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Buchvorstellung

04.04.2013

Sie sind jung und brauchen das Netz

Im Alter von 13 Jahren stellte Philipp Riederle die erste Folge seines mittlerweile millionenfach geklickten Podcasts „Mein iPhone und ich“ online. Nach Vortragsreden für Firmen und Fernsehauftritten hat der Burgauer nun sein erstes Buch geschrieben.
Bild: Bild: Verlag

Nach Erfolgen als Podcaster und Vortragsredner hat der 18-jährige Philipp Riederle aus Burgau ein Buch über die „Digital Natives“ geschrieben. Nebenbei macht er im Mai noch sein Abitur am Dossenberger-Gymnasium.

Philipp Riederle hat ein Buch geschrieben. Eines, das es wegen seines großen Themas natürlich als E-Book geben muss. „Wer wir sind und was wir wollen“, das am 2. Mai im Knaur Verlag erscheint, wird es aber auch aus bedrucktem Papier geben. Und das ist dann doch einigermaßen erstaunlich, hat es sich der 18-jährige Schüler aus Burgau nach seinen Anfängen als Hobby-Podcaster mit „Mein iPhone und ich“ doch zur Lebensaufgabe gemacht, der Erwachsenenwelt das Kommunikationsverhalten, die digitalen Lebenswelten und das gar nicht mal so fremde Lebensgefühl seiner Generation zu erklären. Die „Digital Natives“ nehmen eben nur noch selten und eher widerwillig ein gedrucktes Buch, die Zeitung oder die Fernbedienung in die Hand, sondern suchen Informationen vornehmlich im Netz und teilen sie via Social Media.

Für Jugendliche hat Philipp das Buch auch nicht in erster Linie geschrieben, sagt er. Ihm sei es darum gegangen, Eltern, Lehrern und Anzugträgern das Selbstverständnis seiner Generation näherzubringen, die von Geburt an mit den Neuen Medien aufgewachsen ist und Informationstechnologien intuitiv beherrscht.

Diese Jugendlichen bleiben auch oftmals unter dem Radar von Marketing-Fachleuten, erklärt Philipp in dem Buch. Wer ihre Sprache nicht spreche und sich nicht in ihren Netzwerken bewege, habe keine Chance, bei ihnen anzukommen. Er prognostiziert daher einen massiven Wandel der Gesellschaft und der Arbeitskultur, die sich an Bedürfnissen dieser gut ausgebildeten, kreativen und vielfach vernetzten Arbeitnehmer ausrichten müsse.

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„Wer wir sind und was wir wollen“ orientiert sich somit eher an den Vorträgen, die der Schüler seit mehr als zwei Jahren für große Firmen hält. Der Sprechprofi wird daher nicht nur als jüngster Unternehmensberater Deutschlands gefeiert, der auf Branchen-Konferenzen auch dem Psychiater Manfred Spitzer und seiner populären These von der digitalen Demenz bei Jugendlichen widerspricht.

Mit Medienauftritten wie bei „Pelzig hält sich“ im ZDF ist er auch längst eines der bekannten Gesichter der Netzgemeinde geworden. Seinen nächsten Fernsehauftritt hat der Burgauer bereits am kommenden Sonntag, wenn er in der Sat.1-Sendung „WeckUp“ zu Gast sein wird. Nebenbei bemerkt: Im Mai macht Philipp Riederle auch noch sein Abitur am Dossenberger-Gymnasium in Günzburg.

Im März 2012 hatte er mit dem Brainstorming für sein Buchprojekt begonnen und bei „Tante Google“, wie er sagt, Studien und Statistiken über die heutige Jugend und ihr Mediennutzungsverhalten zusammengetragen. Ein Verlag war auch schnell gefunden. Er verspricht ein leicht zu lesendes Buch mit sozialwissenschaftlichem Anspruch, in dem aber auch die Piratenpartei und ihre „flüssige Demokratie“ vorkommen soll.

Bei Facebook schreibt Philipp von weiteren, höchst unterschiedlichen Inspirationsquellen aus den Bereichen Religion, Literatur und Pop: „Zitiert werden unter anderem ja auch: die Bibel, Schiller, Nietzsche, Rilke, Deichkind, Kraftklub, Paul Kalkbrenner, die Orsons ...“. Ihm liegt mit seinem Buch eine unvoreingenommene Sicht auf die heutige Jugend am Herzen.

Ihn selbst fasziniert dabei besonders, dass die Digital Natives sich zwar überall über alles und jeden informieren können, gleichzeitig aber Heimat und persönlichen Bindungen in Befragungen einen ungewöhnlich hohen Stellenwert einräumen. Ihm gehe es da nicht anders, sagt Philipp Riederle am Telefon. Und auf seiner Homepage schreibt er: „Kann sein, dass die Werte meiner schwäbischen Heimat auf mich abgefärbt haben, in der die Menschen bodenständig und solide sind. Aber viel mehr noch als ein Kind Schwabens bin ich wohl ein junger Erwachsener der vernetzten Welt, in der der Central Park direkt neben der Schwäbischen Alb liegt, das MoMa direkt neben dem Heimatmuseum und Mörike oder Hebbel neben Auster und McCarthy.“

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