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Bund und Länder wollen Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer beschränken
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20.07.2010

"Sie ist einfach da, wenn man sie braucht"

Nahrung für die Seele: Für Patienten und Angehörige hat Renate Fischer im Therapiezentrum in Burgau ein offenes Ohr. Foto: Martina Schröck
Bild: Martina Schröck

Burgau In der Cafeteria im Therapiezentrum herrscht angenehme Stimmung. Hier finden Patienten und Angehörige ein Stück Normalität, die ihnen gut tut. Friedrich Sachs, im Besuchsdienst aktiv, spielt mit einem Patienten Mensch-ärgere-dich-nicht. Die Cafébetreiberin Renate Fischer sitzt bei anderen Gästen am Tisch.

Das Therapiezentrum Burgau ist eine Fachklinik für intensive Frühbehandlung von Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen - etwa nach einem Unfall oder einem Schlaganfall. Und ohne Renate Fischer können sich viele Patienten und ihre Angehörigen das Therapiezentrum gar nicht mehr vorstellen. Soeben ist die Pächterin der familiären Cafeteria 66 Jahre alt geworden. Nach 16 Jahren in Burgau hat sie sich nun für den Ruhestand entschieden. "Ich werde die Leute hier vermissen. Bei mir standen die Patienten und Angehörigen immer im Vordergrund", stellt die Leipheimerin fest. Am 28. Juli hat sie ihren letzten Arbeitstag. Dann wird noch einmal gefeiert. Sechs Tage die Woche, von Sonntag bis Freitag, hat sie hier gewirkt.

Wenn sie morgens um 10.30 Uhr die Cafeteria öffnet, hat sie einen frischen selbst gekochten Mittagstisch dabei. Wenn sie um 16.30 Uhr schließt, kauft sie noch die Lebensmittel für den nächsten Tag ein. Aber bei Renate Fischer bekommt der Gast auch Nahrung für die Seele. Die gelernte Krankenschwester, die zudem viele Jahre mit ihrem Mann die Cafeteria im Kreiskrankenhaus Günzburg geführt hatte, besitzt ein feines Gespür für die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen. Jeder Patient liegt ihr am Herzen. "Es ist schön, wenn man Halt geben kann. Wir teilen hier Freude und Leid. Ich nehme auch einmal jemanden in den Arm, wenn er oder sie das braucht. Man bekommt selbst so viel zurück", sagt sie.

Es liegt ihr nicht, sich selbst zu loben - aber das tun die Gäste dafür sehr gern. "Frau Fischer hört nicht nur zu, sondern sie nimmt Anteil. Das hilft manchmal besser, als so manches Medikament", weiß ein Mann aus der näheren Umgebung, dessen Sohn nach einer Operation hier in Behandlung ist. Ähnliche Worte findet Hannelore Wünsche aus Plauen, deren Sohn nach einem Unfall beim Bergsteigen immer wieder zu Untersuchungen ins Therapiezentrum reist: "Wir haben Frau Fischer viel zu verdanken. Sie ist sehr einfühlsam und baut einen wieder auf. Sie ist einfach da, wenn man sie braucht."

"Sie ist einfach da, wenn man sie braucht"

Renate Fischer selbst hat sechs Kinder und schon vier Enkel im Alter zwischen einem und zwölf Jahren. Mit ihnen möchte sie jetzt mehr Zeit verbringen. Der Klinikleitung gibt Renate Fischer mit auf den Weg: "Passen Sie auf die Patienten und die Angehörigen auf. Die sollen weiterhin Geborgenheit erfahren."

Mit dem Abschied von Renate Fischer geht hier eine Ära zu Ende, denn ein neuer Pächter wird sich wohl nicht finden lassen. Aber die Cafeteria soll als Treffpunkt fortbestehen, das wünschen sich Geschäftsführer Thomas Schaber, der katholische Seelsorger Manfred Heinz und Gabriele Wiendl-Stetter, Seelsorgerin der evangelischen Kirche.

Angedacht ist, dass sich immer jemand vom Besuchsdienst in der Cafeteria aufhält. Speisen und Getränke könnten dann aus einem Automaten kommen. Auch für einen Spieletisch und einen Bücherschrank wäre Platz.

Freiwillige gesucht

Derzeit gibt es acht Freiwillige, die immer wieder Patienten besuchen. Sie lesen vor, führen Gespräche mit ihnen, spielen oder gehen mit spazieren. Das kommt nicht nur bei den Patienten gut an. "Besonders Angehörige, die weiter weg wohnen, sind sehr dankbar, dass es uns gibt", sagt Fred Walecky. Die meisten Freiwilligen vom Besuchsdienst kommen ein bis zweimal pro Woche für etwa zwei Stunden in die Klinik.

Hier laufen derzeit schon die Vorbereitungen für das Sommerfest. Es findet am Freitag, 23. Juli, ab 11 Uhr statt: Bei schönem Wetter im Hof, ansonsten in der Mehrzweckhalle.

Freiwillige, die sich ebenfalls etwas Zeit nehmen möchten, um Patienten ehrenamtlich zu unterstützen und zu unterhalten, können sich melden unter der Telefonnummer (0 82 22) 404 801.

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