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Gundremmingen

02.04.2019

Star-Koch Christian Henze legt sich in Gundremmingen ins Zeug

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Christian Henze macht Kochen zur Bühnenshow – und er weiß, worauf es bei der Präsentation ankommt: Um die 2800 TV-Sendungen hat er nach eigener Angabe bislang bestritten. Mit seinem dritten Programm „So kocht man heute“ war er am Sonntag in Gundremmingen. Knapp 200 Zuschauer verfolgten seine Kochkünste. „Das Publikum war herzlich“, sagte Henze hinterher. Die Anzahl aber enttäuschte ihn.
Bild: Peter Wieser

Bücher, TV-Sendungen, Shows: Kochen gehört zu den Leib- und Magenthemen der Deutschen. Ein bekannter Vertreter seiner Zunft war jetzt in Gundremmingen.

Schuld ist eigentlich Tobias Bühler, dass TV-Koch Christian Henze seine Showküche am Sonntag im Gundremminger Auwald-Sportzentrum hat aufbauen lassen. Denn der Bürgermeister der Gemeinde hat als Lernender Henze in einer Kemptener Kochschule drei Mal besucht – 2011, 2017 und 2018. Und er hat von Veranstaltungen wie „Männer am Herd“ offenbar einiges mitnehmen können: Tipps, die er auch mit einem größeren Publikum teilen wollte. Deshalb holte der Rathauschef kurzerhand den Allgäuer, dem Fernsehzuschauer jeden Freitag im MDR in den Kochtopf gucken können, zu sich.

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Der gebürtige Füssener gehört zu den wenigen Köchen in Deutschland, die den richtigen Moment genutzt haben, „das seit ungefähr 15 Jahren liebste Hobby der Deutschen“, wie Henze meint, emotional aufzuladen und medial zu vermarkten. 2500 Fernsehauftritte mit Kochlöffel, Schneebesen und Co., fast 30 Kochbücher und das dritte Showprogramm, mit dem der einstmalige Privatkoch von Lebemann und Playboy Gunter Sachs hauptsächlich im Südosten der Republik unterwegs ist, sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür für die Betriebsamkeit dieses Mannes.

Christian Henze verbindet Kochkunst mit Unterhaltung

Henze versteht es, an dem Abend seine Kochkunst mit Unterhaltung zu verbinden – anders könnte auch eine 130-minütige Veranstaltung, die Pause nicht eingerechnet, überhaupt nicht gefüllt werden. Zehn Gerichte zaubert der Sternekoch auf den Tisch – vom „Salat to go“, den man ins Büro mitnehmen kann, bis zum „Feuerbrot“, bei dem man sich leicht den Mund verbrennen kann.

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Kochen ist für Henze eine „hocheinfache komplexe Angelegenheit“. Vielleicht kommt es darauf an, was man daraus macht. Der Allgäuer gehört da eher zu den Pragmatikern: Die Leute sollen seine Rezepte möglichst leicht nachkochen können und nicht mit dem Einkauf und der Vorbereitung bereits einen halben Tag verbringen müssen. Deshalb ist die Anzahl der verwendeten Zutaten in aller Regel übersichtlich, es wird vom Besuch des Supermarkts und der Verwendung von Convenience-Produkten (vorgefertigte Lebensmittel), „wenn sie Sinn machen“, ausdrücklich nicht abgeraten.

Als Henze, der in Jeans, weißem Hemd und mit umgebundener brauner Kochschürze auftritt, einen karamellisierten Kaiserschmarrn entstehen lässt, spricht er wiederholt von Butter als „das beste Fett, das wir auf diesem Planeten haben“. Damit spart er ebenso wenig wie mit Zucker. Schließlich esse man so einen Nachtisch ja „nicht fünf Mal am Tag“.

Thomas (links) und Monika hat Christian Henze auf die Bühne geholt. Er zeigt, wie ein Avocadobrot zubereitet wird.
Bild: Peter Wieser

Gespür bei der Auswahl seiner Gäste beweist Henze ebenfalls. Etwa als er Monika und Thomas, die aus dem südlichen Landkreis angereist sind, mit einem kleinen Vorwand auf die Bühne holt. Er zeigt dem jungen Mann, wie er ein Avocadobrot mit pochiertem Ei zum Frühstück zaubern kann und fragt, ob er Frühstück schon mal ans Bett getragen habe. „Ja“, antwortet der Angesprochene wahrheitsgemäß und unter dem Gelächter des Publikums, „es gab schon solche Phasen“. Auf die Frage, wann es denn mit seinem Heiratsantrag soweit sei, kommt Thomas’ Reaktion: „Sie wartet schon lange darauf.“ Wieder Gelächter.

Bürgermeister darf eine Blindverkostung machen

Christian Henze zeigt sich sportlich – etwa, wenn er sich mit seinem Kompagnon Jörg Färber, der rechtzeitig die richtigen Zutaten bereitstellt, sich in Liegestützen auf der Bühne misst. Henze zeigt, dass er’s kann – wenn er Kässpätzle samt Röstzwiebeln unter fünf Minuten tellerfertig präsentiert. Und er zeigt, dass er Humor hat – wenn er in einer Blindverkostung mit dem Bürgermeister den von Färber gemeinerweise servierten Saft von Bockwürstchen im Sektglas hinunterkippt, während Bühler damit verschont wird und den Sekt genießen darf.

Das Sahnehäubchen setzt sich Christian Henze mit seiner Kochshow dennoch nicht auf. Dass er x-Mal das Publikum mit „Freunde der Nacht“ anspricht, obwohl es draußen noch taghell ist, dass er die Worte („extremst“, „einzigste“) nicht immer ganz so gut wählt, wie seine Zutaten – geschenkt. Aber es nervt dann doch, wenn Henze die Sektmarke seines Sponsors mindestens viermal nennt und auch öfters betont, dass er heute alles gegeben habe. Was anderes hatten die zahlenden Gäste vermutlich auch nicht erwartet.

Und dann war da noch die Aussage, dass Kochen immer Teamarbeit sei. Nur: Dies zeigt sich in den Bildern auf der großen Leinwand keineswegs. Ein paar private Schnappschüsse und Christian Henze allein – quasi eine Ein-Mann-Show. Von einer Mannschaft, die Teil des Erfolges ist, ist weit und breit nichts zu sehen.

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