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Landkreis Günzburg

14.10.2019

Unfall in Waldstetter Chemiefabrik war nur Übung

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Diese „Verletzten“ auf der Trage und am Boden spielten zum Glück nur ihre Rolle. Sie wurden nach dem angenommenen Unfall in der Waldstetter Chemiefabrik von Rettungskräften abtransportiert.
Bild: Mario Obeser

Ammoniak läuft aus, es kommt in Waldstetten zu einer Explosion – soweit der konstruierte Ernstfall. Aber wie reell wird dieses Szenario wirklich durchexerziert?

Zahlreiche Einsatzkräfte waren am vergangenen Samstag in Waldstetten, um eine Katastrophenschutzübung zu absolvieren. Ziel ihrer Bemühungen war die Chemischen Fabrik Karl Bucher GmbH.

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Auf Anordnung der Regierung von Schwaben muss alle sechs Jahre eine Vollübung im Katastrophenschutz durchgeführt werden. Diesesmal waren die Helfer in einem sogenannten Störfallbetrieb im Einsatz, zu denen auch Chemiebetriebe zählen. Sie stelle im Falle das Unfalls eine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung dar.

Ein farbloses, giftiges Gas

Die Vollübung startete um 8.30 Uhr. Es wurde ein Schadensereignis angenommen, bei dem Ammoniak, ein stechend riechendes, farbloses, wasserlösliches und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt, in einem Lager auf dem Betriebsgelände ausgetreten war. Es kam zu einer Explosion, wobei sich mehrere Personen verletzten.

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Während anfangs das Szenario nicht in diesem Ausmaß bekannt war, mussten immer weitere Kräfte nachgefordert werden.

Die Planungen zur Übung liefen schon lange im Voraus. Nur die Übungsleitungen waren darüber informiert, was die Einsatzkräfte vor Ort erwarten wird. Der Termin der Übung stand allerdings schon länger fest und war auch den Kräften bekannt. Die Kräfte wurden real alarmiert. Unter anderem waren mehrere Feuerwehren, das Bayerische Rote Kreuz mit mehreren Einheiten, das Technische Hilfswerk, die Johanniter-Unfall-Hilfe und die Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises Günzburg an der Übung beteiligte, wie auch die Polizeiinspektion Günzburg.

Mit Blaulicht und Martinshorn

Auch die Anfahrt zur Einsatzstelle in Waldstetten fand mit Blaulicht und Martinshorn statt. Einige in diesem Szenario eigentlich benötigten Mittel wurden nur fiktiv eingesetzt, wie beispielsweise Rettungshubschrauber.

Neben den Kräften verschiedener Hilfsorganisationen, die vor Ort eingebunden waren – darunter auch der Einsatzleiter vor Ort (Kreisbrandmeister Ralf Maier) und mehrerer Abschnittsleiter –, wurde in der LCV-Sporthalle in Waldstetten die Gesamteinsatzleitung eingerichtet. Sie führte der künftige Kreisbrandrat (ab November), Stefan Müller. Da es sich zu einem Katastrophenalarm entwickelte, wurde auch die Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landratsamtes Günzburg (FüGK) gerufen, die vom Landratsamt aus agierte. Gegen Mittag wurde die Übung dann für beendet erklärt.

Geheim und doch nicht geheim

Inwieweit so eine Übung an die Realität für den Ernstfall herankommt und wirkliche Schwächen aufzeigt, darf hinterfragt werden. Denn eine „geheime“ – aber den Führungskräften dennoch angekündigte – Übung spiegelt nicht umfänglich das tatsächliche Bild wider, das sich bei einem echten Einsatz zeigt.

Dies fängt bereits damit an, wie viele Kräfte denn an einem anderen Samstagvormittag in ausreichender Zahl und vertretbarem Zeitraum zur Verfügung stehen würden. Andererseits birgt jeder Alarm, bei der eine Einsatzkraft zum Gerätehaus, oder der Rettungswache eilt, ein hohes Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden.

Landratsamt Neu-Ulm informiert frühzeitig

Auch die Kommunikation des Landratsamtes mit den Medien zur Berichterstattung über diese Übung fand im Vorfeld nicht statt. Das Landratsamt Neu-Ulm führt am 19. Oktober ebenfalls eine Katastrophenschutzübung durch, worüber die Öffentlichkeit via Medien bereits über eine Woche zuvor informiert worden ist. Ob sich das Günzburger Landratsamt zukünftig bei derartigen Großübungen von der Informationspolitik des Nachbarlandkreises inspirieren lässt, bleibt abzuwarten.

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