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Landkreis Günzburg

30.05.2019

Wanzl baut einen Einkaufswagen für Körperbehinderte

Spezielle Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer hat die Leipheimer Firma Wanzl entwickelt. Einige der Wagen hat Roland Bernert, Leiter des Günzburger V-Marktes, beschafft. Doris Schwarz testete einen Wagen und zog ein positives Fazit.
Bild: Greta Kaiser

Seit Kurzem stehen im Günzburger V-Markt Einkaufswagen bereit, die Rollstuhlfahrer nutzen können. Wanzl hat sie gebaut. Eine Expertin testete das Angebot.

Oft reichen Kleinigkeiten, um das Leben etwas leichter gestalten zu können. Ein Beispiel sind die Einkaufswagen, die die Leipheimer Firma Wanzl speziell für Rollstuhlfahrer entwickelt hat. Vor drei Wochen hat Roland Bernert, der Leiter des V-Marktes in Günzburg, einige dieser Wagen beschafft. Doris Schwarz, Rollstuhlfahrerin und bis vor Kurzem die Behindertenbeauftragte der Stadt, hat für unsere Zeitung einen der Einkaufswagen getestet. Ihr Fazit: „Ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit.“

Vor wenigen Tagen ist Eugen Wehrle gestorben. Er war viele Jahre Sprecher der Selbsthilfegruppe Körperbehinderte im Landkreis Günzburg und als Pförtner bei Wanzl beschäftigt. Als Rollstuhlfahrer war Wehrle unmittelbar an der Entwicklung der Einkaufswagen beteiligt. Nicht nur insoweit hätte es ihm zugestanden, die ersten Praxistests in der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen. „In Erinnerung an Eugen Wehrle habe ich das übernommen“, erklärte Doris Schwarz.

Der Marktleiter reagiert umgehend

Ein langjähriger Weggefährte von Eugen Wehrle war auch Joachim Schlichting. Der ehemalige Kreisjugendpfleger war bis zu seinem Ruhestand vor wenigen Monaten Mitarbeiter der Lebenshilfe Günzburg/Neu-Ulm in Senden und in dieser Funktion unter anderem mit der Behindertenarbeit betraut.

Wanzl baut einen Einkaufswagen für Körperbehinderte

Wehrle hatte ihm von den Einkaufswagen erzählt, Schlichting wandte sich daraufhin an Roland Bernert, der umgehend einige der Wagen für den Günzburger V-Markt besorgte. „Als weiteren Service für körperbehinderte Kunden“, wie der Marktleiter erklärt.

Die Einkaufswagen stehen linker Hand im Eingangsbereich des Supermarktes. Sie sind, so die ersten Erkenntnisse von Doris Schwarz, ein echter Fortschritt. Mit wenigen Handgriffen kann der Wagen an den Rollstuhl angekoppelt werden. Die Hände sind für den Einkauf frei, die Ladefläche befindet sich auf angenehmer Körperhöhe. Sie reicht aus, um die meisten Produkte in den Regalen des V-Marktes selbstständig erreichen zu können. Wo das nicht gelingt, stünden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Supermarktes hilfreich zur Hand, betont Marktleiter Bernert. Das Fassungsvermögen der Wagen reicht bestens aus, um die Besorgungen des täglichen Einkaufs erledigen zu können, an der Kasse können die eingekauften Produkte problemlos auf das Band gelegt werden.

Expertin wünscht sich bessere Kennzeichnung

Seit drei Wochen gibt es die besonderen Einkaufswagen im V-Markt. Auch Rollstuhlfahrer dürften sie im Eingangsbereich des Supermarktes bislang übersehen haben.

Doris Schwarz regte deshalb an, die Stellplätze noch besser zu kennzeichnen. Eine Anregung, die Marktleiter Roland Bernert alsbald umsetzen möchte. Joachim Schlichting hat noch einen weiteren Wunsch – dass das positive Beispiel des Günzburger V-Marktes Schule machen möge und weitere Supermärkte in der Region folgen, im Interesse der zunehmenden Zahl jener, die auf einen Rollstuhl und damit auf Erleichterungen in ihrem Alltag angewiesen sind.

„Servicewagen“ nennt Wanzl seine Produkte, die seit über 20 Jahren hergestellt werden. Neben dem Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer ist es ein Wagen für Gehbehinderte, der nicht nur in der Form an einen Rollator erinnert, sondern auch diese Funktion wahrnimmt. Mit einem weiteren Wagen ist eine Einkaufstour mit behindertem Partner oder Kind möglich.

Pflicht zur Hilfe

Betriebswirtschaftlich betrachtet dürften die Produkte wegen ihrer geringen Stückzahl gar nicht hergestellt werden: Weltweit werden von den Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer pro Jahr zwischen 3000 und 5000 verkauft. Das meiste davon geht nach England. Die anderen Varianten werden noch deutlich weniger hergestellt. Verkaufszahlen spielten aber hier keine Rolle, versichert das Unternehmen. „Wir sehen es als Pflicht an, Menschen mit Handicap wenigstens einen Teil der Möglichkeiten zu bieten, die das Leben erleichtern.“



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