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Landkreis Günzburg

20.12.2020

Trotz Corona soll Weihnachten für Senioren in Heimen im Kreis Günzburg spürbar sein

Weihnachten soll in den Altenheimen so festlich wie möglich werden – soweit es die Corona-Regeln erlauben.
Bild: Andrea Enderlein/epd (Symbolbild)

Plus Wie Altenheime im Landkreis Günzburg in der Pandemie die Feiertage gestalten und welche besonderen Ideen die Vorbereitungen schon hervorgebracht haben.

Weihnachten ist für viele Menschen das Fest der Traditionen. An Heiligabend pflegen sie ihre lieb gewordenen Rituale. Oft gibt es alle Jahre wieder das gleiche Essen. Wenn gesungen wird, dann sind es immer dieselben Lieder. Am Christbaum hängt vielleicht Schmuck, der schon seit vielen Jahren immer wieder ausgepackt wird und kostbare Erinnerungen birgt. Menschen in Seniorenheimen können nicht mehr so viele eigene Gewohnheiten zum Weihnachtsfest praktizieren. Jetzt verändert auch noch die Pandemie die Festtage in den Altenheimen.

So oder ähnlich waren die Weihnachtsfeiern in anderen Einrichtungen für alte Menschen bisher: ein gemeinsamer Gottesdienst und/oder eine Feier mit Musik und weihnachtlichen Texten, ein Festessen. So haben sich beispielsweise die Menschen im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt ( Awo) in Krumbach zu einer großen Feier versammelt, auch der Landrat, der Bürgermeister und Vertreter der Awo kamen dazu. Bei der Awo in Ichenhausen wurde ähnlich, wenngleich in kleinerem Rahmen, gefeiert. Manche Bewohner wurden von ihren Angehörigen nach Hause geholt.

Im Awo-Heim in Ichenhausen ist kein Bewohner mehr positiv getestet

Ein solcher Ausflug an den Festtagen war all die Jahre zuvor unkompliziert. Corona verändert auch dies. Nur Bewohner, die bei Reihentestungen am 16. und 21. Dezember negative Ergebnisse haben, dürfen nach Haus geholt werden, teilt der Vorstandsvorsitzende der Awo Schwaben, Dieter Egger, mit. „Positiv getestete Bewohner dürfen, sobald die Quarantäne aufgehoben wurde und sie als nicht mehr ansteckend gelten, in einem gesonderten Raum in der Einrichtung Besuch empfangen.“ Dies seien jedoch Einzelfallentscheidungen in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Etwas einfacher gestalte es sich in Ichenhausen, wo (Stand 17. Dezember) kein Bewohner mehr positiv getestet sei. Angehörigen, die einen Heimbewohner nach Hause holen, wird ein Schnelltest angeboten, für den ein Termin abgesprochen werden muss. Schnelltests werden bei der Awo auch Bewohnern angeboten, bevor in Wohnbereichen Weihnachtsfeiern stattfinden. Auf Gottesdienste oder ein großes Festmahl muss verzichtet werden.

Eine Mitarbeiterin spielt im Kreisaltenheim Burgau Veeh-Harfe

Auch im Kreisaltenheim Burgau fallen der sonst übliche Gottesdienst am Vormittag des 24. Dezember und die große Weihnachtsfeier mit dem Landrat aus. Sind in den Vorjahren an Heiligabend Sänger durch das Haus gegangen, um in den Aufenthaltsbereichen mit Liedern die Bewohner zu erfreuen, so gibt es heuer keinen Gesang. Ganz ohne weihnachtliche Klänge müssen die Bewohner des Kreisaltenheims aber nicht auskommen, denn eine Mitarbeiterin spielt Veeh-Harfe. Vormittags werden die derzeit 72 Bewohner in Kleingruppen Weihnachten feiern, sagt Heimleiter Markus Knöpfle, nachmittags könne man zusammensitzen und Plätzchen knabbern. „Wir sind covidfrei“, sagt Knöpfle und schiebt schnell „toi, toi, toi!“ hinterher.

