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Landkreis Günzburg

25.10.2018

So geht es mit dem Atommüll-Lager Gundremmingen weiter

Im Standortzwischenlager Gundremmingen sind derzeit 58 Stellplätze für Castorbehälter belegt.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Die Zuständigkeit geht bald an den Bund über. Bürger konnten nun in Gundremmingen Fragen zur Zukunft der Anlage zu stellen. Ein Thema interessierte besonders.

Das Atommüll-Zwischenlager in Gundremmingen geht zum 1. Januar kommenden Jahres vom Kraftwerksbetreiber auf die noch relativ neue Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) über. Bei einem Informationsabend im Gundremminger Kulturzentrum wollte eine ganze Reihe von Bürgern die Frage beantwortet bekommen, was das bedeutet – vor allem für die Sicherheit. Dass das Zwischenlager wie andere Anlagen dieser Art in Deutschland wohl länger in Betrieb bleiben wird als einmal ursprünglich geplant, weil sich die Suche nach einem Endlager hinzieht, konnten weder die Bürger noch Bürgermeister Tobias Bühler und Altbürgermeister Wolfgang Mayer nachvollziehen.

Das Ganze beunruhige ihn, sagte Bühler, es sei der Bevölkerung anders versprochen worden. Er habe die Angst, dass die Laufzeit immer wieder verlängert werde, und er sei verärgert. „Das kann alles eigentlich gar nicht sein.“ Zumindest sei er froh, dass der Bund jetzt für die Zwischenlagerung verantwortlich wird, denn dann könne er den Ball nicht wieder weiterspielen. Bühler will das Lager nicht dauerhaft in Gundremmingen stehen haben, „es muss mal weg“.

Ein Endlager soll bis zum Jahr 2031 gefunden sein

Der Leiter Presse und Standortkommunikation der BGZ, Burghard Rosen, zeigte Verständnis für Ängste und Ärger. Aber er betonte, dass es dabei um politische Entscheidungen gehe, mit denen die Bundesgesellschaft nichts zu tun habe. Ihre Aufgabe sei es, die sichere Zwischenlagerung des Atommülls zu gewährleisten, für alles andere müsse man sich an die Bundestagsabgeordneten, an den Gesetzgeber wenden. Da aber bis 2031 ein Endlager-Standort benannt werden und 2050 in Betrieb gehen soll, gebe es eine konkrete Perspektive. Schacht Konrad im Stadtgebiet Salzgitter, der derzeit zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung umgebaut wird, hat damit nichts zu tun.

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Finanziert werde die BGZ zunächst durch den Bundeshaushalt. Der Bund hole sich das Geld aber aus dem Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung zurück, in den die Betreiber der Kernkraftwerke eingezahlt haben. Alleiniger Gesellschafter sei das Bundesumweltministerium, die Aufsicht übernehmen die Bundesländer. Bislang gehören zu der Gesellschaft die Lager in Ahaus und Gorleben sowie die Zentrale in Essen, ab 2019 kommen zwölf dezentrale Zwischenlager an Standorten der deutschen Kernkraftwerke hinzu, 2020 folgen zwölf Lager mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen ebenfalls an Kernkraftwerkstandorten. Auch gibt es vier Lager für Wiederaufbereitungsabfälle.

Für das Zwischenlager in Gundremmingen endet die Genehmigung 2046

Die Genehmigung des Zwischenlagers Gundremmingen endet 2046, wegen der Endlagersuche und den daraus resultierenden Verzögerungen wird aber wohl Mitte oder Ende der 2030er Jahre eine neue Genehmigung beantragt werden müssen. Geplant ist ferner für die Zukunft ein zentrales Zwischenlager irgendwo in Deutschland, in das nach und nach der Atommüll der anderen Standorte transportiert wird, um dort im Laufe der Jahre mit der Räumung beginnen zu können, bevor einmal das Endlager befüllt wird. So soll der Druck vor Ort vermindert werden.

Weil sich die Laufzeit der Zwischenlager verlängern wird, muss die BGZ erforschen, wie sich das auf die Castorbehälter, in denen der Atommüll aufbewahrt wird, und die Gebäude auswirkt. Denn bislang sind die Castoren nur für eine „Lebenszeit“ von 40 Jahren konzipiert. An den Standorten werde man jedenfalls in der Lage sein, mögliche Undichtigkeiten der Behälter zu beheben. Sie haben ein Zwei-Deckel-System, die Dichtigkeit wird elektronisch überwacht. Sollte es hier zu Problemen kommen, könnte mit einer Spezialmethode ein neuer Deckel aufgeschweißt werden. Die Schutzziele für ein Zwischenlager bestehen aus dem sichereren Einschluss der Behälter, der Wärmeabfuhr, der Unterbindung einer nuklearen Kettenreaktion und der Abschirmung. Am bisherigen Lagerkonzept werde wegen guter Erfahrungen festgehalten.

Erst Ende der 2020er Jahre soll das Lager autark betrieben werden

Auch wenn die BGZ das Lager in Gundremmingen zum Jahreswechsel übernimmt, wird sich dort erst einmal nichts sichtbar verändern, die Kraftwerks-Infrastruktur wird zunächst weiter genutzt. Das Ziel ist es aber, so schnell wie möglich einen autarken Betrieb zu gewährleisten mit Funktionsgebäude, Zufahrt, Pforte, Doppelzaunanlage, eigener Stromversorgung und anderem mehr.

