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Ichenhausen

27.11.2017

So modern wie vor 600 Jahren

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3 Bilder
Anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Verband Bayerischer Krippenbauer findet im Schulmuseum in Ichenhausen eine große Krippenausstellung statt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt der wertvollen Müller-Krippe aus Günzburg um 1920.
Bild: Bernhard Weizenegger

Beim Festvortrag zum 100-jährigen Bestehen des Bayerischen Krippenverbands geht es um die Wirkung von Bild und Emotion. Einem Hochwanger Pfarrer verdanken die Krippler viel.

Von Krippensterben und Krippenkrise – das waren Schlagworte besonders um das 50. Jubiläum herum – war diesmal keine Rede. Vielmehr feierte der Verband Bayerischer Krippenfreunde am Wochenende stolz und selbstbewusst mit über 300 Gästen in Ichenhausen sein 100-jähriges Bestehen. „Krippen sind heute so modern wie vor 600 Jahren“, sagte der Vorsitzende Pfarrer Martin Martlreiter als Festredner. Und auch wenn die Gäste bis aus Österreich und Niederbayern angereist waren, so zeigte sich doch, dass die Schwaben in der Welt der Krippler eine besondere Rolle hatten und haben.

Ein bescheidener schwäbischer Dorfpfarrer hätte am Wochenende größte Freude gehabt: Buchvorstellung, Ausstellungseröffnung, Versammlung des Landesverbands und dessen 100-jähriges Bestehen. Zu verdanken ist all das – und zu einem guten Teil sicher auch die gerade in der Region tief verwurzelte Liebe zum Krippenbau und zum Krippenschauen – dem Hochwanger Pfarrer Alois Burger, der unter der Devise „Gebt uns die Krippe wieder“ am 4. Februar 1917 in Günzburg den Verein Bayerischer Krippenfreunde als Landesverband gegründet hatte. Rasch folgte die Gründung zahlreicher Ortsvereine.

Pfarrer Burger war bis 1924 Präsident der Bayerischen Krippenfreunde und legte den Grundstein für das, was sein amtierender Nachfolger und Festredner Martin Martlreiter bei der Jubiläumsfeier in der Ichenhauser Jahnhalle in einen großen kulturgeschichtlichen Kontext stellte.

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Als „bildbesessen“ beschrieb er die moderne Welt, aber auch schon vor 40000 Jahren haben Höhlenmalereien und in Felsen geritzte Zeichen „die Wurzel unseres Daseins“ beschrieben, sagte der Dingolfinger Pfarrer: „Vor dem Buchstaben war das Bild.“

Es mag das Archaische solcher Bilder sein, das Unmittelbare, das der individuellen Kraft der Phantasie Raum gibt für das, was Martlreiter mit der „doppelten Dimension einer Krippe“ beschreibt: „was der Krippenbauer hineinlegt und was im Betrachter passiert“. Der Krippenbauer – das sind auch viele der Krippenkunst innig verbundene Frauen, was beim Festakt sichtbar war – bringt noch viel mehr ein, als sein kunsthandwerkliches Geschick. Zwar spielt er mit Farben, Perspektiven und Einblicken, mit Verfremdung und Raumgestaltung. Dennoch dürften Krippen nicht beliebig sein, sagte Martlreiter, unabdingbar zu einer guten Krippe gehören „die Emotionen, die geweckt werden“, sowohl beim Krippler als auch beim Betrachter. Nur dadurch entfalte eine Krippe „Wirkmacht“.

Dass sich dafür der Einsatz vieler Menschen lohnt, fast 5000 Mitglieder in 44 Ortsvereinen und der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Krippenfreunde hat der Verband Bayerischer Krippenfreunde, steht für Martlreiter unumstößlich fest. „Unsere Krippen sind die Bilder unseres Glaubens, deshalb lohnt sich unser Einsatz“, sagte er.

Ähnlich formulierte es Bezirkstagsvizepräsident Alfons Weber, der die Krippenpflege ein „Zeichen für die starke christliche Prägung unserer Gesellschaft“ nannte. Ein „Krippenerlebnis der ganz besonderen Art“ sei das schwäbische Krippenparadies im Landkreis Günzburg, sagte Landrat Hubert Hafner und diese Tradition lebe durch die leidenschaftliche Begeisterung der schwäbischen Krippenbauer, die ihre Liebe zur Krippe und ihr Wissen an die Jugend weitergeben. Das dürfte ganz im Sinne von Alois Burger sein, dem Krippenvater aus Hochwang.

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