Er will durchs Haus gehen und Geschenke an die Bewohner verteilen. Und weil im Kreisaltenheim regelmäßig montags und donnerstags Abstrich-Termin ist, müssen am Nachmittag des 24. Dezember auch alle Mitarbeiter kurz ins Haus kommen, um sich testen zu lassen. Ausgenommen ist nur, wer die ganze Woche Urlaub hat. Um Wertschätzung und Nähe geht es Diakon Jürgen Kühn, dem Leiter des Rummelsberger Stifts in Leipheim, auch in der Weihnachtszeit, und zwar nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Mitarbeiter. „Ich unterscheide da nicht groß“, sagt er. An Heiligabend besuchen er und Mitarbeiter die knapp 80 Bewohner und beschenken sie. Die Mitarbeiter werden ebenfalls beschenkt, denn auch sie sollen gerade an den Feiertagen Wertschätzung erfahren.

Aktion "Klingelbeutel verkehrt herum" für die Senioren

Alles, was Leben ins Haus bringt, was „frisch und liebevoll und lebendig ist“, sei gut, sagt Kühn. Das klingt in einer Zeit, in der manche Heime Besuche zeitweise verbieten, irgendwie verblüffend. Wie soll Leben ins Haus kommen, wo doch die hochbetagten Bewohner ganz besonders vor dem Virus geschützt werden sollen? Diakon Kühn setzt auf liebevolle Kleinigkeiten. Eine Schule hat Plätzchen für die Bewohner gebacken, „mit persönlicher Note“. Mit Pfarrerin Johanna Rodrian habe er versucht, „Ideen zu entwickeln“, sagt Kühn.

Eine davon ist der „Klingelbeutel verkehrt herum“. Weil ja viele Menschen in Leipheim und Riedheim Bewohner des Rummelsberger Stifts kennen, könnten sie als Paten für kleine Überraschungen bei den Bewohnern sorgen, erklärt Kühn. Der „Klingelbeutel verkehrt herum“ könnte ganz besondere, aber zugleich alltägliche Freuden machen. Was das sein könnte – ein frisches Brot vom Leipheimer Wochenmarkt vielleicht, eine besondere Handcreme oder sonst etwas, was der alte Mensch früher geliebt und genossen hat –, soll der Fachdienst im Rummelsberger Stift diskret von den Bewohnern erfragen.

Individuelle Besuchsregeln an den Feiertagen

„Es sind oft die kleinen Sachen“, sagt Kühn, „Sachen, die an Heimat erinnern.“ Wie und ob die Aktion gelingt, das weiß er nicht, aber probieren will er es. „Der Klassiker“, Kühn meint damit Kontakt über moderne Medien wie Tablet oder Mobiltelefon, sei „nur bedingt gut“. Persönliche Zuwendung könnten sie nicht ersetzen.

Gerade an den Weihnachtstagen sei die Herausforderung groß, denn jeder wolle die psychische und physische Gesundheit der Bewohner schützen. Im Rummelsberger Stift versuche man, jeweils für den individuellen Fall die Besuchsregeln zu gestalten.

Der Diakon kann eine spirituelle Begleitung anbieten

„Mein Eindruck ist, dass wir mit dem Gesundheitsamt reden können und dass wir Lösungen finden“, sagt Kühn. „Wir müssen gucken, ob wir kleine Gemeinschaften bilden können oder ob wir die Menschen auf den Zimmern besuchen müssen“, sagt der Heimleiter, und: „Ich möchte die Türe meines Hauses offen haben, das ist ein Symbol nach außen. Gleichzeitig kann es sein, dass ich keine Besucher für die Bewohner zulassen kann. Wir sind da im ständigen Austausch mit dem Landratsamt.“

Unabhängig davon, was die Pandemie-Situation an Weihnachten möglich macht oder nicht, sieht Kühn einen Vorteil darin, dass er Diakon ist und so den Menschen im Rummelsberger Stift auch an den Feiertagen spirituelle Begleitung bieten kann. An oberster Stelle steht für ihn dies: „Wir haben eine besondere Situation und der müssen wir genügen. Und wir müssen Weihnachten für die Leute spürbar machen.“

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