Dazu erklärte der künftige Werkleiter des Lagers, Jürgen Bruder, dass ab 1. Januar zunächst drei kerntechnisch Verantwortliche dort tätig sein werden. Im „Endausbau“ sollen es 15 sein, hinzu kommt ein eigener Werkschutz. Bruder ist seit 26 Jahren im Kernkraftwerk beschäftigt, zum Schluss jetzt als Teilbereichsleiter der Anlagentechnik. Er wechselt zur BGZ, weil er selbst in der Region wohnt und seinen Teil beitragen will, dass die Lagerung auch weiterhin sicher vonstatten geht. Bis das autark möglich sein wird, werde es allerdings wohl bis zum Ende der 2020er Jahre dauern, sagte der 50-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie sicher ist das Zwischenlager Gundremmingen eigentlich?

Während des Infoabends entwickelte sich auch eine Diskussion über die Sicherheit des Lagers. Markus Röder, Hauptabteilungsleiter Betriebe West der BGZ, betonte, dass die Castorbehälter alleine schon so ausgelegt seien, dass der Atommüll in ihnen gut verwahrt ist und sie auch einem Flugzeugabsturz standhalten sollen. Das Gebäude, in dem sie stehen, sei ein zusätzlicher Schutz.

Zu der von einigen Bürgern geäußerten Frage, warum die nachträglich errichtete äußere Schutzmauer nicht um das ganze Gebäude gezogen wurde, konnte er nichts sagen, dieses Thema unterliege der Geheimhaltung. Aber sie verstärke die Sicherheit im Fall eines terroristischen Angriffs und das Objekt sei nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik optimal geschützt. Bei neuen Erkenntnissen werde es Ergänzungen geben, unterstrich auch Burghard Rosen. (Lesen Sie hier unseren Kommentar zu diesem Thema)

Kraftwerks-Sprecherin: Es ist „keine Blechhütte“

Die Sprecherin des bislang zuständigen Kernkraftwerks, Christina Kreibich, betonte gegenüber unserer Zeitung ebenfalls, dass das Zwischenlager sicher sei – und keine „Blechhütte“, wie es bei einer Versammlung der Bürgerinitiative Forum dieser Tage genannt wurde. Es halte einem Bemessungserdbeben, Explosionsdruckwellen und einem zehntausendjährigen Hochwasser Stand. Die Wände der zweischiffigen Halle seien aus 70 Zentimeter dickem Stahlbeton, beim Dach sei er 55 Zentimer stark und die Deckenkonstruktion habe eine Formglasdämmung für den Brandschutz.

Die Bodenplatte bestehe aus 1,50 Meter dickem Stahlbeton und ruhe auf 293 Bohrpfählen, die 1,23 Meter Durchmesser hätten und 18 bis 26 Meter tief in die Erde getrieben worden seien. Die elektronische Überwachung der Behälter sei an einen Notstromdiesel anschlossen. Von den 192 Stellplätzen für Castorbehälter seien 58 belegt, 120 weitere sollen im Laufe der Zeit noch im Zwischenlager untergebracht werden.

Im Kraftwerk wartet man weiter auf die Rückbaugenehmigung

Doch wie geht es beim Kernkraftwerk selbst weiter? Am 31. Dezember vergangenen Jahres ist Block B des Atomkraftwerks in Gundremmingen vom Netz genommen worden (lesen Sie hier unseren Bericht zur Abschaltung an Silvester). Eigentlich waren die Betreiber davon ausgegangen, dass sie bis dahin auch die Genehmigung für den Rückbau in Händen halten würden. Doch die Prüfung der Unterlagen beim Bayerischen Umweltministerium läuft weiter, ein möglicher Abschlusstermin wird dort nicht genannt. Auch das Bundesumweltministerium wird involviert.

Der technische Geschäftsführer des Kraftwerks, Heiko Ringel, sagt dazu gegenüber unserer Zeitung, dass man im Gespräch mit den Behörden und guter Dinge sei, dass die Genehmigung für den Rückbau von Block B bald komme. Es gebe kein Signal aus München, dass die Unterlagen fehlerhaft oder unvollständig sind. Zwar rechnet Ringel mit einem positiven Bescheid in „sehr naher Zukunft“, aber nicht mehr in diesem Jahr, auch weil der Bund noch beteiligt wird.

Noch sei die Kraftwerksmannschaft mit den Vorbereitungen für den Rückbau gut ausgelastet. Aber der zeitliche Puffer werde enger. Als man mit einer baldigen Genehmigung gerechnet hatte, sei die Aussage auch richtig gewesen, wenngleich es bei anderen Rückbauprojekten ebenfalls länger gedauert habe als einmal angenommen. In Sachen Zwischenlager betont Ringel noch, dass man eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anstrebe und froh sei, dort gutes Kraftwerkspersonal unterbringen zu können. Denn beiden Seiten gehe es um die Sicherheit. Gerade für junge Mitarbeiter ist eine Weiterbeschäftigung im Lager von vornherein als Chance genannt worden.

Lesen Sie hier auch den Artikel zum Thema, wie die Werkfeuerwehr der Kernkraftwerks übt und wie es mit dem Brandschutz für das Zwischenlager weitergeht.

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