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Landkreis Günzburg

15.03.2019

Wer soll Günzburger Landrat werden?

In gut einem Jahr wird Hubert Hafner nicht mehr in seinem Stuhl im Büro des Landrats sitzen. Wer wird es dann sein? Die Parteien sind bereits auf der Suche, aber haben sich noch auf niemanden festgelegt. Es muss noch abgewägt werden, es fehlen noch Zusagen.
Bild: Till Hofmann

Hubert Hafner darf nicht mehr antreten. Deshalb ist eine Neubesetzung 2020 sicher. Aber durch wen? Über personelle Planspiele, Spekulationen und Absagen. 

In exakt einem Jahr bestimmen die Bürgerinnen und Bürger, wie sich die Stadt- und Gemeinderäte im Landkreis Günzburg zusammensetzen werden. Klar ist schon, dass es einen neuen Landrat geben wird. Denn Hubert Hafner hört nach dann 24 Amtsjahren auf. Nicht unbedingt, weil er will, sondern weil er von Gesetzes wegen mit dann 67 Jahren muss.

„Das ist einerseits gut, weil ich gar nicht ins Grübeln komme, ob ich noch eine Amtszeit dranhängen soll“, sagt der CSU-Landrat, der 1996 Georg Simnacher politisch beerbt hat. Auf der anderen Seite vermittelt der sachorientierte und eher zum Understatement neigende Hafner den Eindruck, dass er weitere sechs Jahre nicht von vornherein ausgeschlossen hätte. Für ihn ist es „inkonsequent“, wenn hauptamtliche erste Bürgermeister und Landräte nicht weitermachen dürfen, während Ministerpräsidenten, Bundeskanzler und Päpste durch eine Altersbeschränkung nicht aufs Altenteil geschickt werden. Man könne meinen, die Arbeit als Landrat sei aufreibender als die des Bundespräsidenten, sagt Hafner. Sein Mund hebt sich dabei zu einem Schmunzeln.

Hubert Hafner will keinen Personalvorschlag unterbreiten

Der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hatte am Mittwoch überraschend angekündigt, am 15. März 2020 sich nicht für eine dritte Amtszeit zu bewerben – und gleich eine Empfehlung abgegeben, auf wen die CSU an seiner Stelle setzen sollte. „Jünger und weiblicher“, lautete sein Ratschlag – mit einem konkreten Namen verbunden. Nachfolge-Vorschläge will Hafner nicht unterbreiten. Sich auf die Suche nach geeigneten Kandidaten zu begeben, dazu seien andere in der CSU-Führungsriege im Kreis gefragt.

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Und diese Suche ist nicht einfacher geworden seit Hans Reichhart als Listenkandidat zwar nicht mehr in den Landtag gekommen ist, dafür aber – für viele überraschend – von Ministerpräsident Markus Söder als Bau- und Verkehrsminister direkt ins Kabinett geholt wurde. Zuvor war der JU-Landesvorsitzende aus Jettingen-Scheppach dort für gut 200 Tage Finanzstaatssekretär gewesen.

In der CSU werden zunächst drei Namen genannt

Der sicher geglaubte Landratskandidat ist der CSU im Kreis damit abhanden gekommen, was die Nachfolgediskussion um Hafner innerhalb der eigenen Partei wieder interessanter macht. Genannt werden vor allem drei Namen: Die Landratsstellvertreterin Monika Wiesmüller-Schwab, Bezirksrätin Stephanie Denzler und Kammeltals Bürgermeister Matthias Kiermasz. Gegen alle potenziellen Bewerber gibt es aus ganz unterschiedlichen Erwägungen auch innerhalb der Partei Vorbehalte. Deshalb wird beispielsweise Ichenhausens Bürgermeister Robert Strobel dem Vernehmen nach wiederholt mit Anfragen konfrontiert, doch noch für den Landratsposten anzutreten, obwohl er dies öffentlich bereits kategorisch ausgeschlossen hatte. Beim Gespräch am Mittwochnachmittag mit Hafner sagte der Landrat gegenüber unserer Zeitung, als Politiker dürfe man einen Fehler nicht machen: „Man soll niemals nie sagen.“

Aber nicht nur die CSU ist – auch der Europawahl am 26. Mai geschuldet – bisher noch nicht in der heißen Findungsphase. Die anderen Parteien tun sich ebenfalls schwer mit dem Personal. Die SPD hat offenbar einen „Mister X“, der nach Angaben des Kreisvorsitzenden Achim Fißl noch bis zu drei Monate Bedenkzeit hat, ob er dem Wunsch der Sozialdemokraten nachkommen will, sich aufstellen zu lassen oder nicht. Notfalls würde es Fißl wohl selbst machen, bevor die SPD keinen eigenen Bewerber präsentieren könnte.

OB Gerhard Jauernig hat eine Kandidatur abgelehnt

Dass die Personaldecke nicht besonders dick ist und Bewerber Schlange stehen, wurde bei einer informellen Zusammenkunft vor einigen Wochen im Günzburger Rathaus deutlich. Sechs SPD-Männer und -Frauen debattierten dort, wie man vorgehen und wen man gegebenenfalls ansprechen sollte.

In der Runde saßen unter anderem Fißl, Gerd Olbrich, Simone Riemenschneider-Blatter und Gerhard Jauernig. Der Günzburger Oberbürgermeister Jauernig hat eine Bewerbung als Landrat jedoch nach Informationen unserer Zeitung abgelehnt, weil er von einer breiten politischen Mehrheit für seine erneute OB-Kandidatur getragen werden soll.

Keinen Kandidaten hat die AfD bislang. Kreischef und Landtagsabgeordneter Gerd Mannes wollte damit aber nicht ausschließen, dass sich das noch ändern kann. „Wenn sich einer findet“, sagt er auf Nachfrage. AfD-Mitglieder könnten auch Nichtmitglieder vorschlagen. Im Fokus werde aber die Bemühung stehen, künftig in einigen Stadträten vertreten zu sein. Der erste Ortsverband im Landkreis soll noch vor der Europawahl für Ichenhausen und das Umland gegründet werden.

Und was ist mit den Grünen? „Es gibt noch nichts Konkretes“. Wir sind noch in den Vorplanungen und dem Sichten“, sagt Kreis- und Bezirksvorsitzender Maximilian Deisenhofer. Es habe sich 2014 jedenfalls bewährt, mit Christine Kamm eine eigene „Kandidatin mit Format“ aufzubieten. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, konnten im Kreistag die Zahl der Mandate von drei auf sechs verdoppeln“, so der Landtagsabgeordnete.

Von Leidenschaft und Augenmaß

Egal wer Hubert Hafner nachfolgen wird: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß sind – bei persönlicher Integrität – für den 66-Jährigen herausstechende Eigenschaften eines „guten Politikers“.

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