1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Thomas-Cook-Pleite wird für Günzburgerin teuer

Günzburg

26.09.2019

Thomas-Cook-Pleite wird für Günzburgerin teuer

Wirtschaftliche Bruchlandung: Der Reisekonzern Thomas Cook und seine Tochtergesellschaften sind pleite. Hunderttausende Reisende sind davon betroffen und warten auf ihren Rückflug.
Bild: Patrick Pleul/dpa

Eine 47-Jährige macht derzeit in Ägypten Urlaub. Eigentlich hat sie eine Pauschalreise über Neckermann gebucht. Doch jetzt fordert das Hotel eine weitere Zahlung.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Auch die deutsche Tochterfirmen Thomas Cook GmbH, die Thomas Cook Touristik GmbH und die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH haben am Mittwoch den Insolvenzantrag gestellt. Circa 140.000 Reisende sollen betroffen sein. Viele Urlauber sitzen vorübergehend an ihren Destinationen fest. Unter ihnen ist eine Urlauberin aus der Region. Die Betroffenen haben alle etwas gemeinsam: Die Unsicherheit, wann und wie es mit ihnen weitergeht.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Thomas-Cook-Pleite: Günzburgerin fühlt sich alleine gelassen

„Ich fühle mich total alleine gelassen“, berichtet Martina Dreißig-Kanderske gefasst. Eigentlich wollte die Günzburgerin, die derzeit in einem Ressort im ägyptischen Hurghada am Roten Meer verweilt, nur eines: Urlaub machen, das Land genießen – einfach den Alltag hinter sich lassen. Doch entspannen kann sich die Heilerziehungspflegerin gerade freilich nicht.

Vier Tage nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns meldet die deutsche Thomas Cook GmbH Insolvenz an. Tausende Urlauber sind derzeit mit dem Veranstalter unterwegs.
Video: dpa

Seit vergangenem Freitag ist die 47-Jährige in Ägypten. Sie hat eine Pauschalreise gebucht – über Neckermann bei einem Günzburger Reisebüro. Sie dachte immer, ein deutscher Reiseveranstalter sei am sichersten und habe daraufhin nicht im Internet gebucht. Das Angebot hatte 1079 Euro gekostet – all inclusive. Pauschalreisen wie diese sind bei deutschen Urlaubern sehr beliebt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das Hotelmanagement fordert 600 Euro Nachzahlung

Doch auf einen angenehmen Reisebeginn unter Palmen folgte am Dienstag die Ernüchterung. „Ich konnte nicht mehr auf mein Zimmer, es war gesperrt.“ Dreißig-Kanderske ging an die Hotelrezeption. Dort habe man ihr gesagt, sie müsse 600 Euro bezahlen, andernfalls müsse sie das Hotel verlassen. Das Hotelmanagement habe ihr mitgeteilt, der Reiseveranstalter sei seinen Zahlungen nicht nachgekommen. „So viel Geld habe ich aber gar nicht dabei.“

Durch die Insolvenz von Thomas Cook sind viele Urlauber gestrandet. Eine Günzburgerin zählt zu den Betroffenen. Sie ist in Hurghada am Roten Meer – wenigstens spielt dort das Wetter mit, wie dieser Schnappschuss zeigt.
Bild: Martina Dreißig-Kanderske

Und jetzt? Die Günzburgerin hat den Betrag auf rund 400 Euro herunterhandeln können. Den Reiseleiter können sie und die anderen deutschen Touristen im Urlaubsresort derzeit nicht erreichen. Die Eltern der 47-Jährigen seien daraufhin ins Günzburger Reisebüro gegangen, um sich zu erkundigen. Dort heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion: „Wir sind nur die Vermittler. Bei Fragen wenden Sie sich telefonisch an den Veranstalter – wenn Sie überhaupt durchkommen.“

Das raten Experten den betroffenen Urlaubern

Gesagt, getan – und Annahme bestätigt. Keine Chance, Neckermann zu erreichen. Es sei absolut unüblich, wenn Hotels von Gästen Geld einfordern, so das Reisebüro. Es arbeitet so wie viele andere nur als Franchisenehmer im Auftrag des Reisekonzerns. Fachleute raten allen Urlaubern: Auch wenn das Hotel einem die Pistole auf die Brust setzt, nicht zahlen und lieber abwarten. Nach Angaben des Reiseverbandes DRV kümmert sich nun der Insolvenzversicherer Zurich um betroffene Pauschalreisende. Immerhin: die Urlauberin aus Günzburg hat für ihre Zahlung an das Hotel einen Beleg bekommen.

Wenigstens der Rückflug soll gesichert sein

Und wie geht es nun in Ägypten weiter? Der Rückflug nach München soll laut Hotelmanagement gesichert sein. Dieser wird planmäßig am 4. Oktober stattfinden. Aber vollends beruhigend sind diese Aussagen für die Günzburgerin nicht. „Die bisherige Erholung ist futsch.“ Dreißig-Kanderske ist ohne Begleitung nach Ägypten geflogen. Wegen der zuvor nicht einkalkulierten Zahlung an das Hotel ist sie nun in einem finanziellen Engpass. Bargeld hat sie nur begrenzt verfügbar, eine Kreditkarte besitzt sie nicht. Die Vollverpflegung im Hotel sei aber ausreichend. Falls die Günzburgerin beim Rückflug etwas zuzahlen muss, hat sie „ein ernsthaftes Problem“. Solange gilt es, den Aufenthalt am Strand zu genießen beziehungsweise es wenigstens zu versuchen. Dreißig-Kanderske holt am Telefon tief Luft: „Das ist leichter gesagt als getan.“ Wenigstens spielt das Wetter mit. Strahlender Sonnenschein am Roten Meer und eine Wassertemperatur von 26 Grad.

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier .

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren