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Landkreis Günzburg

30.08.2020

Was steckt hinter den geheimen Symbolen und Zeichen im Wald?

Josef Jäckle markiert diesen Baum mit einem X. Das bedeutet: Der Baum ist von Käfern befallen und muss schnellstmöglich entfernt werden.
Bild: Michael Lindner

Plus In den heimischen Wäldern gibt es mysteriöse Zeichen an den Bäumen, doch was bedeuten sie? Drei Experten aus der Region klären über die Geheimsprache im Kreis Günzburg auf.

Der Wald ist für viele Menschen ein Ort der Erholung, der Ruhe, der Entspannung. Und wer während eines Spaziergangs aufmerksam um sich blickt, wird immer wieder mysteriöse Zeichen und Symbole an so manchem Baum entdecken. Es gibt im Wind flatternde Bänder, rote und weiße Linien, Buchstaben sowie einzelne Punkte. Doch was haben diese Graffitis an den Bäumen zu bedeuten? Tobias Vorwieger, Revierleiter im Forstrevier Krumbach, Josef Jäckle, Forstrevierleiter in Oberrohr, und Christoph Kohler, stellvertretender Betriebsleiter im Forstbetrieb Weißenhorn, klären bei einer Waldbegehung auf - und erzählen, warum niemand gerne ein "K" oder "X" sehen möchte.

Vorwieger weist zuerst auf eine Besonderheit hin: Während beim Bayerischen Staatsforst einheitliche Regelungen gelten, ist dies bei privaten und kommunalen Wäldern nicht der Fall. Das bedeutet: Jeder kann seine eigenen, ganz individuellen Zeichen auf die Bäume malen. Es sollte jedoch so deutlich sein, dass die Waldarbeiter auch wissen, was an Ort und Stelle zu tun ist. Auch die Farbe sei nicht vorgegeben.

Baumzeichen im Kreis Günzburg: von weißen und roten Linien

So finden sich beispielsweise in dem Waldstück zwischen Hirschfelden und Attenhausen ein gelbes M, eine rote 5 – oder ist es doch eher ein TJ? – sowie blaue Zeichen. Sie zeigen sehr wahrscheinlich die jeweilige Grundstücksgrenze an, erklärt Vorwieger. In „seinem“ Körperschaftswald, der die Gemeinden Aletshausen, Breitenthal, Burtenbach, Deisenhausen, Ebershausen, Jettingen-Scheppach, Kammeltal, Krumbach, Neuburg, Waltenhausen und Wiesenbach umfasst, zeigt er die wichtigsten Zeichen:

Baumzeichen Baumsymbole Zeichen Symbole im Wald Bäume Baum. Förster erklären, was welches Symbol bedeutet.
Bild: Michael Lindner

Zwei weiße Ringe Sie markieren die Grenze zwischen Waldabteilungen innerhalb eines Forstbetriebs. Sie gehen komplett um den Baum herum, damit man von jeder Seite die Grenze erkennt und nicht aus Versehen auf des Nachbars Grundstück einen Baum fällt.

Ein weißer Ring markiert einen sogenannten Zukunftsbaum.
Bild: Michael Lindner

Ein weißer Ring Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Zukunftsbaum. Es ist ein qualitativ hochwertiger Baum, auf den der Förster setzt. Vorwieger zeigt eine etwa 20 bis 30 Jahre alte Fichte mit einer solchen Markierung. Der Stamm ist deutlich dicker als bei den benachbarten Bäumen, auch ist die Krone lang und grün. Damit solch ein Baum genug Platz zur Entfaltung hat, werden sogenannte Bedränger-Bäume in unmittelbarer Nähe weggenommen. Etwa alle acht bis zehn Meter wird ein solcher Zukunftsbaum markiert, sagt Vorwieger.

Pfahl im Boden Damit wird ein Grenzstein markiert, damit er bereits von weitem sichtbar ist und nicht zur Stolperfalle wird oder Maschinen beschädigt.

Tobias Vorwieger zeigt eine sogenannte „Rückegasse“ in einem Kommunalwald. Nur hier dürfen die benötigten Maschinen unterwegs sein. Gekennzeichnet ist eine solche Schneise durch ein weißes R und zwei Striche.
Bild: Michael Lindner

Weißes R mit zwei weißen Schrägstrichen Sobald in einem Wald verwertbares Holz anfällt, stellt sich die Frage, wie dieses heraus transportiert werden soll. Bei diesem Holztransport innerhalb des Waldes spricht man von „Holz rücken“. Damit die dafür benötigten Fahrzeuge durch den Bestand fahren können und möglichst wenig Schaden anrichten, werden sogenannte Rückegassen angelegt und mit diesen Markierungen versehen. Diese Gassen werden etwa alle 30 Meter angelegt und können mitunter für Ärger unter den Waldbesitzern sorgen, sagt Vorwieger. Deshalb rät er dazu, eine solche Rückegasse immer auf dem eigenen Grundstück anzulegen und nicht an der Grenze – denn man wisse nie, ob man sich immer gut miteinander versteht und die gemeinsame Benutzung dann für Unmut sorgt.

Rotes T: Hiermit wird deutlich gemacht, dass es sich um eine Sackgasse handelt
Bild: Michael Lindner

Rotes T Hiermit wird deutlich gemacht, dass es sich um eine Sackgasse handelt und es für die eingesetzten Maschinen nur noch den Weg zurück gibt.

Bei einem Ausrufezeichen gilt besondere Vorsicht.
Bild: Michael Lindner

Rotes ! Wenn der Förster einen Baum mit einem Ausrufezeichen markiert, geht von dem Baum eine Gefahr aus. Er weist die Waldarbeiter also darauf hin, dass hier besondere Vorsicht geboten ist. Es könnten beispielsweise vermehrt Äste herunterfallen. Es könnte sich bei mehreren Ausrufezeichen an einer Baumgruppe aber auch um einen jagdlichen Gefahrenbereich handeln. Die Ausrufezeichen kennzeichnen eine Tabuzone für die Schussabgabe.

Rote Welle Wird ein Baum von Vorwieger mit einem mehrfach geschwungenen Strich markiert, handelt es sich um einen Biotopbaum. Das bedeutet, dass dieser Baum auf jeden Fall stehen bleibt, obwohl er eine „Wunde“ hat. Ein solcher Totbaum ist in der Tierwelt beliebt – sowohl für Spechte, Fledermäuse als auch für Ameisen.

Rotes K „Kein Waldbesitzer möchte dieses Zeichen an einem seiner Bäume sehen“, sagt Vorwieger. Denn der Buchstabe weist auf einen Käferbefall hin und bedeutet: Der Baum muss umgehend gefällt und aus dem Wald transportiert werden, damit sich der Borkenkäfer nicht weiter ausbreitet.

Der Strich bedeutet, dass dieser Baum bei der nächsten Maßnahme entnommen wird.
Bild: Michael Lindner

Roter Schrägstrich Für solch gekennzeichnete Bäume neigt sich die Zeit im Wald dem Ende entgegen. Der Strich bedeutet, dass dieser Baum bei der nächsten Maßnahme entnommen wird.

Einheitlichkeit bei den Zeichen der Bayerischen Staatsforsten

Im Gegensatz zu Privatwäldern, herrscht bei den Bayerischen Staatsforsten eine einheitliche Beschriftung auf den Bäumen. Der Forstbetrieb Weißenhorn bewirtschaftet insgesamt eine Fläche von etwa 14500 Hektar und ist im Wesentlichen für die drei Landkreise Günzburg, Neu-Ulm und Dillingen zuständig. Josef Jäckle und Christoph Kohler erklären vor Ort, welche Markierungen am häufigsten vorkommen.

Zwei Symbole – eine Welle und ein Strich – sind an diesem Baum zu sehen.
Bild: Michael Lindner

Weißer Querstrich Dieses Zeichen symbolisiert eine Rückegasse. Zur Verdeutlichung wird oft noch ein rotes Flatterband auf Augenhöhe angebracht.

Weiße Welle Es handelt sich hierbei um einen Biotopbaum, der schützenswert ist und deshalb keinesfalls gefällt werden darf. Etwa zehn solcher Bäume werden pro Hektar markiert.

Josef Jäckle markiert diesen Baum mit einem X. Das bedeutet: Der Baum ist von Käfern befallen und muss schnellstmöglich entfernt werden.
Bild: Michael Lindner

Roter Querstrich Der Baum wird bei nächster Gelegenheit gefällt und kennzeichnet eine normale Entnahme.

Rotes X Der Baum ist vom Käfer befallen und muss sofort aus dem Wald geschafft werden.

Rote Zahl Diese Zahl – beispielsweise eine 100 – steht für einen Auftragspunkt. Der Förster trägt diesen Punkt außerdem in einer App ein und gibt zusätzliche Daten wie die Anzahl der zu fällenden Bäume mit an. Die Waldarbeiter können all diese Informationen ebenfalls per App anrufen.

Lesen Sie dazu auch: Der Ärger mit dem Borkenkäfer und was mit dem Holz geschieht

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