfen im Kreisaltenheim Burgau, im Stadlerstift Thannhausen und im Wahl-Linderschen Altenheim höchstens fünf, im Isabella-Braun-Heim in Jettingen höchstens drei Bewohner gleichzeitig Besuch empfangen.

Nur Gesunde dürfen rein

Alle Besucher müssen sich mit ihren Kontaktdaten in eine Liste eintragen und bestätigen, dass sie keine Krankheitssymptome zeigen.

Es stehen Besuchsräume zur Verfügung. Auf den Zimmern selbst dürfen nur bettlägerige Bewohner besucht werden – dabei ist zu beachten, dass der Besucher das betreffende Zimmer auf direktem Weg aufsucht.

Alle Besucher müssen während des gesamten Aufenthalts Masken tragen und beim Betreten sowie beim Verlassen des Heims die Hände desinfizieren. Zu den Bewohnern ist der Mindestabstand einzuhalten, es ist also kein Körperkontakt möglich. Besucher dürfen nur die gekennzeichneten Toiletten benutzen.

Die Anweisungen des Personals müssen genau befolgt werden.

Nach jedem Besuch erfolgt eine Desinfektion der Stühle und Tische.

Gesprächsthema Nummer eins

Trotz dieser strikten Regeln versteht Neumeier die Freude der Angehörigen: Auch seine Mutter ist in einem Pflegeheim untergebracht und er freut sich sehr auf den ersten Besuch seit sieben Wochen.

Doch nicht nur die Angehörigen sind aufgeregt: Auch die Bewohner fiebern dem Wochenende entgegen. Christian Zanke, Einrichtungsleiter des Isabella-Braun-Heims in Jettingen, hat die frohe Botschaft am Mittwoch vor dem Mittagessen verkündet. „Die meisten waren überrascht und haben sich sehr darüber gefreut. Und es war natürlich direkt Gesprächsthema Nummer eins“, erzählt er lachend. Er selbst begrüßt die Lockerungen – insbesondere im Hinblick darauf, dass demente Bewohner, die nicht über Skype oder per Telefon kommunizieren können, jetzt wieder einen aktiven Austausch mit der Familie haben.

Besuchen statt beten: Hier können ab Samstag je zwei Bewohner gleichzeitig einen Besucher empfangen. Ein dritter Angehöriger kann einen Zimmerbesuch machen.
Bild: Peter Wieser

Die ersten Angehörigen haben direkt nach der Pressekonferenz am Dienstag angerufen und nach Besuchsmöglichkeiten gefragt. „Ich musste sie erst noch vertrösten“, sagt Zanke.

Ab Mittwochnachmittag riefen die Mitarbeiter dann alle Familien an und vereinbarten Besuchstermine. In Jettingen ist die Kapelle zum Besucherraum umfunktioniert worden. „Sie hat einen externen Eingang, so müssen die Besucher nichts durchs ganze Haus gehen.“

Und bekommen alle Angehörigen am Wochenende einen Termin? „Es wird knapp – aber wir schaffen das“, verspricht der Heimleiter.

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