Newsticker
Corona-Gipfel: Arbeitgeber müssen Homeoffice ermöglichen, Maskenpflicht wird bundesweit verschärft
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wegen Corona: Ein Jugendtreff ohne Jugend - geht das?

Günzburg

11.05.2020

Wegen Corona: Ein Jugendtreff ohne Jugend - geht das?

Weil sich im Jugendtreff in Günzburg gerade keine Teenager treffen dürfen, haben die beiden Jugendarbeiter Christian Roth und Andrea Burkhardt nach Möglichkeiten gesucht, in Kontakt zu bleiben. Dabei sind sie auf Online-Spiele gestoßen, die sie gemeinsam mit den Jugendlichen spielen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die Betreuer halten mit alternativen Konzepten Kontakt zu den Teenagern in Günzburg. Was sich die Jugendarbeiter während des Shutdowns einfallen lassen.

Für viele Jugendliche ist der Jugendtreff in der Wohnanlage der Dr.-Georg-Simnacher-Stiftung in Günzburg der Ort, wo sie ihre Freunde treffen, sich die Zeit vertreiben und bei Problemen Hilfe suchen können. Etwa 20 Jugendliche sind normalerweise jeden Dienstag und Freitag dort. Doch wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen ist der Jugendtreff seit Beginn der Corona-Krise geschlossen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Jugendlichen ganz auf sich allein gestellt sind.

„Als klar wurde, dass es auf eine vorläufige Schließung hinausläuft, haben wir uns schon Gedanken gemacht, wie wir weiter Kontakt halten können“, sagt Christian Roth, der als Jugendarbeiter in dem Treff tätig ist. Zusammen mit seiner Kollegin Andrea Burkhardt ist er weiterhin für die Teenager da – und zwar über soziale Medien. „Wir haben zum Beispiel eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe, in der wir uns austauschen“, erklärt er. Die Jugendarbeiter können auf diesem Weg mit ihren Schützlingen Kontakt aufnehmen und beispielsweise nachfragen, wie es in den Familien läuft.

Gemeinsames virtuelles Spielen kommt an

Denn viele Jugendliche kommen aus sozial schwächeren Familien und brauchen Unterstützung von außen. Oft ist in solchen Fällen die Stimmung im Elternhaus der Teenager angespannt. Besonders wichtig ist es dann, bereits im Vorfeld eine Beziehung aufgebaut zu haben. Manche Jugendliche melden sich aber auch von sich aus, wenn sie Hilfe brauchen. Erst kürzlich hatte Roth Kontakt mit einem Mädchen, das sich auf ein virtuelles Bewerbungsgespräch vorbereitete. „Ich habe den Prozess begleitet und sie beruhigt und es hat auch geklappt: Sie hat die Stelle bekommen“, freut sich Roth.

Als den Betreuern klar wurde, dass der Shutdown länger dauern würde, boten sie den Jugendlichen an, gemeinsam virtuelle Spiele zu spielen. So etwa das Ratespiel „skribbl“: Ein Spieler zeichnet mit der Maus ein Bild, das alle Mitspieler sehen können. Die anderen müssen in einem Chatfenster raten, welches Motiv gerade gezeichnet wird. „Das hat großen Anklang gefunden“, erzählt Roth.

Die Teenager haben sich vorbildlich an die Corona-Vorgaben gehalten

Zusammen mit Andrea Burkhardt war er in den vergangenen Wochen oft in der Stadt unterwegs, um zu überprüfen, ob sich Jugendliche an die Vorgaben halten, und um die jungen Leute über Gefahren und Risiken aufzuklären. „Aufklärende Arbeit“ wird das genannt. Roth lobt, wie vorbildlich die Teenager sich an die Vorgaben halten.

Denn wie er bemerkt hat, herrscht oft Unklarheit unter den Jugendlichen, was denn nun erlaubt ist und was nicht. Darum postet Roth auf dem Instagram-Account des Jugendtreffs regelmäßige Updates zu den Corona-Regelungen.

Austausch über Corona-Verschwörungstheorien

Mit der Funktion der Live-Storys hält er virtuelle Jugendtreffen ab. Das funktioniert so, dass Roth sich selbst live mit dem Handy filmt und die zuschauenden Jugendlichen können kommentieren oder, wenn sie Lust haben, dazuschalten. Roth will so abfangen, was gerade im Alltag fehlt: Einfach mal über Banales wie Musik sprechen, die Grundstimmung auffangen.

Während dieser Online-Treffen spricht Roth auch über die Corona-Situation. Vor Kurzem haben sie sich in diesem Zuge auch über Verschwörungstheorien ausgetauscht. „Da geistern viele verschiedene Informationen im Internet herum.“ Roth klärte die Jugendlichen auf, wie sie sich breitflächiger informieren und Aussagen hinterfragen können.

Jugendliche wollen Rückkehr zur Normalität

Bei den Jugendlichen kommen diese Treffen gut an. Patricia und Leon, beide 16 Jahre alt, finden es toll, wie viel der Jugendtreff für sie organisiert. Beide sprechen mit ihren Freunden weniger über die aktuelle Situation. „Wir wollen, dass alles so schnell wie möglich vorbei ist und wieder Normalität ins Leben kommt“, meint Patricia. Und auch Leon freut sich besonders darauf, wenn der Jugendtreff wieder öffnet.

Darauf müssten die Jugendlichen jedoch noch ein wenig warten. Denn anders als beispielsweise in der Schule ist es im Jugendtreff schwierig, Abstand zu halten. „Der Treff lebt davon, dass er lebendig und laut ist“, erklärt Roth. Stattdessen überlegen sich die Jugendarbeiter alternative Konzepte.

So bereiteten sie Überraschungspakete mit Bastelanleitungen und Rätseln vor, die die Jugendlichen am Freitag abholen konnten. Und ab und zu treffen sie bei ihrer aufklärenden Arbeit auch auf bekannte Jugendliche. „Und das ist auch mal schön“, sagt Roth. Denn der persönliche Kontakt ist auch durch WhatsApp und Instagram nicht zu ersetzen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Günzburger Hip-Hop-Gruppe Smoking Moves tanzt Depressionen weg

Jugendarbeit: Diese Anlaufstelle kennen noch nicht alle

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren